630 Seiten „Überwiegend heiter?“ · Katharina Honus hat ihre Lebenserinnerungen veröffentlicht

„... und dann kannst du noch lachen?“

Korbach. - „Erlebtes und Erzähltes“ aus ihrem bewegten wie bewegenden Leben hat die 92-jährige Katharina Honus in Buchform gebracht. Ihre Autobiografie umfasst knapp 630 Seiten und trägt den Titel: „Überwiegend heiter?“

Das Fragezeichen ist bewusst gewählt, erklärt die langjährige Lehrbeauftragte für Seniorengymnastik und -tanz des DRK-Landesverbandes. Episoden aus ihrer Vita hätten die Zuhörer häufig mit Erstaunen quittiert: „... und dann kannst du noch lachen?“ Sich nicht unterkriegen zu lassen und nach dem Motto zu verfahren: „Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist“, habe sie bis heute ?beherzigt, beherzigen müssen. In schlesischer Kleinstadt geborenen Katharina Honus wurde am 12. August 1921 in der schlesischen Kleinstadt Weißstein (Bia?y Kamién) geboren. „Unbeschwerte Kinderzeit zwischen Hochwald und Kohlerevier“, heißt das entsprechende Kapitel im Buch. Tänzerin wollte sie werden. Ihre damals angeschlagene Gesundheit ließ es jedoch nicht zu. Ein Jahr vor ihrer Lehrerprüfung heiratete sie ihren zwölf Jahre älteren Mann, und „in rascher Eile“ kamen fünf Kinder auf die Welt. Ihr Mann wurde 1944 schwer verwundet, blieb halbseitig gelähmt. Nach Kriegsende kam die Familie zunächst in Hoyerswerda und Leipzig, dann für drei Jahre im Flüchtlingslager Ober-Elsbach in der bayerischen Rhön unter. Verbindungen zum Schwager, der aus Rattlar stammte und in Schlesien gesiedelt hatte, führten schließlich dazu, dass Katharina Honus mit ihrer Familie ins Waldecker Land kam. 1980 starb der Ehemann, den sie die letzten sechs ?Jahre zu Hause gepflegt hatte. Den Anstoß zur Autobiografie gibt ihr 1986 der Rentenantrag. Weil sie dazu auch ?einen Lebenslauf einreichen muss, kommt sie ins Grübeln, wie im Buch nachzulesen ist: „Fünfundsechzig Jahre, von 1921 bis 1986 sehr ordnungsgemäß aufgelistet. Aber ich kann mich darin nicht erkennen. Die Jahreszahlen, Fakten, Daten, Orte, alles das stimmt. Aber ist das Leben? Es erscheint mir leblos. Es wird nichts ausgesagt über den Menschen, seine Eigenschaften, Fähigkeiten und Möglichkeiten, seine Wünsche und Träume, seine Fehler, sein Versagen, seine Erlebnisse, seine Erfolge, seine Schwäche, ?seine Schuld, seine Freude, seine Liebe. Rückblickend erscheint ?mir alles das sehr nahe, sehr ?lebendig, wie ein Kaleidoskop: Man schüttelt und alle bunten Steinchen ordnen sich neu. Es ist ein spannendes, nie ermüdendes Spiel. So habe ich ihn ?erlebt: meinen Lebenslauf.“ „Filmisches Gedächtnis“ statt Notizen Es vergehen weitere 15 Jahre, in denen sie unter anderem als Lehrbeauftragte des DRK-Landesverbandes Hessen Übungsleiterinnen unterrichtet, viele DRK-Altenclubs im Korbacher Umland mit aus der Taufe hebt, sich im Sozialverband VdK engagiert und im gemischten Chor „Eintracht“ mitsingt. Mit 81 Jahren beginnt Katharina Honus damit, ihr Leben aufzuschreiben. Auf Tagebücher oder Notizen greift sie dabei nicht zurück. Sie habe eine Art „filmisches Gedächtnis“. Womöglich sei nicht allen recht, die im Buch erwähnt werden, „wie ?gut ich mich erinnern kann“. Begegnungen mit ?vielen Menschen Zweiter Weltkrieg, Vertreibung, Neuanfang, Ressentiments gegenüber Flüchtlingen, private Schicksalsschläge, aber auch viele Begegnungen mit Menschen, die es gut mit ihr meinten: Katharina Honus hat viel erfahren und zu erzählen. Das Schlusswort überlässt sie allerdings Wilhelm Busch: „Ratsch, man zieht den Vorhang zu“, um es zu ergänzen: „Und nun hat man seine Ruh (Oder doch nicht?)“ „Überwiegend heiter?“ ist im Selbstverlag erschienen und kann im Internet (www.ueberwiegendheiter.jimdo.com) und im Buchhandel erworben werden.

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