Bürgerversammlung: Sorgen wegen geplanter Windvorrangfläche „Marke“

„Dann sind wir kleinen Strother dran“

Korbach-Strothe - Geht es nach den Korbacher Stadtverordneten, dann sollen Vorrangflächen für Windkraftanlagen nur in der „Marke“ bei Strothe entstehen. Dafür haben nicht alle Einwohner des Ortes Verständnis.

Fledermäuse, Schattenwurf und Immobilienpreise: Wenn Detlef Schmidt Fragen zur Windkraft beantwortet, dann muss er auf ein breites Themenspektrum eingestellt sein. So auch am Montagabend in Strothe. Bei der Bürgerversammlung ging der Planer vom Büro für Freiraum- und Landschaftsplanung in Grebenstein auf die Ängste und Sorgen der Strother ein. Dabei zeigte sich, dass bei so manchem Einwohner die Verärgerung über die Pläne der Stadt groß ist.

„Ab auf den Ettelsberg“

Geht es nach den Stadtverordneten, dann werden die Windkraft-Vorrangflächen am „Welschen Lied“ bei Goldhausen und am „Eschenberg“ an der Grenze zu Lichtenfels aus dem Entwurf des Regionalplans gestrichen. Die Konzentration soll ganz der „Marke“ an der Landesstraße 3083 gelten (wir berichteten).

„Warum wird die kleine Fläche bei Strothe so intensiv verfolgt, wenn doch die anderen viel größer sind?“, lautete eine Frage aus dem Publikum. Schmidt erklärte dies zum einen mit detaillierten Gutachten für die „Marke“, die unter anderem von der Verbands-Energie-Werk Gesellschaft für erneuerbare Energien (VEW) in Auftrag gegeben worden sind. Diese plant dort mit der Marker Waldgenossenschaft einen Windpark. So seien die Windgeschwindigkeiten noch höher, als vom Regierungspräsidium berechnet. Damit Zugvögel und Fledermäuse nicht gestört werden, sollen die Anlagen in den Zeiten der Wanderungen abgeschaltet werden. „Das ist dann ein wirtschaftlicher Faktor für die Investoren“, erläuterte Detlef Schmidt. Bei den anderen Flächen seien die ornithologischen Daten zudem nicht so genau erfasst.

Ein weiterer Grund, der für einen Windpark bei Strothe spricht, ist das Wetterradar bei Flechtdorf. Durch den Sperrradius in die Höhe dürften Windräder bei Goldhausen nicht größer als 100 Meter sein. Solche Mühlen würden heute aber nicht mehr aufgestellt. „Dann ab auf den Ettelsberg mit dem blöden Ding“, war eine Forderung aus dem Publikum. An eine Versetzung in naher Zukunft glaubt Detlef Schmidt aber nicht.

Beim Thema Schattenwurf durch die großen Flügel gab Schmidt Entwarnung. Diesen gebe es wenn überhaupt nur in bestimmten Monaten und zu bestimmten Tageszeiten. „Länger als 30 Minuten am Tag darf gesetzlich kein Schatten auf ein Haus fallen, dann muss die Anlage abgeschaltet werden.“ Auch sei in Deutschland bisher nicht zu beobachten gewesen, dass die Immobilienpreise bei Häusern in der Nähe von Windrädern stark fallen würden.

Eine weitere Sorge betrifft die Waldflächen, die durch den Bau zerstört werden. Fünf bis acht Anlagen könnten in der Marke errichtet werden, diese müssten wohl über Waldwege in den Wald transportiert werden - Kräne zum Aufbau inklusive. Riesige Schneisen dürften dann aber nicht entstehen, so Schmidt. Da sei die Naturschutzbehörde sensibel. Aber: „Windkraft im Wald ist schwierig.“

„Am Anfang der Planung“

Dass der Planer den Strothern die Sorgen nicht wirklich nehmen konnte, zeigte sich in der zum Schluss hitziger werdenden Diskussion. „Nur weil es ein paar Investoren ums Geld geht, sind am Ende wir kleinen Stro­ther dran“, hieß es von einem Zuschauer. Auch wurde kritisiert, dass die Einwohner zu spät informiert worden seien. Marie-Louise Häpe von der Stadtentwicklung und Ortsvorsteher Hans Rudolph wiesen darauf hin, dass die Pläne seit dem 15. März bei der Stadt und im Internet offenliegen. Noch bis zum 27. Mai kann jeder eine Stellungnahme beim Regierungspräsidium abgeben. „Wir stehen am Anfang der Planung“, wies Schmidt darauf hin, dass es bis zu einer endgültigen Entscheidung ein langer Weg sei. „Aber die Richtung ist vorgegeben.“

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