Hillershäuser Grenzbegang im Rahmen der Teilung der Freigrafschaft mit historischem Bierprozess

„Das war immer ein Saufgelage“

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Korbach - Es ging um ganz wichtige Dinge: um Ehre und um Bier. Zum 350. Jahrestag der Teilung der Freigrafschaft Düdinghausen ließen die Hillershäuser nach ihrem Schnadezug den Bierprozess mit Medebach wieder aufleben.

Am frühen Morgen machten sie sich auf. Gut 100 Hillershäuser, Medebacher und Freunde aus umliegenden Dörfern sind gemeinsam die Grenzen rund um Hillershausen abgegangen. Auf dem zehn Kilometer langen Weg machten sie an acht Grenzsteinen halt. Was dabei natürlich nicht fehlen durfte: dorfgeschichtliche Themen und das Stutzen desjenigen, der darüber referiert hatte. Ob Bürgermeister, Geschichtsvereinsvorsitzender oder Ortsvorsteher, beim Schnadezug waren sie alle gleich.

Streit um Ehre und Bier

Bei der Rückkehr auf den Dorfplatz Hillershausen erwartete die Wanderer und ihre Gäste der Höhepunkt des Schnadezugs: Theaterspieler aus Hillershausen und Medebach ließen den sogenannten Bierprozess nach 150 Jahren wieder aufleben. Nach der Teilung der Freigrafschaft Düdinghausen besaß die Stadt Medebach große Wiesenflächen in Richtung Hillershausen. Zwei Drittel dieser Hudeflächen überließen sie ihrem Nachbarort - aber nicht ohne dafür eine Gegenleistung einzufordern. Jährlich mussten die Hillershäuser ein Ohm Bier entrichten. Das entspricht 137,4 Litern, die dann von den beiden Orten alle drei Jahre bei den Schnadezügen verköstigt wurden. Im Jahr 1858 stellten die Hillershäuser jedoch die Lieferungen ein und tranken ihr Bier lieber im heimischen Dorf unter dem Schutz ihres Fürsten. Daraufhin zogen die Medebacher vor Gericht. Der Streit um Ehre und Bier ging bis zum königlichen Obertribunal in Berlin. Szenen dieses Rechtsstreits stellten die Schauspieler beider Orte also nach.

Juristisches Tauziehen

Obwohl es zwischenzeitlich in Strömen regnete, ließen sich weder die Akteure noch ihre vielen Zuschauer den Spaß verderben. Eisern trotzten sie dem Wetter und tauchten für kurze Zeit in die alte Fehde ein. Und eigentlich waren die Kontrahenten nie wirkliche Feinde. Bei den gemeinsamen Schnadezügen profitierten immer beide Seiten, wie auch ein Hillershäuser Bauer vor Gericht zu erzählen wusste: „Wenn ich hier die Wahrheit sprechen soll, und lügen tu’ ich nicht, dann war das immer ein Saufgelage.“

Die Einstellung der Zahlungen schmerzte die Medebacher jedoch empfindlich, schließlich lechzten sie nach dem guten Schnadebier. Die Hillershäuser wollten sich andererseits nach wie vor nicht als alleinige Lieferanten in der Pflicht sehen. So war es ein juristisches Tauziehen von Gericht zu Gericht, was erst nach sechs Jahren zu einer Einigung zwischen den Orten führte. Und heute, 150 Jahre nach dem Streit, freuten sie sich gemeinsam auf das gute, dieses Mal in Medebach gebraute Schnadebier.

Geselligkeit und Frieden

Jeweils ein Fass Freibier sponserten der Bürgermeister Medebachs, Thomas Grosche, und der Hillershäuser Ortsvorsteher Andreas Schulte, um die alte Fehde endgültig zu begraben. Außerdem sprach sich Grosche dafür aus, dass von nun an bei jedem Schnadezug das Freibier zur Tradition werden solle.

Es war die Uraufführung des Bierprozesses mit Charme und Witz. Es war die dritte Schnade, die Hillershausen ausrichtete, dieses Jahr im Rahmen von zwei Jubiläen. Und es waren zwei Fässer Bier, die sich in eine lange Historie einreihen. Alles war in diesem Jahr etwas größer als sonst. Mit viel Spaß und Geselligkeit verbrachten die Wanderer und Gäste aus den umliegenden Dörfern einen langen Nachmittag bei Kaffee, Bier und Gesprächen. Auf dass der umkämpfte Frieden gewahrt werde.

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