Petra Hendrich und Jule Hense helfen, Einbruchserie aufzuklären · Belohnung

„Das war für mich selbstverständlich“

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Moderner Nachtwächter: Petra Hendrich erhielt gestern als Belohnung für ihre Zivilcourage Blumen und Scheck. Das Geld will sie sich mit Arbeitskollegin Jule Hense teilen.

Korbach - Es ist kurz nach 23 Uhr. Petra Hendrich ist auf dem Weg nach Hause. Sie erwischt einen Einbrecher auf frischer Tat. Wenig später fasst ihn die Polizei, eine beispiellose Einbruchserie hat ein Ende. Gestern erhielt die Korbacherin Lob und Anerkennung - und einen Scheck.

November 2011: In der Kreisstadt treibt ein unbekannter Einbrecher sein Unwesen. Er hat es auf kleine Gewerbebetriebe und kommunale Räume zwischen Jugendherberge und „Loch“ abgesehen. Erst sind nur die Händler eingeschüchtert. Doch als Wochen später die Serie immer noch kein Ende genommen hat, sorgen sich auch die Bürger der Stadt um ihre sieben Sachen.

Ein Jahr später sind die meisten Diebstähle und Einbrüche aufgeklärt. Der 21-jährige Täter sitzt für drei Jahre in Haft. Ihm hat die Polizei 24 Diebstähle nachweisen können.

Der Erfolg liegt zum einen an den Anstrengungen der Ermittler, die Extraschichten schieben und Unterstützung von der Bereitschaftspolizei bekommen; die Arbeitsgruppe „Kilian“ ermittelt auf Hochtouren. Das liegt aber zum anderen an Petra Hendrich. Die 42-Jährige hat der Polizei Anfang Februar 2012 den entscheidenden Hinweis gegeben.

Gestern überreichten ihr Vertreter von Stadt, Kreis und Polizei im Rathaus die ausgeschriebene Belohnung und loben ihre Zivilcourage. „Es geht nicht ohne die Bürger“, findet Bürgermeister Klaus Friedrich. Die Korbacher würden nicht wegschauen, findet das Stadtoberhaupt. Polizeichef Hubertus Hannappel nimmt das Lob der Stadt für seine Polizeibeamten gerne zur Kenntnis: „Das war schon nicht alltäglich.“

Petra Hendrich durfte gestern einige offizielle Hände schütteln. Ihre abendliche Kundschaft belässt es meist eher bei einer Bestellung. Sie bedient in einer Billardkneipe in der Innenstadt. Kurz nach 23 Uhr beendet sie am 1. Februar, es ist Mittwochnacht, ihre Schicht.

Über die Professor-Bier-Straße führt ihr Weg in Richtung Berndorfer Tor nach Hause. „Bei dem Asia-Grill habe ich plötzlich bemerkt, dass sich ein dunkel bekleideter Mann an der Tür zu schaffen macht“, erinnerte sie sich gestern. Sie überlegt nicht lange, macht einen Schritt auf den Übeltäter zu und spricht ihn an: „Was machen Sie denn da?“, fragt sie unerschrocken. Als der Täter sie bemerkt, sucht er das Weite.

Mut aus Spielothek

Die Polizei rät eigentlich dazu, keinen direkten Kontakt zum Gegenüber zu suchen. Doch Petra Hendrich hat keine Scheu. „Ich habe früher in einer Spielothek gearbeitet“, erklärt sie. „Seitdem habe ich gesunden Respekt. Aber keine Angst. Als ich ihn gesehen habe, habe ich nicht lange überlegt und den Notruf gewählt. Am längsten hat es noch gedauert, die Handschuhe auszuziehen. Das Ganze war für mich selbstverständlich.“

Es sind glückliche Umstände, die an diesem späten Abend zusammenkommen. Denn sie kennt den jungen Mann: Er war kurz zuvor in ihrer Billardkneipe eingekehrt - und beim Rausgehen unangenehm aufgefallen, weil er auf den Boden gespuckt hatte. Nach kurzer Rücksprache mit ihrer Kollegin Jule Hensel ist sie sicher, wen sie am „Asia-Grill“ gesehen hat. Sogar den Namen kann sie der Polizei liefern.

Belohnung war unbekannt

„Von der Belohnung wusste ich gar nichts“, versichert die resolute Korbacherin. Stadt Korbach, der Landkreis und ein Unternehmer hatten Anfang 2012 genug von dem Diebes-Spuk und setzten zusammen eine Belohnung aus. „Es gab große Schäden und viel Unruhe“, erinnert sich Jens Deutschendorf, der Stellvertreter des Landrats, an die damalige Situation.

Wie groß die Belastung für die Polizei war, daran erinnern am Dienstag die Vertreter der Exekutive. Günter Mehler und Ralf Wetzel von der AG „Kilian“ gingen damals vielen Spuren nach und koordinierten die Streifgänge. Zeitweise waren bis zu 20 Polizisten gleichzeitig auf den Straßen Korbachs unterwegs. Insgesamt galt es, 100 Diebstähle und Einbrüche aufzuklären.

Zusätzlich zu dem 21-Jährigen, der bei der Polizei kein Unbekannter ist, kristallisieren sich im Laufe der Ermittlungen vier weitere Täter heraus. Auch sie sind inzwischen gefasst, aber noch nicht verurteilt. Gemeinsame Sache mit dem Einzeltäter machten sie nach Erkenntnissen der Polizei aber nicht.

Geld auch für Kollegin

Die 2000 Euro Belohnung behält Petra Hendrich nicht für sich allein. Mit Kollegin Jule Hensel möchte sie einen Ausflug nach Hamburg zum Musical „König der Löwen“ machen. Geld für eine kleine „Shopping-Tour“ dürfte ebenfalls noch übrig sein, hofft sie.

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