Hessen Mobil ließ Bäume in Neukirchen fällen – auf Wunsch einiger und zum Verdruss anderer Bürger

„Das hat mir in der Seele richtig wehgetan“

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Einige Dutzend Bäume sind in Neukirchen abgeholzt worden – das Ortsbild ist stark verändert.

Lichtenfels-Neukirchen - In der Waldecker Straße in Neukirchen hat Hessen Mobil zahlreiche Bäume fällen lassen. Anwohner sind entrüstet.

„Mir hat es in der Seele richtig wehgetan, als ich sah, wie viele Bäume die gefällt haben“, sagt eine Frau aus Neukirchen, die ungenannt bleiben möchte. Sie wohnt in der Prangelstraße, die unterhalb der Waldecker Straße am Ortseingang aus Richtung Münden liegt. Die Straße ist an der Stelle anfangs kurvig und abschüssig. „Wir haben den Baumbestand immer als Schutz empfunden - als Sicht- und Lärmschutz, aber auch als Schutz vor den Fahrzeugen. Denn vor etlichen Jahren ist es schon zweimal passiert, dass Autos auf der Waldecker Straße ins Rutschen kamen und in Häusern in der Prangelstraße landeten“, erklärt die Frau. „Die Bäume wurden damals extra gepflanzt, um Häuser und Bewohner zu schützen.“ Zwei weitere Nachbarinnen bestätigen das.

Seit Montag ist dieser Schutz nicht mehr da; stattliche Birken, Kiefern und Bergahorn, die die Waldecker Straße am Ortseingang säumten, wurden innerhalb kurzer Zeit gefällt und lagern nun vorerst entlang der Straße. „Die Leitplanke hält keinen Lkw, der ins Rutschen gerät“, ist sich die Neukirchenerin sicher und hofft, dass wenigstens neue Bäume oder Büsche gepflanzt werden.

Das sei nicht geplant, erklärt Horst Sinemus, Sprecher von Hessen Mobil. Das Amt für Straßen- und Verkehrsmanagement mit Sitz in Bad Arolsen hat die Kreisstraßenmeisterei unter sich und die Aufgabe, einen reibungslosen Ablauf für alle Verkehrsteilnehmer zu garantieren. Dazu gehöre es auch, in regelmäßigen Abständen Rückschnitte an den Straßenbäumen vorzunehmen. Entlang der Kreisstraße in Neukirchen sei schon viele Jahre nicht geschnitten worden, „das wurde nun am Montag nachgeholt“, erklärt er auf Nachfrage der WLZ-FZ.

„Unter den gefällten Bäumen waren teils ältere Gehölze, die eine Gefahr darstellten, und Pioniergehölze wie Birken, die schnell wachsen und dann rausgenommen werden, wenn sich die anderen Bäume entwickelt haben“, sagt Sinemus weiter. Die Büsche seien auf Stock gesetzt worden und würden wieder austreiben. Von einer Gefährdung durch den Verkehr sei nicht auszugehen, verweist er auf die Leitplanke und höher gesetzte Bordsteine.

Letztendlich gehe der Schnitt auch auf den Wunsch einiger Einwohner aus Neukirchen zurück. „Bürger hatten sich an die Straßenmeisterei gewandt und um einen Eingriff gebeten“, sagt Horst Sinemus. Sie hätten Blattfall und fehlende Sicht bemängelt. „Da gibt es unterschiedliche Interessenlagen.“

„Das waren gesunde Bäume, die das Ortsbild geprägt haben - ich hätte wenigstens eine Bürgerbefragung erwartet, ehe ein solcher Eingriff vorgenommen wird. Und meine Zustimmung hätte ich verweigert“, erklärt die Frau, die über die radikale Rodung traurig und empört ist.

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