Rund 1,8 Millionen Euro sollen im nächsten Jahr in Projekte in der Großgemeinde Vöhl fließen

„Den Grundstein für die Zukunft legen“

Vöhl - „Am Horizont ist noch lange kein Silberstreif zu erkennen“, betonte Vöhls Bürgermeister gestern Abend bei der Einbringung des Haushalts für 2013. An einen Haushaltsausgleich sei nicht zu denken. Er rief aber dazu auf, dennoch mutig die Zukunft zu gestalten.

Noch nie sei die Gratwanderung so schwierig gewesen wie in diesem Jahr. Das stellte Vöhls Bürgermeister Harald Plünnecke in seiner Haushaltsrede gestern Abend in der Vöhler Henkelhalle gleich zu Beginn fest. „Auf der einen Seite müssen wir die Finanzlage unserer Gemeinde klar und realistisch darstellen und das eigene Handeln und Zutun deutlich machen“, erklärte er den Zwiespalt, „auf der anderen Seite müssen wir den Mut haben, das zu verändern, was wir positiv verändern können“. Gemeinsam müsse man den Grundstein für die Zukunft legen. „Denn die Zukunft kann man bauen“, befand Plünnecke.

Und so sieht der Haushaltsplan für das nächste Jahr Investitionen von rund 1,77 Millionen Euro vor. Als größter Posten schlägt dabei ein möglicher Anbau an das Vöhler Rathaus zu Buche (siehe weiteren Text). Am Ende der Rechnung würde eine Nettoneuverschuldung von 640000 Euro stehen, der Schuldenstand würde von 9,52 Millionen auf 10,18 Millionen Euro wachsen - das bedeutet eine Pro-Kopf-Verschuldung von 1704,77 Euro.

Ausgabenbeschränkung

Die Fehlbeträge beider Etats allerdings sinken: Den Investitionen stehen Einzahlungen aus Investitionszuschüssen von 417650 Euro gegenüber, so dass sich die Kreditaufnahme auf 1,346 Millionen Euro beläuft. Im vergangenen Jahr lag der Fehlbetrag im Haushaltsentwurf noch rund 20000 Euro höher.

„Der Fehlbedarf im Ergebnishaushalt hat sich um 30970 Euro auf 689300 Euro verringert“, ergänzte Harald Plünnecke. Die seit mehr als drei Jahren geltende Ausgabenbeschränkung soll auch im kommenden Jahr gelten. Allerdings würde der komplette Verzicht auf dringende Sanierungs- und Renovierungsarbeiten wesentlich höhere Kosten in den Folgejahren verursachen. So sind auch im Ergebnishaushalt - wo die laufenden Aufwendungen und Erträge aufgeführt sind - Ausgaben von 8,67 Millionen Euro geplant.

So schlägt etwa die Kinderbetreuung in Vöhl mit 795100 Euro zu Buche, für den Betrieb des Henkelbades werden 67795 Euro an die Energie Waldeck-Frankenberg bezahlt, für das Anruf-Sammeltaxi sind 65000 statt wie bisher 60000 Euro eingeplant, für die Sanierung der Schlossgartenmauer in Vöhl 30000 Euro. Hohen Defiziten in den Teilergebnishaushalten „Verkehrswege“ (434700 Euro), „Friedhöfe“ (108250 Euro) und „Dorfgemeinschaftshäuser“ (277100 Euro) steht ein Überschuss von 15830 Euro bei der Abfallentsorgung gegenüber.

Abstimmung am 11. März

„Auf der einen Seite erhalten wir rund 200000 Euro mehr an Schlüsselzuweisungen“, erklärte Plünnecke, „auf der anderen Seite müssen wir aber auf Grund der Veränderung der Berechnungsgrundlage rund 200000 Euro mehr an Kreis- und Schulumlage an den Landkreis zahlen“. Dies ist nach Ansicht Plünneckes aber kein Grund, „in Pessimismus zu verharren“. Für ihn steht fest: „Wer heute den Kopf in den Sand steckt, der knirscht morgen mit den Zähnen.“

Während der Gemeindevertretersitzung stellte Plünnecke auch den Entwurf des Wirtschaftsplans des Eigenbetriebs „Wasserversorgung und Abwasserentsorgung“ vor. Mehr dazu lesen Sie in unserer Montagausgabe. Am 11. März stimmen die Gemeindevertreter über den Haushalt ab.

Zahlen und Fakten

Große Baustellen und kleine Projekte: Insgesamt 1 774 600 Euro sollen im nächsten Jahr in Vöhl investiert werden:

Rathaus: Den größten Teil der vorgesehenen Investitionen machen Bauarbeiten am Rathaus aus. 709 000 Euro sind dafür vorgesehen. Noch hat die Gemeindevertretung nicht beschlossen, ob ein Anbau oder die Teilausgliederung der Gemeindeverwaltung das alte „Hinterhaus“ ersetzen sollen. Wegen einer Mäuseplage ist das alte Gebäude nicht mehr nutzbar, außerdem sind die Räume nicht isoliert. Der Gemeindevorstand empfiehlt aus „Kosten- und Wirtschaftlichkeitsgründen den Anbau eines Passivhauses. Neben den vorgesehenen 700 000 Euro ist eine Verpflichtungsermächtigung für die grundhafte Sanierung des Rathauses in Höhe von 200 000 Euro ausgebracht.

Straßenbau und -beleuchtung: Vielerorts sollen Straßenbauarbeiten stattfinden. Die größte Baustelle erwartet Dorfitter: Die Straße „Am Hartenknapp“ soll für 286 000 ausgebaut werden, Straßenbeiträge der Anlieger von rund 214 000 Euro werden erwartet. 82 000 Euro soll die Errichtung eines Bordsteins gegen Überschwemmungen „In der Schlade“ kosten, das Befestigen des Itterufers „Am Rammelsberg“ soll 150 000 Euro kosten.

Auch in Schmittlotheim soll „Im Heubach“ eine Stützmauer gebaut werden – für 42 000 Euro. Eine Gehwegerweiterung in der Straße „Hecke“ in Marienhagen kostet 30 000 Euro, Anliegerbeteiligungen von 22 500 Euro werden erwartet.

Auch in Vöhl stehen Bauarbeiten an: Das Haus in der Mittelgasse 2 soll abgerissen werden, um dort einen Parkplatz zu errichten – auch für Besucher der ehemaligen Synagoge. Die Kosten werden auf 26 000 Euro geschätzt. Die Umrüstung auf Energiesparlampen bei der Straßenbeleuchtung kostet 75 000 Euro.

Dorferneuerung: Mit Unterstützung von Fördergeldern soll für 90 000 Euro in Basdorf der Friedhof umgestaltet werden, der Anteil der Gemeinde wird mit 52 500 Euro kalkuliert. Die „Alte Schmiede“, die statt der Festscheune ins Programm genommen werden soll, würde Kosten von 35 000 Euro bedeuten, es werden Zuschüsse von 26 250 Euro erwartet.

Feuerwehren: 35 563 Euro kostet die Anschaffung eines Tragkraftspritzenfahrzeugs für die Feuerwehr in Basdorf. Ein neues Fahrzeug für die Obernburger Feuerwehrleute ist mit 40 000 Euro veranschlagt. Durch den Digitalfunk, der im nächsten Jahr nun eingeführt wird, entstehen der Gemeinde Kosten von rund 52 300 Euro, auf die ein Zuschuss von 10 400 Euro erwartet wird. Für 2014 sind weitere 121 640 Euro als Verpflichtungsermächtigung ausgewiesen, um Sirenensteuerungen und Meldeempfänger umzurüsten.

Friedhöfe: Für 30 000 Euro soll in Schmittlotheim ein Parkplatz für Friedhofsbesucher gebaut werden.

Spielplätze: In Oberorke (10 000 Euro), Obernburg und Asel (jeweils 5000 Euro) sollen neue Spielgeräte angeschafft werden. 5000 Euro gibt es für die übrigen Spielplätze.

Kindergärten: Für 9000 Euro sollen geräte und Mobiliar für den Ganztagskindergarten in Marienhagen gekauft werden, rund 10 000 Euro werden für Möbel und andere Anschaffungen in die übrigen Kindergärten investiert. (resa)

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