Die kleine Kapelle in Nordenbeck erhält ein neues Dach

Das Denkmal einer kämpferischen Frau

Das Dach der kleinen Kapelle in Nordenbeck wird saniert. Morsche Teile der Balken sind bereits ausgetauscht, das Dach wird mit Moselschiefer gedeckt. Errichtet wurde die Kapelle 1595, wie das Wappen über der Tür zeigt.Fotos: Kleine

Korbach-Nordenbeck - Die kleine Kapelle in Nordenbeck steht im Gerüst. Neuer Moselschiefer und Sanierung im Gebälk sollen das historische Kleinod für kommende Jahrzehnte wappnen. Die Kapelle erzählt die Geschichte einer starken Frau.

Geschäfte innerhalb der Familie sind schon eine verflixte Sache. Wenn es aber ums Erbe geht, dann zerlegt es so manche holde Sippe gründlich.

Beim Gutshof in Nordenbeck, der alten Wasserburg mit ihrem mächtigen, über 600 Jahre alten gotischen Wohnturm ist die Geschichte um einen legendären Erbschaftskonflikt quasi in Stein gemeißelt. Es geht um Anna von Viermund (Viermünden), Herrin von Nordenbeck, die 1599 starb.

Beigesetzt wurde Anna in der Nieder-Enser Kirche, wo ein Grabepitaph von ihrem spannenden Leben kündet. 1595 stiftete Anna auch die kleine Kapelle neben dem Gutshof in Nordenbeck – und schräg gegenüber ein kleines Armenhaus.

Kapelle und Armenhaus sind Dankeszeichen Annas, dass sie einen rund 25 Jahre währenden Kampf um das Erbe ihres Vaters gewonnen hatte. Nach dem Verständnis der frühen Neuzeit ging der adlige Nachlass stets in männlichen Besitz über. Somit traten drei Vettern der Anna von Viermund auf den Plan, um der kämpferischen Frau das Erbe streitig zu machen. Selbst vor kriegerischer Gewalt scheuten die Vettern nicht zurück, um die Wasserburg in ihre Hände zu reißen.

Anna (geboren 1538 in Nordenbeck) begegnete dem Konflikt derweil listig und mit starken Waffen einer Frau. Sie heiratete 1563 den waldeckischen Grafen Heinrich IX. – spontan und ohne Prunk in einer Korbacher Apotheke. Für ihre Zwecke setzte Anna ebenso den hessischen Landgrafen in Aktion. Und sie verwies auf eine vielsagende Stelle in der Bibel: Wenn direkte männliche Nachkommen fehlen, dann soll die Tochter das Erbe erhalten, heißt es im Alten Testament.

Doch am Ende musste erst das Reichskammergericht zu Speyer 1587 entscheiden, dass Anna die rechtmäßige Herrin in Nordenbeck und über weitere Güter bleiben durfte. Die Vettern und deren Familien gingen pleite. Zuvor war Annas Ehemann, Graf Heinrich, 1577 bei einem Feldzug gegen Annas Vettern gestorben. Und pikanterweise hatte Anna 1583 Kuno von Winnenberg geheiratet, der just die Jahre zuvor Präsident des Reichskammergerichts gewesen war und den langen Prozess begleitet hatte.

Landesdenkmalpflegeunterstützt Sanierung

All diese Erinnerungen hütet die kleine denkmalgeschützte Nordenbecker Kapelle mit ihren Mauern aus Kalkstein. Nach der Sanierung des Wohnturms im Gutshof, hat die Familie Canisius als Besitzerin nunmehr auch die Dachsanierung der Kapelle in Angriff genommen. Etliche Balken waren durch Feuchtigkeit morsch, die Decke zum Innenraum hing durch.

Die Zimmermannsarbeiten hat die Firma Spohr (Frankenau) übernommen, die Firma Rohde aus Eimelrod soll dann das Dach mit deutschem Moselschiefer decken.

Die Gesamtkosten liegen bei rund 22000 Euro, die zur Hälfte von der Landesdenkmalpflege getragen werden. Diese Woche nahmen Bezirkskonservator Dr. Bernhard Buchstab und Ingenieur Ralf Gockel die Handwerksarbeit am Dachstuhl in Augenschein. Tobias Canisius dankte für die Unterstützung durch die Denkmalpflege.

Die nächste Aufgabe ist längst sichtbar: Der Innenraum der Kapelle braucht einen atmenden neuen Putz.

Von Jörg Kleine

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