Marienhagen

Deutsche Geschichte im Vorgarten

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- Vöhl-Marienhagen (resa). In seinem Vorgarten in Marienhagen stehen zwei Grenzsoldaten und seit gestern auch eine Mauer: 50 Jahre nach dem Mauerbau erinnert Jürgen Kaupe in seinem privaten Grenzmuseum an ein düsteres Kapitel deutsch-deutscher Geschichte.

Es ist ein Knochenjob: Stein für Stein baut Jürgen Kaupe in seiner Garageneinfahrt eine dichte, hohe Mauer. Neben seinen Nachbarn schauen ihm dabei auch zwei Grenzsoldaten und Ehefrau Christina über die Schulter. Im Hintergrund schallt durch Lautsprecher Walter Ulbrichts Stimme: „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen“.

50 Jahre nach dem Mauerbau wird im Vorgarten von Familie Kaupe in Marienhagen deutsch-deutsche Geschichte lebendig. Und das nicht ohne Grund: „Ich haben von 1972 bis 1980 beim Bundesgrenzschutz gearbeitet“, erzählt Jürgen Kaupe, „bin im Grenzgebiet aufgewachsen“. Stationiert war er in der Nähe von Duderstadt. „Wir haben vor allem beobachtet, was auf der anderen Seite des Zauns passierte“, erzählt er.

Geprägt haben ihn diese Tage. „Das war nie nur ein Job“, sagt er. Vor allem dann nicht, wenn es die Flüchtlinge bis in die Bundesrepublik schafften, nicht selten von explodierenden Mienen verletzt. Fast 31 Jahre nach seinem Dienstende widmet er sich nun wieder der deutschen und auch seiner eigenen Geschichte und baut ein kleines, privates Grenzmuseum. „Ich will vor allem Erinnern“, sagt er, „aber auch Mahnen“.

Vielen jungen Menschen sei dieses Kapitel der deutschen Geschichte gar nicht mehr präsent. „Deutsche haben auf Deutsche geschossen, Menschen wurden an der Grenze getötet“, sagt er, „das dürfen wir nicht einfach vergessen“.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Samstag, 13. August.

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