Jugendfeuerwehr Vasbeck feiert 50-jähriges Jubiläum · Auszeichnung für Gründungsmitglieder

Devise: „Spaß ist die beste Motivation“

Diemelsee-Vasbeck - Mit Zeltlager, Festzug, Kommersabend, Gemeindewettkämpfen und vielen guten Wünschen für die nächsten 50 Jahre hat die Jugendfeuerwehr Vasbeck am Wochenende ihr Goldenes Jubiläum gefeiert.

„Glück ist, was lächeln macht, was Angst, Sorge, Ungewissheit vertreibt und inneren Frieden schenkt“: Mit diesen Worten Albert Einsteins eröffnete Feuerwehr-Vorsitzender Heinrich Wetekam am Samstag den Kommersabend in der Walmehalle. Der Feierstunde war ein Festzug vorausgegangen, der durch den Ort und zum Ehrenmal an der Kirche führte. Dort legten Feuerwehrleute zum Gedenken an ihre verstorbenen Kameraden einen Kranz nieder. Der Spielmanns- und Musikzug der Feuerwehr Adorf intonierte „Ich hatt’ einen Kameraden“. Am Festzug nahmen Abordnungen der Diemelseer Wehren, Gruppen aus Canstein und Gembeck sowie die Vasbecker Vereine teil. „Glück ist aber auch“, knüpfte Wetekam an das Eingangszitat an, „wenn ein weltoffener und mutiger Mann wie Fritz Pistorius 1964 die Zeichen der Zeit erkennt und mit der Gründung und dem Aufbau einer Jugendfeuerwehr beginnt.“ Hilfe bekam er von seinem Bruder Karl und von Willi Bietendorf, die vor einem halben Jahrhundert als Jugendwarte fungierten. Zu den elf Gründungsmitgliedern gehörten am 1. September 1964: Erwin Lueg, Karl-Wilhelm Brücher, Friedrich Emde, Heinz Günter Emde, Christian Becker, Siegfried Patzer, Klaus Vongehr, Erhard Emde, Reinhard Brücher, Eckhard Behle und Albrecht Tobien. Kein Jahr später, im August 1965, nahm eine zwölfköpfige Gruppe aus Vasbeck in Duisdorf bei Bonn am ersten Bundesjugendtreffen teil. „Sechs Jungen erreichten auf Anhieb die Bundesleistungsspange und die Wettkampfgruppe überraschte mit dem 2. Platz von mehr als 20 Mannschaften“, wusste Fritz Pistorius in der Feierstunde zu berichten. Als eine der ersten Jugendfeuerwehren des Landes fuhren die Vasbecker im Sommer 1966 nach Jugoslawien, um an einem internationalen Zeltlager mit Wettkämpfen teilzunehmen. Vielen der Gründungsmitglieder ist dieses Abenteuer, mitten im Kalten Krieg in ein kommunistisch regiertes Land zu reisen, noch in bleibender Erinnerung. „Wir staunten nicht schlecht, dass wir die einzige westeuropäische Mannschaft waren“, erinnerte sich Pistorius. In den 14 erlebnisreichen Tagen entstand das Fundament für eine erfolgreiche Vereinsarbeit: „Unsere damalige Jugendgruppe blühte auf, wie auch unsere zwei, manchmal drei Einsatzabteilungen in Vasbeck.“ Andreas Neumann, der seit 2012 als Jugendfeuerwehrwart die Gruppe leitet, skizzierte die weitere Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte. 1974 etwa gewannen die Vasbecker beim Bundesjugendtreffen in Grömitz den ersten Platz im Bundeswettkampf. Als weiteren Höhepunkt weist die zum 50-jährigen Jubiläum erstellte Chronik auf das Jahr 1994 hin: Mehr als 900 Jugendliche bevölkerten damals eine riesige Zeltstadt auf dem Sportgelände – und verdreifachten fast die Einwohnerzahl Vasbecks für ein Wochenende. 45 Jugendliche: Diese rekordverdächtige Mitgliederzahl wurde 1997 erreicht. Aktuell zählt die Jugendfeuerwehr zwölf Mitglieder: acht Jungen und vier Mädchen. Der Altersdurchschnitt liegt bei elf Jahren. Feuerwehrtechnische Grundlagen werden gelegt und soziale Kompetenzen ausgebildet, fasste Neumann die Ziele der Jugendarbeit zusammen. Zusammen mit seinem Stellvertreter Olaf Wäscher beherzige er aber vor allem die Devise „Spaß ist die beste Motivation“. Als „echte Pionierarbeit“ bezeichnete Kreisjugendfeuerwehrwart Markus Potthof die Verdienste der Gründer. „Macht weiter so, bleibt aktiv“, rief er den jungen Brandschützern unter den rund 300 Gästen des Kommersabends zu. Insgesamt sind unter dem Dach des Kreisfeuerwehrverbands Waldeck-Frankenberg rund 1500 Jugendliche in 139 Jugendwehren organisiert. Damit diese Zahl, dem demografischen Wandel zum Trotz, wieder steigt, seien Vorbilder wichtig, betonte Bürgermeister Volker Becker in seinem Grußwort. Freiwillige Einsatzkräfte seien dafür bestens geeignet. An deren Pflichtbewusstsein und Mut orientieren sich die Jugendlichen, sagte er. Einsatzbereitschaft und Teamgeist würden in den Feuerwehren „vorgelebt, erlebt und gelebt“. Als eine der ältesten Gruppen ihrer Art im Landkreis sei die Jugendfeuerwehr aus dem gesellschaftlichen Leben Vasbecks nicht mehr wegzudenken. Als „wichtigen Beitrag zur Jugendarbeit in Waldeck-Frankenberg“ würdigte Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf die Arbeit der Nachwuchsabteilung. Viele hochengagierte Menschen seien dort zu finden. „Sie können sich auf die Unterstützung des Landkreises verlassen“, versprach er. Weitere Grußworte sprachen Gemeindebrandinspektor Uwe Becker und Gemeindejugendfeuerwehrwart Bernd Vollbracht, Manfred Hankel, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes, Fred Schmidt von der befreundeten Feuerwehr aus dem Rüsselsheimer Stadtteil Königstädten, Ortsvorsteher Albrecht Tobien und Martin Brücher als Vertreter der Vasbecker Vereine. Zu den Gratulanten zählten außerdem Ehrenvorsitzender Fritz Wetekam, Ehren-Gemeindebrandinspektor Alfred Eitzert und Kreisbrandinspektor Gerhard Biederbick sowie Vertreter der Feuerwehr Canstein, mit der die Vasbecker länderübergreifend zusammenarbeiten. Vorsitzender Heinrich Wetekam hatte diese Kooperation in seiner Rede als wegweisend für die Zukunft herausgestellt. Von Gefahren für das Ehrenamt, nicht nur bei der Jugendfeuerwehr, sprach er jedoch ebenfalls. „Zunehmende Schichtarbeit, lange Ladenöffnungszeiten und der Dinge mehr rauben den Menschen zeitliche Freiräume, um Vereinsleben zu erleben. Und wenn dann die ewigen Besserwisser ständig ungefragt ihre Meinungen verkünden, wird Vorstandsarbeit nicht attraktiver.“Es bleibe, so Wetekam am Schluss seiner Rede, „zu hoffen und zu wünschen, dass sich auch zukünftig Betreuer finden, die unseren Feuerwehrjugendlichen das Zeug zu sozialkompetenten und feuerwehrtechnisch hervorragend ausgebildeten Menschen vermitteln und den Zielkonflikt verschiedenster Interessen auf freiwillige Leistungen für die Allgemeinheit ausrichten“.

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