60 Jahre Krankenpflegeschule in Korbach gefeiert

Diakonischer Funke zündet 1953

Korbach - Musik, Modenschau, Festvorträge und viel Zeit zum Erinnern und Austauschen: Rund 500 Gäste haben am Samstag 60 Jahre Krankenpflegeausbildung in Korbach gefeiert.

„Ich bin überwältigt“, staunte Ruth Piro-Klein. Die Leiterin der Korbacher Krankenpflegeschule ließ ihren Blick über voll besetzte Tischreihen in der Stadthalle schweifen. Etwa 600 Schülerinnen und Schüler haben seit 1953 die Krankenpflegeschule durchlaufen. Viele der Absolventen waren am Samstag zum Festakt in die Stadthalle gekommen, um den 60. Geburtstag der Einrichtung zu feiern. Auch die Dozenten aus den vergangenen Jahrzehnten waren mit von der Partie, unter ihnen Elsa Koch, eine der ersten Lehrerinnen der Korbacher Bildungsstätte. Die weiteste Anreise hatte übrigens Marion Lother. Die gebürtige Ober-Warolderin hatte von 1999 bis 2002 ihre Ausbildung an der Krankenpflegeschule absolviert. Mittlerweile arbeitet sie bei einem Pflegedienst in St. Gallen (Schweiz). Durch das Programm führte Anette Chrobacsinsky. Für Musik inklusive Geburtstagsständchen sorgte das „Samstagmorgen-Orchester“ der Musikschule Korbach. Schülerinnen und Schüler der Klasse 13/16 brachten außerdem gemeinsam mit Sabine van Dyck eine aufwendige Modenschau historischer Schwesterntrachten auf die Bühne. Unter dem Motto „Weißt du noch...?“ schloss die Festveranstaltung nachmittags mit einem gemütlichen Beisammensein und Zeit zum Austausch von Erinnerungen. „Gut, dass es gelingt, viele junge Menschen für diesen Beruf zu gewinnen“, gratulierte Bürgermeister Klaus Friedrich zum 60-jährigen Bestehen der Bildungsstätte. Die gut ausgebildeten Fachkräfte seien essenziell für die medizinische Daseinsvorsorge in der Region. „Wer hier ausgebildet wurde, ist auf dem Arbeitsmarkt hoch begehrt“, sagte auch der Erste Kreisbeigeordnete Jens Deutschendorf. Der Bedarf an Pflegekräften werde in den kommenden Jahren weiter steigen. „Ich wünsche Ihnen, dass ein kleiner diakonischer Funke in Ihnen entfacht ist“, sagte Eva Brinke-Kriebel, Dekanin des Kirchenkreises des Eisenbergs. Bis Ende 1971 war das altlutherische Diakonissenwerk Träger der Krankenpflegeschule. Aus Liebe am Menschen und Vertrauen zu Gott habe die Bewegung damals die Zeichen der Zeit erkannt und reagiert, erinnerte Stefan Paternoster, Pastor der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Korbach, an die Zeit der Gründung. Verändert hat sich seitdem viel: „Ich bin heute hier die einzige Schwester mit Haube“, stellte Adelheid Hahn, letzte Oberin des Diakonissenmutterhauses im Naëmi-Wilke-Stift Guben, fest. Doch die innere Haltung zum Beruf und zu den Menschen sei das Wichtigste. Wolfgang Kluß, Geschäftsführer des Korbacher Stadtkrankenhauses und ehrenamtlicher Leiter des Stadtarchivs, referierte über die Anfänge der Krankenpflegeschule. Aus eigener Erfahrung berichtetete Karl-Heinz Knoche über die Entwicklung der Pflegebildung in den vergangenen Jahrzehnten. Im Alter von 16 Jahren hatte er 1964 die Ausbildung begonnen – als erster männlicher Schüler. Knoche leitete später viele Jahre das Bildungszentrum Kreuznacher Diakonie. Der Praxisanteil der Ausbildung sei heute wesentlich geringer als zu seiner Zeit, so Knoche. „Die Schüler werden in einem extrem kurzen Zeitraum auf die Aufgaben in der Pflege vorbereitet.“Anschließend sprach Diplom-Pflegepädagogin Brita Ziske, ebenfalls Absolventin der Korbacher Schule, zum Thema „Pflegebildung auf dem Weg zur Akademisierung “.

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