Sanierung der alten „Schuttkuhle“ für zwei Millionen Euro in Korbach abgeschlossen

Dichter Deckel überm Müll

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Abschlussgespräch über einer sanierten Altlast: (v.l.) Reinhard Sudhoff (Regierungspräsidium), Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, Hans-Ulrich Hujer (Firma Hermanns), Bauleiter Johannes Rosemeyer, Geologe Roland Reh, Thorsten Peper (Stadtentwicklung) und Bürgermeister Klaus Friedrich. Der grüne Container links ist die Biofilteranlage für Deponiegas.

Korbach - Eine weitere Altlast in Korbach ist „verpackt“: Für rund zwei Millionen Euro hat die Stadt die alte Schuttkuhle nahe der Flechtdorfer Straße saniert. Das dient dem Umweltschutz.

Knapp ein Jahr lang dauerte es, bis der Deckel richtig passte: Die frühere Mülldeponie „In Alten Felde“ hat eine Abdeckung erhalten, um vor allem das Trinkwasser dauerhaft zu schützen. Nach dem Auftakt im September 2012 sorgte zwischendrin der frostige Winter für eine Pause bei der Sanierung. Als Bietergemeinschaft kamen dabei die Firmen „Hermanns“ und „Bickhardt Bau“ aus dem Kasseler Raum zum Zuge.

1,9 Millionen Euro hat das Projekt gekostet, davon steuerte das Land Hessen 80 Prozent bei. Das Korbacher Vorhaben war eines der letzten im Altlastenprogramm des Landes.

Genehmigung und Kontrolle der Sanierung lagen in Händen des Regierungspräsidiums Kassel. So nahm Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke zum Abschluss das Terrain „Im Alten Felde“ gestern noch mal unter die Lupe.

„Wir haben in Deutschland eine unwahrscheinlich gute Wasserqualität“, betonte Lübcke. Trinkwasserschutz sei enorm wichtig.

In der Vergangenheit nahmen es Staat, Gemeinden, Firmen, aber auch Privatleute damit allerdings nicht so genau. In den Mülldeponien der 60er- und 70er-Jahre landete viel Material, das später für Probleme sorgte - ob Medikamente, Batterien, Öl oder Autoteile.

Schutz des Trinkwassers

Sanierung war also angesagt. Dabei machte die Stadt Korbach in den 90er-Jahren 14 Standorte mit Altlasten aus, deren Sanierung mit der Abdichtung der alten Deponie an der Flechtdorfer Straße nunmehr abgeschlossen ist, erklärte Bürgermeister Klaus Friedrich.

Besondere Herausforderung für die Hansestadt sind stets die geologischen Strukturen. Im Untergrund der Kernstadt liegen Kalkschichten, die durchsickerndem Wasser von oben viele Klüfte bieten. Auch nahe der alten Schuttkuhle beginnt beispielsweise ein Trinkwasserschutzgebiet (Zone II).

Von der Altlast „Im Alten Felde“ soll künftig aber keine Gefahr mehr ausgehen. Im Untergrund lagert dort über einer Schieferschicht eine Müllpackung - drei bis sieben Meter mächtig, erläuterte der Geologe Roland Reh (Kassel). Auf knapp 2,5 Hektar ergibt dies rund 60 000 Kubikmeter Haus- und Gewerbemüll.

Durch Drainagematte, Rohre und dichte Tonpackung über der alten Halde läuft das Wasser nun seitlich ab und kann kontrolliert weitergeführt werden. Zugleich geht das Deponiegas nicht frei in die Luft, sondern wird unter der Erde aufgefangen, in einen Biofilter geleitet und von Bakterien zersetzt.

Derweil bleibt die Müllpackung im Untergrund auch künftig unter Kontrolle. An verschiedenen Stellen des Geländes „Im Alten Felde“ sind dauerhafte Messstellen eingerichtet, erläutert Hans-Ulrich Hujer, Vorstandschef der Firma Hermanns. An diesen Messpunkten kann Sickerwasser regelmäßig überprüft werden.

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