Korbach schreibt an Gesamtkonzept für den Stadtkern:

„Die anderen Städte schlafen nicht“

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Nicht nur neues Pflaster: Die Korbacher Fußgängerzone soll entrümpelt werden und mehr Struktur erhalten. Sie ist Teil des Konzepts „Stadtentwicklung 20/20“.

Korbach - Vom Bahnhof bis zum Rathaus: Korbachs Stadtkern soll gründlich aufgemöbelt werden. Bauamtsleiter Stefan Bublak steckte im Stadtparlament den Rahmen für die „Stadtentwicklung 20/20“ ab.

Der Name des Projekts gibt den Zeitplan vor: Um im Wettbewerb der Städte nicht hinterherzuhinken, muss sich Korbach bis 2020 etwas einfallen lassen - davon jedenfalls sind Bürgermeister Klaus Friedrich und Bauamtsleiter Stefan Bublak überzeugt: „Wenn wir bis dahin nichts gemacht haben, müssen wir über Stadtentwicklung nicht mehr nachdenken“, brachte es Bublak plakativ auf den Punkt. Und Friedrich ergänzte: „Es stellt sich nicht die Frage, ob wir es uns leisten können. Wir müssen es uns leisten, die anderen schlafen nicht.“

Ganzheitliches Konzept

Ein ganzheitliches Konzept soll es nun richten. „Wir haben in der Vergangenheit den Fehler gemacht, uns zu sehr mit Einzeldingen auseinanderzusetzen“, erläuterte der Bürgermeister. Stadtentwicklung müsse aber in einem größeren Rahmen stattfinden. Den Rahmen steckte Bauamtsleiter Stefan Bublak am Donnerstag im Stadtparlament ab. „Kein fertiger Plan, ein Einstieg“, erklärte der Bürgermeister.

Im Fokus des Konzepts steht das Scharnier zur Altstadt: Der Rathausanbau aus Beton wird abgerissen, das historische Rathaus steht frei, damit es von allen Seiten gesehen werden kann. Davor öffnet sich ein Rathausplatz mit Raum für Gastronomie, dahinter gibt es zur Rathausgasse neue Parkplätze. Das Gebäude der früheren Galerie Reinhardt an der Kümmell-Straße könnte abgerissen werden, weiter unterhalb an der Kümmell-Straße ist statt eines Altstadt-Centers mit Geschäften „qualitativ hochwertiges Wohnen“, so Bublak, denkbar.

Für die Verwaltung gibt es indes mehrere Szenarios: Hinter dem historischen Rathaus könnte ein Anbau mit Aufzug, Toiletten und möglicherweise einem Sitzungssaal entstehen, das Gros der Verwaltung zieht um - ein Gebäude gegenüber der Waldecker Bank oder die Klosterschule sind als neues Domizil im Gespräch. Bublak schließt aber auch nicht aus, dass die Rathaus-Mitarbeiter komplett in der Stechbahn bleiben: Zwischen Stadtwache und historischem Rathaus könnte ein neuer Anbau mit modernen Büros entstehen.

Gründlich aufgeräumt werden soll auch in der Fußgängerzone: Diese braucht nach Bublaks Analyse nicht nur dringend ein neues Pflaster, sondern auch mehr Struktur: Die in den 70er-Jahren geplante Einkaufsmeile sei mittlerweile überaltert und nicht mehr stimmig: „Sie ist komplett übermöbliert, da gibt es inzwischen ein großes Sammelsurium“, so der Bauamtsleiter. Teil des Konzepts ist auch der geplante Parkplatz an der Kalkmauer, der das Parkdeck ersetzen soll. Um das Konzept erfolgreich umzusetzen, müssten Hanse, Immobilienbesitzer, Verwaltung und Politik eng zusammenarbeiten und die Bürgerschaft mit einbezogen werden, sagte Bürgermeister Friedrich.

Helmut Schmidt (SPD) begrüßte das Konzept, kritisierte aber, dass die Kostenfrage nicht mit einbezogen sei. Es sei eine Planung im „Wolkenkuckucksheim“ nach dem Motto: „Wir planen erst einmal und gucken dann, ob wir Geld dafür haben.“ Die Finanzen seien wichtig, entgegnete Friedrich: „Aber wir müssen Projekte und Grundsatzentscheidungen haben.“ (lb)

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