16 Auszubildende aus Polen lernen Arbeitswelt und Kultur in der Region kennen

„Die Deutschen fahren vorsichtiger“

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16 polnische Lehrlinge sind noch diese Woche zu Gast in Korbach. In der Werkstatt des Berufsbildungszentrums erhielten die angehenden Kfz-Elektriker und -Mechaniker einen Eindruck vom dualen Ausbildungssystem – und von den kulturellen Unterschieden.Foto:

Korbach - Seit mehr als 25 Jahren pflegt die Kreishandwerkerschaft enge Kontakte nach Polen. Zurzeit sind 16 angehende Kfz-Elektriker und -Mechaniker in Korbach - und sie sind begeistert.

„Korbach ist eine der schönsten Städte Deutschlands“; „die Ausstattung der Werkstatt ist sehr gut“; „es ist eine große Chance, hier lernen zu dürfen“: Die Sätze stammen nicht aus einem Werbeprospekt, sondern von polnischen Auszubildenden und ihren Lehrern.

Ausbildung im VW-Werk

16 angehende Kfz-Elektriker und -Mechaniker sind seit zwei Wochen zu Gast in Korbach. Noch bis Ende dieser Woche lernen die jungen Männer aus Swarzedz bei Posen im Berufsbildungszentrum und in der dazugehörigen Autowerkstatt die deutsche Arbeitswelt kennen.

Der größte Unterschied sei die duale Ausbildung, die es in Polen nicht gibt, wie Gerhard Brühl, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, erklärte. Neben der Berufsschule werden die polnischen Azubis in einem VW-Werk in Posen ausgebildet. Daher war die Freude groß, in Korbach auch an Autos anderer Hersteller tüfteln zu dürfen. Technisch sei die Werkstatt des Berufsbildungszentrums moderner ausgestattet als an ihrer Schule, so das Fazit der beiden Azubis Sebastian Balzcerzak und Grzegrorz Nowaczyk. Die betreuende Lehrerin Regina Woroch fand vor allem lobende Worte für ihren deutschen Kollegen Marco Böhmecke: „Er ist mit Leib und Seele dabei und zeigt den Azubis den kürzesten Weg zum Erfolg.“

Neben dem Einblick ins Berufsleben blieb den polnischen Gästen viel Zeit, die deutsche Kultur kennenzulernen. Auch hier lag das Augenmerk ganz auf den Autos. „Die Deutschen fahren vorsichtiger und achten mehr auf die Fußgänger“, haben die Azubis beobachtet. Dazu seien die Straßen besser und die Autos meist moderner als in der Heimat.

Vieles anders als gedacht

Negative Entdeckungen haben die jungen Männer kaum gemacht - viel mehr noch hätten sie sich Deutschland als ein von der Industrie geprägtes Land vorgestellt. „Wir könnten ein Jahr hier bleiben, und wir hätten noch nicht alle schönen Stellen und Städte gesehen“, sagte ein Auszubildender. Ausflüge wurden unter anderem an den Edersee und in die VW-Werke nach Baunatal und Wolfsburg unternommen.

Angesichts der zahlreichen positiven Eindrücke ist es für die Projektbetreuer Gerhard Brühl, Friedrich Schüttler und Henrike Sachse klar, dass weitere Austauschprogramme folgen. Im Mai wird sich eine Gruppe von Tischler-Azubis auf den Weg nach Swarzedz machen.

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