Erstes Fahrradsicherheitstraining bei Lebenshilfe in Korbach und Frankenberg

„Die Erfolge waren schnell sichtbar“

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Besonderheit Kreiselverkehr: Verkehrserzieher Uwe Maier (Mitte) bespricht mit den Jugendlichen und Erwachsenen, welche Besonderheiten sie im Kreisverkehr erwarten.

Korbach - Wer vorgestern im Korbacher Schulzentrum mit dem Auto unterwegs war, stutzte vielleicht für einen kurzen Moment. Auf elf Fahrrädern war da eine Gruppe unterwegs, die sich wirklich an alle Verkehrsregeln hielt.

Manni drängt etwas. Viel zu lange dauert es schon, dass Uwe Maier und Andree König reden. Dabei würde er doch so gerne aufsatteln und losradeln. Es wäre nicht das erste Mal. Ganz im Gegenteil. Manni und seine sieben Kollegen haben bereits an Radrennen in Hamburg oder München teilgenommen. Manche haben vor kurzem bei den „Special Olympics“ gar ein oder zwei Goldmedaillen mit nach Korbach gebracht.

Und doch: Die beiden Herren in blauer Uniform lassen die acht Radler in giftgelber Signalweste noch ein wenig warten. Dann geht es los: Vom Standort der Lebenshilfe in der Christian-Paul-Straße geht es über Ampeln, Kurven, Parkbuchten, Steigungen und Linksabbieger zum Kreisel in der Wildunger Landstraße.

„Gundlagen für draußen“

Es ist Tag zwei der Verkehrserziehung, den Lebenshilfe und Polizei auf die Beine gestellt haben. Am Montag hatten die Beteiligten „die Grundlagen für draußen gelegt“, wie Verkehrserzieher Uwe Maier erklärt. Vier Tage lang sind Maier und Kollege Andree König bei der Lebenshilfe in Korbach und Frankenberg und haben trainiert.

Die Polizisten im Einsatz für das korrekte Abbiegen und sichere Ankommen haben mit den Teilnehmern der Radfahrgruppe besprochen, welche Wege sicher sind und welche gemieden werden sollten. Allee statt Hauptverkehrsstraße ist eine von vielen Ratschlägen.

Die Herausforderungen sind besondere, weil alle Teilnehmer eine geistige Behinderung haben. „Rechtsabbiegen beispielsweise ist eher weniger ein Problem“, hat Maier erfahren. Beim Linksabbiegen hingegen gelte es, verschiedene Abläufe rechtzeitig zu koordinieren. „Bremsen, Hand raus, Schulterblick - das haben wir geübt“, berichtet Maier weiter.

Und dann geht es mit Helm, Warnweste und nach Kontrolle der Fahrräder „auf die Piste“. Die gelben Reflektorjäckchen leuchten jedem Verkehrsteilnehmer schon von weitem entgegen, jeder Richtungswechsel wird angezeigt.

„Meine Leute sind wirklich unsicherer im Verkehr“, weiß Trainer Jürgen Ochmann. Das Problem dabei sei, dass Auto- oder Motorradfahrer von weitem nicht erkennen könnten, wie sicher der Fahrradfahrer wirklich unterwegs sei. Deswegen plädieren der Sportlehrer und die beiden Verkehrserzieher der Polizei dafür, vorsichtig und rücksichtsvoll im Verkehr unterwegs zu sein - sowohl auf dem Zweirad als auch im Auto. „Es gibt eben auch schwächere Fahrradfahrer“, sind sie sich einig und bitten um Rücksicht.

Alle sind einer Meinung

Einer Meinung ist sich auch die achtköpfige Gruppe, die sich aus Mitgliedern von Arolsen bis Korbach zusammensetzt. „Es hat viel Spaß gemacht“, bekunden sie lautstark und wie aus einem Mund. „Die Erfolge waren schnell sichtbar“, ist König im Gegenzug beeindruckt. Es ist das erste Mal, dass die Verkehrserzieher mit der Lebenshilfe zusammenarbeiten.

Ab der kommenden Woche geht es für die beiden Beamten in die vierten Klassen im ganzen Landkreis, um das Radfahren sicherer zu machen. Dann werden die Teilnehmer der Lebenshilfe bereits ihr nächstes Rennen gefahren haben. „Denkt aber dran, dass nach eurer Rückkehr wieder andere Verkehrsregeln gelten“, mahnen die beiden Polizisten mit einem verschmitzten Lächeln.

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