Ulrich Deiters erforscht seit über 40 Jahren seine Familiengeschichte

„Die Kraft kommt aus den Wurzeln“

Korbach. - Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Zumindest auf die erste Frage hat Ulrich Deiters eine sehr exakte Antwort, denn sein Hobby hat ihn ganz nah an seine Vorfahren gebracht.

Die Ahnentafel hängt gleich im Hausflur rechts. Sieben Generationen umfasst die Auflistung. Von den 253 Fel-dern, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen, sind nur drei leer geblieben. „Kann aber auch sein, dass ich diese Namen inzwischen habe“, ist sich Deiters unsicher, denn die Tafel ist vor 30 Jahren entstanden - die Ahnenforschung ist seitdem bei Ulrich Deiters aber immer weitergegangen.

Sein Büro ist voller Unterlagen. Zum einen mit Büchern und Zeitschriften - die theoretische Grundlage. Zum anderen aber mit seinen Ergebnissen, die nur Kenner der Materie einsor-tieren können. Ganz wichtig ist dem 63-Jährigen aber, dass seine Forschungsergebnisse nach anerkannten Regeln abgelegt sind. Sowohl Forscher als auch seine eigenen Nachfahren können eines Tages die Datenfülle analysieren.

Damals, 1970, packte es den jungen Studenten. „Ich lernte eine junge Dame kennen, die ‚Stadtländer‘ hieß. Da meinte ich, dass wir bestimmt verwandt sind.“ Nach einiger Zeit stellte sich heraus: stimmt. Es war der Beginn der Forschungen.

Eine weitere Begegnung, erneut zufällig, lenkte Deiters auf die akademische Bahn. „Ich geriet an der Tübinger Universität durch Zufall an Prof. Dr. Hansmartin Decker-Hauff. Ich wusste damals nicht, dass er so etwas wie der Papst der Genealogie ist“, erinnert sich Deiters. Viele offene Fragen konnte der angesehene Professor, der heute nicht mehr ganz unumstritten ist, aus dem Stegreif beantworten.

Die ersten Generationen zu vervollständigen, sei kein Problem. Deswegen empfiehlt Deiters, bei Konfirmationen oder Kommunionen eine kleine Tafel mit Eltern und Großeltern zu erstellen - diese kurze Arbeit mache sich später vielleicht einmal bezahlt, so Deiters, denn irgendwann fehlen die entscheidenden Informationen, wenn sich der Nachwuchs für seine Herkunft interessiert.

20 Millionen Vorfahren

Ab Generation vier, fünf musste Deiters die ersten Lücken in Kauf nehmen. „Es gibt bei mir kein Raten. Ich will Ordnung halten; alles muss Hand und Fuß haben“, macht er deutlich. Das heißt auch: Ihm geht es nicht um große Namen, die in seinem Stammbaum auftauchen. Wichtig sind ihm die Verbindungen der Generationen.

„Ich weiß, dass ich in der 37. Generation mit Karl dem Großen verwandt bin“, lacht er. Im Flur hängt ein Schaubild, das die Verbindung zeigt. Außerdem gibt es eine Verbindung zur fürstlichen Familie der von Waldecks. Doch im Grunde zählt für Deiters nur der Mannesstamm und nicht die x-te Verbindung über weit verzweigte Linien. Bei rund 20 Millionen Verwandten, die bis ins Jahr 1200 zusammenkommen, bleiben eben manche Berührungspunkte nicht aus. Eine zufällige Parallele freut Deiters besonders: 1188 überreichte der Paderborner Bischof das Stadtrecht an Korbach. Und das war ausgerechnet Bernhard von Ibbenbüren aus der Geburtsstadt von Deiters.

Bei der Forschung zählen im Grunde nur das Geburtsdatum und der Name. „Das belegt die Verwandtschaft. Wann jemand gestorben ist, ist für die Genealogie an sich egal.“ Warum er sich so intensiv mit der Genealogie beschäftigt? „Die Kraft kommt aus den Wurzeln“ erklärt er und fährt mit den Fingern über seinen Stammbaum.

Familienforschung bedeutet, auch auf Reisen zu gehen, denn die nötigen Unterlagen liegen in der ganzen Bundesrepublik und den ehemals deutschen Teilen verstreut. Je weiter Deiters in die Vergangenheit dringt, desto weiter führen ihn seine Reisen. Mal dauert es eine halbe Ewigkeit, bis er ein Puzzlesteinchen zweifelsfrei identifiziert hat. Dann findet er wieder einen Anschluss an bereits untersuchte Familien und kann Daten übernehmen - wenn er ihnen traut.

Fürst neben Stadtländer

Sein Haus ist voller Erinnerungen an die Vorfahren: Im Büro hängen kleine Piktogramme, die die Verwandten bis zur 4. Vorgängergeneration zeigen. Im Flur sind die Wappen der familiären Linien auf Glas gemalt. Im Wohnzimmer zeigt Deiters auf eine Besonderheit, die er mit einer Mischung aus Stolz und Munterheit präsentiert: Ein Bild fasst die Herrscher des Deutschen Reiches am Anfang des 20. Jahrhunderts zusammen. Und wer ist neben Fürst Friedrich von Waldeck und Pyrmont abgebildet? Sein Vorfahre Dr. Karl Stadtländer, damals Bürgermeister der Stadt Bremen.

Derzeit arbeitet Deiters an adeligen Vorgängern. Doch irgendwann ist Schluss, weiß Deiters. Beispiel Henriette Haussmann, geboren 1782: Die Eltern seiner Ur-Ur-Ur-Ur-Großmutter mütterlicherseits sind unbekannt. Bisher existieren nur Aufzeichnungen über einen „Kapitän Haussmann“. Es bleibt noch viel zu tun.

Hintergrund

Bei der Genealogie handelt es sich um Familienforschung. Sie untersucht, welche genetischen Verbindungen es in die Vergangenheit gibt. Als Grundlage dienen neben Aufzeichnungen, die in der Familie weitergegeben werden, vor allem Urkunden der Standesämter und Kirchenbücher.

Hier sind Geburts- oder Taufdaten sowie etwaige Verwandte vermerkt. Nach und nach kann der Genealoge so die Ursprünge von Familien erforschen und dokumentieren.

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