Ruth Piro-Klein wird nach 30 Jahren als Leiterin der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege verabschiedet

„Die Schüler werden mir fehlen“

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Ruth Piro-Klein, seit 30 Jahre Leiterin des Bildungszentrums für Gesundheits- und Krankenpflege am Korbacher Stadtkrankenhaus, geht im Herbst 2015 in Ruhestand. Sie arbeitet bereits ihren Nachfolger, Matthias Funke (im Bild ganz hinten), ein, der am 1. Dezember 2015 die Leitung der Schule übernimmt. Zwischen 600 und 800 junge Frauen und Männer hat sie ausgebildet. Foto: Marianne Dämmer

Korbach - Sie ist das Gesicht der Korbacher Schule für Gesundheits- und Krankenpflege: Ruth Piro-Klein. Am 10. September wird sie nach 30 Jahren als Leiterin des Bildungszentrums verabschiedet - und freut sich auf einen neuen Lebensabschnitt.

Hunderte von Schülerinnen und Schülern hat Ruth Piro-Klein im Laufe ihres Berufslebens ausgebildet. Spezialisiert auf Recht, Politik, Wirtschaft und Geschichte brachte sie den Auszubildenden bei, wie sich das Gesundheitswesen im Laufe der Jahrzehnte entwickelt hat, wie sich ein Krankenhaus und das Gesundheitswesen finanziert oder welche Rolle die Pflege in der Gesellschaft spielte.

30 Jahre ihrer insgesamt 45 Berufsjahre war Ruth Piro-Klein Leiterin der Krankenpflegeschule, wie die Lehrstätte früher hieß. Inzwischen wird sie Bildungszentrums für Gesundheits- und Krankenpflege am Korbacher Stadtkrankenhaus genannt. Sie wurde 1953 von Diakonissen gegründet und ist seit 1972 städtisch. So wie sich der Name der Schule verändert hat, hat sich auch die Lehre immer wieder verändert - Herausforderungen, denen sich Ruth Piro-Klein immer mit viel Energie gestellt hat.

Geboren wurde Ruth Piro-Klein 1953 in Saarbrücken. Dort lernte sie nach abgeschlossener Realschule den Beruf der Krankenschwester, Praxisjahre in Saarbrücken und in Oberstaufen folgten. 1982 zog sie nach Frankfurt und studierte an der Krankenpflegeschule Lehramt.

Nach Korbach zog es sie schließlich der Liebe wegen: Ihr Mann Hans-Jürgen Klein stammt aus Bottendorf. „Wir lernten uns zufällig an einer roten Ampel in Frankfurt kennen“, erinnert sich die 62-Jährige und lacht. Als klar war, dass sie ihre Zukunft gemeinsam verbringen möchten, bewarb sie sich in und um Waldeck-Frankenberg und bekam einen Zuschlag von der Korbacher Krankenpflegeschule. Am 1. Oktober 1985 übernahm sie den Posten - da war gerade ein neues Krankenpflegegesetz in Kraft getreten, das sie umsetzen musste.

„Neue Fächer wie Ambulante Pflege und Psychiatrie kamen hinzu, neue Themen kamen auf den Stundenplan und die theoretische Ausbildung wurde von 1200 auf 1600 Stunden deutlich erweitert“, sagt Ruth Piro-Klein. Sie musste lehren und gleichzeitig die Umstellung organisieren.

Für bessere Anerkennung des Pflegeberufs

„Die Zeit war heftig, ich habe in den ersten Monaten nicht nur in der Schule gelehrt und organisiert, sondern auch dort geschlafen, um keine Zeit mit Autofahren zu verschwenden“, erinnert sie sich. 1985 heiratete sie ihren Mann Hans-Jürgen Klein, der inzwischen eine Stelle als Verwaltungsbeamter im Frankenberger Veterinäramt bekommen hatte und wieder nach Bottendorf gezogen war.

Von 1991 bis 1996 stellte sie sich neuen Herausforderungen: Sie organisierte zusätzlich zum normalen Betrieb Anpassungsfortbildungen für Pflegepersonal aus Osteuropa. 2003 galt für sie als Schulleiterin das nächste Krankenpflegegesetz umzusetzen - wieder wurden die Anforderungen erhöht.

Dabei war sie „auch schon immer berufspolitisch unterwegs“, sagt sie: Im Bundesausschuss der Lehrer für Pflegeberufe war sie vier Jahre im Vorstand; unermüdlich setzte sie sich für eine bessere Anerkennung des Pflegeberufes ein. „Unser Gesundheitsrecht ist im stationären Bereich Arztrecht. Für Gesundheitspfleger bedeutet das einen Mangel an vorbehaltenen Aufgaben und das ist ein großes Problem. Denn sie sind die Experten, was Pflege betrifft, und zwar die einzigen Experten“, sagt Piro-Klein und betont: „Der Mangel an der daraus resultierenden gesellschaftlichen Anerkennung ist wirklich etwas, das mich stört.“ Dabei sei sie dankbar, dass alle Bürgermeister und alle Geschäftsführer des Korbacher Krankenhauses und „die Schule und die Schulleitung immer unterstützt haben. Sie waren Pro-Lehre eingestellt“.

Nun steht schon wieder ein neues Pflegegesetz vor der Tür, doch es wird nicht mehr die Aufgabe von Ruth Piro-Klein sein, es in der Schule umzusetzen. Das wird ihr Nachfolger übernehmen: Matthias Funke aus Bad Arolsen, 32 Jahre alt, verheiratet und Vater eines Kindes. Zusammen mit ihrer Stellvertreterin Daniela Flegel arbeitet Piro-Klein ihn schon seit einigen Monaten ein. „Die Schule ist wohlbestellt“, ist sich Ruth Piro-Klein sicher.

„Für mich beginnt ein ganz neuer Lebensabschnitt“

Für sie beginnt unterdessen Neues. „An dieser Schule hatte ich eine wirklich gute und interessante Zeit und ich werde die Schüler vermissen. Doch ich bin überzeugt, für mich beginnt jetzt noch mal ein neuer Lebensabschnitt.“ Als ihr Mann 2009 starb, musste sie sich neu orientieren - auch für den Ruhestand. „Und so habe ich vorgesorgt“, sagt sie und nickt wissend: Ihr Hobby, die Geschichte und die Arbeit im Frankenberger Geschichtsverein, half ihr schon in den 1980er-Jahre, die für sie damals neue Region kennenzulernen. Inzwischen ist sie stellvertretende Vorsitzende im Frankenberger Geschichtsverein, bietet seit April Stadtführungen in der Illerstadt an und ist seit Mai stellvertretende Vorsitzende des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde.

Dann sind Haus und Garten in Bottendorf zu versorgen, außerdem hält sie Vorträge - unter anderem über die „Geschichte der Unterwäsche“. Mit Laptop und Beamer ist sie dafür unterwegs. „Also für jemanden, der noch an der Schiefertafel schreiben gelernt hat, bin ich weit gekommen“, sagt sie. Und sie kommt vielleicht noch weiter: „Ich würde ja so gern noch mal Jura studieren. Die Marburger Uni bietet da ein Seniorenstudium an, da habe ich mich schon informiert.“

Am 10. September wird Ruth Piro-Klein in Korbacher Stadtkrankenhaus feierlich verabschiedet.

Von Marianne Dämmer

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