Hildegard Jaekel stellt bis 21. Juni im Korbacher Bürgerhaus Erdmalerei und Bodeninstallationen aus

„Die Welt ist mein Malkasten“

Korbach - Hildegard Jaekel zeigt in Korbach, was das Erdreich alles in sich hat: Böden aller Welt, eine plastische Erweiterung der Malerei und Akte über die Sehnsucht, „Stein zu sein“.

In einem Schritt an Thüringen und Arabien vorbeischreiten und direkt vor Australien stehen: Diese Möglichkeit bietet die Ausstellung „Stein zu sein“ der Kasseler Künstlerin Hildegard Jaekel im Korbacher Bürgerhaus. Das Material für ihre Werke stammt aus Ländern auf allen bewohnten Kontinenten - aus ihren Böden, um genauer zu sein: Die Stücke, welche die 75-Jährige zeigt, bestehen aus Erde und Fels. Ihre Ausstellung heißt „Stein zu sein“.

Stein in vielen Formen

Am anschaulichsten ist die Installation „Konterfei der Orte“: 60 mit Erde und Staub bedeckte Kacheln liegen den Besuchern zu Füßen und verdeutlichen die Unterschiede zwischen dem Grund etwa der Namib-Wüste, des Ho-Chi-Minh-Pfads und Sylts. Von weiß bis schwarz, strahlend gelb oder kräftig rot: Das Spektrum des Erdreichs mag schmal sein, hält aber nicht ausschließlich Grau und Braun bereit.

Deutlich macht das auch das „Konterfei der Orte II“: Im Kreis aufgestellte, schlichte Kaffeetassen voller Stein und Staub laden zur genauen Inspektion ein. „Sie können hier in Korbach die Welt umrunden“, sagt Hildegard Jaekel.

In Bildern verarbeitet hat sie ihr Material bei Akten massiger Körper. Die Motive ähneln sich, die Vielfältigkeit des Erdreichs machen die unterschiedlichen Materialien deutlich. An den Bildern macht die Künstlerin den Ausstellungstitel fest: Die Gestalten ducken sich weg, seien erstarrt in der Sehnsucht, „Stein zu sein“.

Die dritte Art von Werken zum Thema repräsentiert ein Bild mit „künstlichem Hügel“. Das Spiel von Licht und Schatten wird mit dem körnigen Material deutlich. So sieht sie sich als „Grenzgängerin zwischen Skulptur und Malerei“.

Kunst aus einfachem Stoff

Jaekel ist eine Anhängerin der „Arte povera“ - der „armen Kunst“. Sie arbeitet mit einfachen Stoffen, die lange als ungewöhnlich galten. „Selbst das geringste Material verlangt Mühe und Respekt, um als Ausgangsstoff für Kunst zu dienen“, erklärt sie die Herausforderung ihres Feldes. Dafür sei die Welt ihr Malkasten.

Sie begann mit dunklem Rot, der tonigen, gipshaltigen Erde ihrer Heimat, wanderte später über Trümmergrundstücke. Ihr Farbspektrum erweiterte sie mithilfe von Freunden, die ihr Erden und Steine aus der ganzen Welt zuschickten - was in den vergangenen Jahren schwer wurde: Viele Länder hindern Touristen an der Ausfuhr. Es gibt jedoch auch andere „arme Materialien“, zurzeit arbeitet Hildegard Jaekel mit Wellpappe.

Es ist das erste Mal, dass sie ihre Werke in der Hansestadt zeigt. Angeregt hat dies Iris Resch-Grimm. „Eine große Ehre für die Hansestadt“, erklärte Stadtrat Bernd Kramer zur Begrüßung der knapp 15 Gäste der Eröffnung. Zeit für mehr Besucher hat die Ausstellung allemal: Noch bis zum 21. Juni sind die Werke im Bürgerhaus zu sehen. In der Woche ist von 14 bis 20 Uhr geöffnet, samstags und sonntags von 12 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei, ebenso wie ein Atelierbesuch am Samstag, 16. Mai, um 11 Uhr. Anmeldungen nimmt Iris Resch-Grimm unter Telefonnummer 05632/969295 entgegen.

Von Wilhelm Figge

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