Tourismuskonzept vorgestellt: Kommune und Betriebe müssen besser kooperieren

„Diemelsee - für dich, für mich, für alle“

+

Diemelsee - Damit der Tourismusdampfer Diemelsee künftig nicht mal hier und mal dort anlegt, sondern einem festen Kurs folgt, stellte die Gemeinde am Dienstagabend in Heringhausen ein neues Tourismuskonzept vor.

Das „Konzept zur nachhaltigen Weiterentwicklung der Tourismuslandschaft rund um den Diemelsee“ hatten vor allem die Gemeindevertreter der CDU-, FWG- und FDP-Fraktion immer wieder gefordert. Gewichtige Investitionen in den Fremdenverkehr, zum Beispiel die Modernisierung des Heringhäuser „Haus des Gastes“ samt Tourist-Information, schickten sie daher zunächst in die Warteschleife. „Den politischen Gremien und dem Vorstand der Touristikgemeinschaft Diemelsee haben wir das Konzept bereits vorgestellt“, erläutert Bürgermeister Volker Becker am Dienstag. Nach Problemen mit der zunächst beauftragten Gutachterin hatte das Büro Bioline in Dalwigksthal die Ausarbeitung übernommen.

Die Lichtenfelser um Bernd Wecker zeichnen zugleich für das Regionalmanagement in der Lea­derregion „Naturpark Diemelsee“ verantwortlich. Gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Anna Krist präsentiert Wecker den interessierten Gästen in Heringhausen das 36-seitige Konzept. „Es stellt eine Leitlinie für alle im Tourismus Tätigen dar – für Gemeinde und Anbieter“, betont Wecker. „Wir kommen nur voran, wenn wir gemeinsam in dieselbe Richtung rudern“, ergänzt der Bürgermeister. Profil schärfen Obwohl in Diemelsee bereits vielfältige Angebote vorhanden sind, ist das Konzept laut Wecker „mehr als überfällig“. „Der Tourismus ist in den drei Lea­der-Kommunen Korbach, Willingen und Diemelsee ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und damit wichtiger Baustein der Regionalentwicklung“, erklärt der Experte. „Vorsichtig gesagt, ist das Potenzial in Diemelsee aber noch nicht ausgeschöpft.“

Dieses schlummernde Potenzial soll mithilfe des Konzepts gehoben werden, denn laut Anna Krist ist die Ferienregion dank See und schöner Landschaft für den Tourismus prädestiniert. Welche Möglichkeiten die Region hat, verdeutlicht die Geografin, indem sie zunächst Rahmendaten wie touristische Trends vorstellt. Gäste suchen laut Krist eine „authentische Region“, in der sie spontan individuell gestaltete, qualitativ hochwertige Kurzurlaube verbringen können. Sanfter Tourismus, zum Beispiel Wandern, ist ebenfalls gefragt. Folglich zählt im Wettbewerb mit anderen Destinationen, dass die Ferienregion ein Profil mit entsprechender Infrastruktur und zugehörigen Allwetter-Produkten entwickelt. Die Vermarktung über neue Medien (Internet, YouTube etc.) ist ebenso unabdingbar wie die Qualitätssicherung. „Einiges ist bereits angestoßen“, stellt Wecker klar und verweist zum Beispiel auf die geplante Modernisierung der „Grube Christiane“.

Die Analyse des Ist-Zustands in Diemelsee liefert nach Angaben der Fachfrau weitere Beweise für brachliegendes Potenzial: „Diemelsee liegt auf Rang 13 der hessischen Destinationen. Das ist eine gute Ausgangslage“, berichtet sie mit Blick auf Übernachtungszahlen und Gästeankünfte. Rein rechnerisch hätten die heimischen Beherbergungsbetriebe und Gastronomen 2009 einen Umsatz von rund 5,25 Millionen Euro verbuchen können, da ein Gast in Deutschland für Zimmer und Verpflegung pro Tag durchschnittlich 67 Euro ausgibt. „5,25 Millionen Euro entsprechen etwa 130 Stellen“, erklärt Anna Krist. „2005 waren in Diemelsee real aber nur 50 Personen beschäftigt.“

Darüber hinaus listet Krist folgende Basisdaten auszugsweise auf:

Stärken der Ferienregion: Wasser, intakte Natur, sieben Campingplätze am Ufer.Schwächen : geringe Bekanntheit, schwache Präsenz in neuen Medien, wenig Indoor-Angebote, viele unzeitgemäße Betriebe.

Chancen: vorhandenes Potenzial besser nutzen, Zielgruppen spezifischer ansprechen. Risiken: mangelnde Investitionsbereitschaft.

Auf Grundlage all dieser Daten entwickelten die Experten eine Tourismusstrategie unter dem Motto „Diemelsee – für dich, für mich, für alle“. Damit sich die Ferienregion künftig als „ganzheitliche Marke“ präsentiert, schlagen sie verschiedene Schritte vor. Handlungsbedarf bestehe in drei Feldern:

Organisation / Vernetzung: Stichwort ist „Kooperation statt Konkurrenz“. Wecker ist überzeugt, dass sich insbesondere die Angebote der Naturpark-Kommunen schon hervorragend ergänzen. Produkte wie Rad- und Wandertouren sollten gemeinsam entwickelt werden. Qualität: Zertifizierte Gastgeber und eine moderne Tourist-Information sind die Schlüsselwörter. Marketing / Kommunikation: neue Medien verstärkt nutzen, Printprodukte überdenken, Themenbroschüren und Zielgruppenprospekte erarbeiten. Arbeitsgruppen gründen

Die Planer empfehlen den Diemelseern des Weiteren auf drei „Erlebnisräume“ und drei Hauptzielgruppen zu setzen (siehe Hintergrund). Wecker rät: „Sie als Anbieter sollten das Feld bedienen, in dem Sie sich zu Hause fühlen, denn dann stimmt die Qualität.“ Dass diese das A und O sei, wisse jeder aus dem eigenen Urlaub. „Letztendlich zählt, dass das Konzept von allen Beteiligten gelebt wird“, fasst Anna Krist zusammen. Anregungen seien daher jederzeit willkommen. „Man braucht nicht immer Hunderttausende Euro. Oft reicht eine gute Idee und die entsprechende Vermarktung“, ruft Wecker die Diemelseer auf, kreativ zu werden. Wie viele Ideen bereits in ihren Köpfen schlummern, zeigt die anschließende Diskussionsrunde. Um dieses Potenzial zu heben und dem Konzept damit erstes Leben einzuhauchen, versprechen die Verantwortlichen in Kürze erneut einzuladen. Dieser Ideensammlung sollen Treffen themenorientierter Arbeitsgruppen folgen. (nv)

Kommentare