Grube als „Kulturgut“: Maike Breuker und Erhard Rettig entwickeln neue Ideen.

Mit dem Diktiergerät in die Unterwelt

Baustellen unter Tage: Knappen und Gemeindemitarbeiter erneuern Stempel (links) und Verzugholz.Fotos: Natalie Volkenrath

Diemelsee-Adorf - Von der Decke tropft es, die Füße waten durchs Wasser und dunkel ist es ohnehin: Die schwierigen Arbeitsbedingungen in der Adorfer „Grube Christiane“ halten die Knappen aber nicht davon ab, ihr Besucherbergwerk für die neue Saison fit zu machen.

Harte Arbeit sind die Männer gewöhnt. Einige von ihnen sind vor der Schließung 1963 noch selbst in die Erzgrube eingefahren. Andere schuften seit der Eröffnung des Besucherbergwerks 1986 unter Tage, um die Gäste in die rot schimmernde Adorfer Unterwelt zu entführen.

Wie in jedem Jahr gibt es auch 2013 im Karl-Ludwig-Erbstollen einiges zu tun: „Nach einer Befahrung mit dem Bergamt, unserer Aufsichtsbehörde, haben die Experten uns geraten, die bestehenden Verbaue aus Sicherheitsgründen zu erneuern“, berichtet Knappenvereinsvorsitzender Erhard Rettig.

Aus Sicht der Fachleute hält verbautes Holz rund 25 Jahre. Am Ostermontag, 1. April, starten die Knappen, die das kommunale Besucherbergwerk betreuen, um 10 Uhr in die 27. Saison.

„Wir setzen also die Auflagen des Bergamts um“, betont Rettig, verweist aber darauf, dass die Knappen in den vergangenen Jahren viele Bereiche bereits saniert haben. Ihre aktuelle Baustelle liegt etliche steile Treppenstufen über dem normalen Niveau des 1,2 Kilometer langen Rundwegs. Mit Helm, Grubenlampe und jeder Menge Werkzeug ausgerüstet, schuften Erhard Rettig, Gerhard Willeke, Erich Bangert, Herbert Kalbfuß, Karl Scheele, Karl-Heinz Köster, Edmund Frömmrich und Heino Klemme unter Tage.

Zur Unterstützung stellt die Gemeinde ihnen ihre Mitarbeiter Michael Clemens und Alexander Engel bereit. Alle gemeinsam errichten beispielsweise neue Stempel. „Sie müssen immer rechtwinklig zu dem Gestein stehen, das abgestützt werden soll“, erklärt der erfahrene Bergmann Willeke. „Wenn der Stempel richtig steht, brummt er“, erinnert der Adorfer an die Bergmannssprache, während er den großen Hammer schwingt. „Wir nutzen bewusst weiches Nadelholz“, erläutert Rettig. „Wird der Druck darauf zu groß, spricht es mit den Bergleuten, indem es knackt, und zeigt Risse.“

Wenige Meter weiter führt Klemme Regie: Der ehemalige Steiger hat entschieden, dass die Stempel noch gut sind, und tauscht mit seiner Truppe daher nur das Verzugholz aus. Es verhindert, dass den Besuchern Gesteinsbrocken vor die Füße fallen. Wie wichtig die Instandsetzung ist, wird deutlich, wenn die Knappen über die geplante Modernisierung ihrer Grube mit Hilfe des Leader-Programms berichten.

Rettig: „Die Euphorie in der Anfangszeit, in der wir aufgefordert waren, Ideen zu entwickeln, ist der Enttäuschung gewichen. Wir treten auf der Stelle, weil das Geld fehlt.“

Derzeit werde geprüft, welches Förderprogramm das richtige sei, erklärt Maike Breuker, Leiterin der Tourist-Information Diemelsee. Bis die Modernisierung anläuft, will die Tourismus-Expertin zusammen mit den Knappen nach kleinen Lösungen suchen, die wieder mehr Besucher in die Grube locken. „Die Gästezahlen sind rückläufig“, gibt Rettig offen zu. Erste Ideen gibt es bereits: l?„Das Wissen der Besucherführer und vor allem die Anekdoten der ehemaligen Bergleute dürfen nicht verloren gehen“, betont Maike Breuker.

Das Adorfer Besucherbergwerk hebt sich gerade deshalb von anderen ab, weil teils echte Kumpel durch den Stollen führen und die Arbeitsbedingungen unter Tage „hautnah erlebbar machen“. Die Knappen sind daher künftig mit Diktiergeräten in der Unterwelt unterwegs. „Die Grube ist ein wichtiges Kulturgut, das die Region mehr als acht Jahrhunderte prägte“, ergänzt Breuker. „Das wollen wir in die Köpfe zurückholen.“

Auf Kindergärten, Schulen und Gastgeber will die TI-Leiterin gezielt zugehen und gemeinsam Angebote entwickeln. „Jeder kann aber auch gern auf mich zugehen“, bietet sie an. Darüber hinaus plant die Diplom-Geografin Veranstaltungen in der Grube, beispielsweise die Beteiligung am „Tag des offenen Denkmals“ im September. l?Weil die Knappen Hilfe beim Erhalt des Kulturguts brauchen, sind alle Interessierten aufgerufen sie zu unterstützen, zum Beispiel bei der Sanierung, als Kassierer oder Besucherführer. Maike Breuker wünscht sich zudem einen Pächter „für einen kleinen Shop“. l?Ein neues Faltblatt, das über die Grube und das Adorfer Geofoyer informiert, ist in Arbeit. l?Die Grube ist bei „Meine Card+“ dabei. Das ist die neue Gästekarte für die „Grimm Heimat Nordhessen“, die Eintritt in über 50 Freizeiteinrichtungen gewährt. Die „Grube Christiane“ ist vom 1. April bis Oktober geöffnet. Weitere Informationen gibt es unter www.diemelsee.de.

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