Platzmangel im Rathaus: Vöhler Gemeindevertreter wägen Möglichkeiten ab

Diskussion um Anbau oder Umzug

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Vöhl - Der Platz im Vöhler Rathaus ist eng geworden. Während der Ausschusssitzungen am Montagabend diskutierten die Gemeindevertreter über Lösungsmöglichkeiten - die von einem Anbau bis zum Umzug in Räume der Sparkasse oder die alte Schule reichen.

Als die Vöhler Gemeindevertreter im Februar über den Haushalt abstimmten, da entbrannte ein leidenschaftlicher Streit um den Posten „Verwaltungsgebäude“. 700 000 Euro hatte der Gemeindevorstand in den Haushalt geschrieben, um mehr Platz für die Verwaltung zu schaffen. Das ging Grünen, FWG und FDP zu weit. Am Ende wurde ein Sperrvermerk eingerichtet, um auf die Pläne zu warten.

Pläne liegen vor

Die liegen nun vor und aufgrund der aktuellen Zahlen hat die Gemeindeverwaltung entsprechende Pläne für die drei Alternativen geschrieben: So diskutierten die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses und des Sozialausschusses am Montagabend in Vöhl die verschiedenen Möglichkeiten, um mehr Platz für die Vöhler Verwaltung zu schaffen, erneut. Expertenunterstützung hatten sie sich mit den Architekten Ulrich Egert und Thomas Wolf ins Haus geholt, die bereits entsprechende Pläne gezeichnet haben, und mit Udo Weitekemper vom Gebäudemanagement des Landkreises.

Gemeinsam wollen sie für folgendes Problem eine Lösung finden: Im Mai 2012 löste eine Mäuseplage im Nebenhaus der Verwaltung die Platznot aus. Mitarbeiter von Kämmerei und Kasse hatten von heute auf morgen keinen Arbeitsplatz mehr. Vorübergehend wurden sie auf 35 Quadratmetern in einem provisorischen Büro im Bauhof untergebracht. Die Gemeindevertreter machten sich auf die Suche nach einer Lösung. Nun stehen auch neue Brandschutzauflagen im Raum, die es nötig machen, auch für die Mitarbeiter des Bauamtes neuen Büroraum zu suchen. Fünf neue Büros seien so insgesamt nötig geworden, erklärte Bürgermeister Harald Plünnecke während des Ausschusses am Montagabend.

Drei Varianten standen dann zur Diskussion und wurden entsprechend berechnet: Rund 600000 Euro würde ein Anbau an das Vöhler Rathaus nach aktuellen Berechnungen kosten. „Wir haben das Gebäude als Passivhaus geplant“, erklärte Thomas Wolf. Dadurch könnten Heizungskosten niedrig gehalten werden.

Anbau ans Rathaus?

Das würde für die Gemeinde eine Investition von 600 000 Euro bedeuten, das Darlehen würde über zehn Jahre laufen. Die jährlichen Folgekosten, die im Ergebnishaushalt aufgeführt werden, betrügen nach den Plänen der Verwaltung rund 11170 Euro.

Darin enthalten wären dann auch Abschreibungen über 80 Jahre. „Dann hätten wir ein barrierefreies Rathaus“, argumentierte der Bürgermeister, „und die Brandschutzanforderungen wären umgesetzt.“ Ein möglicher zweiter Bauabschnitt, bei dem ein weiterer Sitzungsraum unterm Dach entstehen könnte, würde 185 000 Euro kosten. Kritik gab es allerdings von Gerhard Henkel von der BI Grüne Liste. Die Bürofenster im neuen Anbau seien Richtung Norden ausgerichtet, die Mitarbeiter würden im Dunkeln sitzen und gegen eine Mauer gucken. „Das können wir nicht machen“, erklärte er. Die Pläne sollen nun entsprechend bearbeitet werden.

Sparkassenräume im Blick

Ulrich Müller von der FWG ging noch weiter: „Wir sollten erst mal nach Übergangslösungen suchen, bevor wir eine so große Investition wagen“, erklärte er und lenkte das Augenmerk auf andere Möglichkeiten - wie etwa die Anmietung von Räumen der Sparkasse. Durch Miete und Bereitstellung von Glasfaserleitungen würden jährliche Belastungen im Ergebnishaushalt von rund 28 000 entstehen, heißt es in den Plänen. „Die Verwaltung in verschiedenen Gebäuden unterzubringen, bringt aber viele Nachteile mit sich“, erinnerte Karl-Heinz Stadtler (SPD). Außerdem gebe es dann keine Barrierefreiheit, betonte der Bürgermeister.

Variante drei: alte Schule

Variante drei nimmt die alte Schule neben dem Rathaus in den Blick: Eine Komplettsanierung des Gebäudes würde laut den Plänen rund 1,134 Millionen Euro kosten, es würden sich jährliche Belastungen des Ergebnishaushalts von 24000 Euro ergeben. Der Landkreis würde die alte Schule allerdings für einen symbolischen Wert von einem Euro unsaniert an die Gemeinde abgeben, erklärte Weitekemper am Montag. „Dann würde allerdings das alte Rathaus leer stehen“, erinnerte der Bürgermeister

„Wir sollten in der alten Schule kurzfristig Büros einrichten“, befand Ulrich Müller von der FWG. Eine schrittweise Renovierung würde rund 100000 Euro kosten, heißt es in den Plänen. Allerdings sei dann weder eine EDV-Infrastruktur vorhanden noch seien zukünftige Kosten für die Heizung bedacht, geben die Verwaltungsmitarbeiter zu bedenken. Zurzeit nutzt die Vöhler Schule das Gebäude noch mit, das soll sich bald ändern. Die Heizkosten des unsanierten Gebäudes seien hoch, erinnerte Weitekemper, und müssten dann von der Gemeinde getragen werden.

Die Entscheidung über das Verwaltungsgebäude steht erst im Juli auf der Tagesordnung im Parlament - nach der Bürgermeisterwahl. (resa)

Hintergrund

Drei mögliche Varianten haben die Ausschüsse am Montag diskutiert.

Eine Übersicht:

Rathausanbau: Investition von rund 600 000 Euro, Folgekosten jährlich liegen bei 11 170 Euro.

Anmietung Räume Sparkasse: keine Investitionen, Folgekosten jährlich liegen bei 27 951 Euro.

Nutzung alte Schule bei Komplettsanierung: Investitionen von 1,134 Millionen Euro, Folgekosten jährlich liegen bei 24 282 Euro. Für eine teilweise Renovierung sind Kosten von rund 100 000 Euro veranschlagt. (resa)

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