Investitionsgesellschaft interessiert am Bau von 600-Betten-Anlage

In der Diskussion: Ferienpark am Treis

+

Willingen - Es brodelt erneut in der Upländer Gerüchteküche. Diesmal geht es um das Thema „Ferienpark“. An den Stammtischen ist von 200 bis 300 Ferienhäuschen, die am Willinger Treis gebaut werden sollen, die Rede. Die Emotionen kochen hoch.

Vor längerer Zeit war der Bau einer großen Ferienanlage in Usseln im Gespräch. Später ging es um ein eventuelles Projekt am Ettelsberg. Es löste im Weltcup-Ort ein breites Spektrum an Reaktionen aus - von heftigster Ablehnung und tiefgreifenden Ängsten bis hin zur Hoffnung auf wirtschaftliches Wachstum. Um beide Vorhaben ist es ruhig geworden.

Eine weitere Idee rückt der-zeit in den Mittelpunkt des Interesses: Eine norddeutsche Investitionsgesellschaft erwägt den eventuellen Bau eines Ferienparks am Treis. Wie konkret ist die Sache?

Grundsatzanfrage liegt vor

„Bis jetzt gibt es nur Absichtsbekundungen“, erklärt Bürgermeister Thomas Trachte auf Anfrage der Waldeckischen Landeszeitung. „Uns liegt seit längerer Zeit eine Grundsatzanfrage vor, aber noch kein prüffä-higes Konzept.“ Und so möchte auch er zurzeit lediglich eine grundsätzlichen Aussage bezüglich der Realisierung machen: „Die Gemeinde steht nur solchen Projekten offen gegenüber, die für Willingen eine positive Entwicklung bedeuten.“

Konzept vorlegen

Bei ersten Gesprächen mit der Investorengruppe, die laut Thomas Trachte Referenzen nachweisen kann, hat der Verwaltungschef den Eindruck gewonnen, dass die Zielsetzungen übereinstimmen - insbesondere hinsichtlich der Zielgruppen, die angesprochen wer-den sollen (Erholungsgäste, Familien). Ehe die Uplandgemeinde jedoch in irgendeiner Form tätig wird, ist es laut Bürgermeister Trachte zunächst einmal Sache der Interessenten, ein prüffähiges Konzept vorzu-legen. Darin müssen beispielsweise konkrete Aussagen zur Betreiberfrage, zu Qualitätsstandards und zum Marketingkonzept gemacht werden. Ein weiterer großer Themenkomplex, der im Vorfeld eingehend beleuchtet werden muss, ist die Erschließung des Geländes (Stra-ßenbau, Wasser, Kanalisation).

Großzügige Appartements

Die Investoren gehen nach Informationen der WLZ von einer Anlage mit rund 600 Betten aus. Sie sollen allerdings nicht auf 200 bis 300 kleine Einheiten verteilt werden. „Die Häuserzahl ist noch nicht festgelegt“, betont das Gemeindeoberhaupt. „Erste Überlegungen gehen von 60 bis 70 Häusern aus, in denen großzügige Appartements vorgesehen sind.“

Sollte das Vorhaben tatsächlich den wirtschaftspolitischen Zielsetzungen der Gemeinde entsprechen und verwirklicht werden, so sieht Thomas Trachte darin eine gute Chance für die zukünftige positive Entwicklung Willingens.

„Wir brauchen Wachstum“

Er verspricht sich von einem derartigen Projekt die Ansprache neuer, zusätzlicher Gästegruppen; mehr Übernach-tungen; eine längere Aufenthaltsdauer der Urlauber; eine hohe Wertschöpfung für den örtlichen Einzelhandel, die Freizeiteinrichtungen und die Gastronomie; eine weitere Erhöhung des Bekanntheitsgrads; und nicht zuletzt Einnahme-verbesserungen für den Gemeindehaushalt - „also positi-ve Entwicklungsmöglichkeiten für den gesamten Ort“.

„Wir brauchen Wachstum, und wir sollten keine Chancen versäumen“, davon ist der Bürgermeister fest überzeugt. Er verweist in diesem Zusammenhang auf positive Entwicklungen in Winterberg nach dem Bau des Landal-Ferienparks. Auf der anderen Seite macht er aber auch ganz deutlich: „Sollte das Konzept, das die Interessenten in nächster Zeit vorlegen wollen, unsere wirtschaftspolitischen Erwartungen nicht widerspiegeln, so wird die Gemeinde das Projekt nicht unterstützen.“

Trachte weiß um die Ängste zahlreicher Willinger vor zusätzlicher Lärmbelästigung und um die Sorge etlicher Vermieter, die einen Ferienpark als übermächtige Konkurrenz ansehen und um ihre Existenz fürchten. „Es ist unsere Zielsetzung, bestehende Betriebe nicht zu schädigen“, versichert er. „Wir wollen zusätzliche Gäste nach Willingen holen.“ Zudem verweist er darauf, dass das Angebot eines Ferienparks mit dem von Hotels oder Pensionen nicht zu vergleichen ist. Auch das Risiko der Lärmstörung müsste aus seiner Sicht durch die Ansprache entsprechender Zielgruppen von vornherein weitgehend minimiert werden.

Möglichst transparent

„Wir machen aus dem Projekt kein Geheimnis, sondern wollen den Prüfungsprozess so transparent wie möglich führen“, betont der Bürgermeister. Sollte das Vorhaben kon-krete Formen annehmen, müssen entsprechende bauleitplanerische Voraussetzungen geschaffen werden, die in öffentlichen Sitzungen der gemeindlichen Gremien behandelt werden. Darüber hinaus strebt er zum gegebenen Zeitpunkt auch eine weitergehende Information der Öffentlichkeit an. „Augenblicklich wäre allerdings alles nur Spekulation.“

Gutachten liegt vor

Wie Trachte auf Nachfrage der WLZ weiter bestätigt, liegt inzwischen ein Gutachten der Firma Treugast vor, das die Gemeinde in Auftrag gegeben hat (wir berichteten darüber). Die Unternehmensberatung hat Chancen und Risiken beleuchtet, die mit dem Bau eines Ferienparks verbunden sind. „Es war uns wichtig, eine objektive Einschätzung als fundierte Basis für weitere Entscheidungen zu bekommen.“ Die Studie wurde den Kommunalpolitikern kürzlich in einer interfraktio-nellen Sitzung vorgestellt und soll in Kürze der Öffentlichkeit präsentiert werden.(bk)

Kommentare