Bürgermeisterkandidaten nehmen Stellung zum Projekt am Eschenberg

Disput um Windkraft im Wald

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Die „Energiewende“ in Deutschland bringt einen Ausbau der Windkraft. Ein Projekt am Eschenberg auf Lichtenfelser Stadtgebiet sorgt in Korbacher Ortsteilen für Kritik.

Korbach - Der geplante Bau von neuen Windkraftanlagen zur alternativen Stromerzeugung ist im Korbacher Wahlkampf zum Thema geworden. Hintergrund ist ein Vorhaben in der Stadt Lichtenfels. Bewohner in angrenzenden Korbacher Ortsteilen sehen das höchst kritisch.

Das Parlament der Stadt Lichtenfels hatte im Sommer einer Änderung des Flächennutzungsplans zugestimmt. Dies soll den Weg ebnen für ein Projekt der Firma „Abo Wind“ (Wiesbaden), die auf Lichtenfelser Terrain, aber direkt an der Gemarkungsgrenze zu Korbach sechs große Windmühlen errichten möchte.

Das Vorhaben war bereits strittiges Thema im Korbacher Parlament (wir berichteten ausführlich) und wurde zuletzt auch im Wahlkampf zwischen Bürgermeister Klaus Friedrich (parteilos) und Herausforderer Martin Dörflinger (SPD) wiederholt angesprochen.

Im Vorfeld des WLZ-Wahlforums vorige Woche stellte Erich Heine folgende Leserfrage, die wir an die beiden Bürgermeisterkandidaten weiter-geleitet haben: „Wie stehen Sie zu den Bauplanungen von Windkraftanlagen, die im Bereich Eschenberg und auch Wipperberg errichtet werden sollen? Die Ortsteile Eppe, Hillershausen und auch Goldhausen sind dadurch direkt betroffen. Eine Gefährdung für dieses Naherholungsgebiet ist zu befürchten.“

Antwort von Klaus Friedrich: „Verstärkte Anstrengungen für die Energiewende schulden wir unseren Kindern. Zudem birgt sie große Chancen für die Schaffung neuer Arbeits-plätze. Das Ziel, den Anteil der erneuerbaren Energien durch 200 Meter hohe Windräder zu steigern, darf aber nicht über die Köpfe der Bürger hinweg umgesetzt werden.

Klaus Friedrich

Konkret: Der Standort ,Eschenberg‘ steht für mich nicht zur Diskussion. Abgesehen von den nicht akzeptablen Belastungen für die Bürger in Hillershausen, Eppe und Goldhausen müsste dafür viel zu viel wertvolle Waldfläche vernichtet werden. Dem Umweltschutz würden wir an diesem Standort somit eher einen Bärendienst erweisen. Auch für den Wipperberg sehe ich erhebliche Konfliktpotenziale.

Für die Energiewende gilt: Energie einzusparen ist genauso wichtig, wie Energie zu erzeugen. Dazu kann jeder seinen Beitrag leisten. Als Stadt haben wir zum Beispiel bereits Folgendes umgesetzt: Energiesparmaßnahmen bei städtischen Gebäuden, Photovoltaik-anlagen (Paul-Zimmermann-Sportplatz, Kindergarten Stro-ther Straße), hocheffiziente Energieanlagen in Krankenhaus und Altenheim, Bürgersolaranlage, Komplettversorgung durch Naturstrom.

Fazit: Für mich kommen nur Windkraftstandorte in Frage, bei denen es für die Korbacher Bürgerinnen und Bürger, ob in der Kernstadt oder in den Ortsteilen, keine Beeinträchtigung der Lebensqualität gibt und wo nach intensiver Prüfung wenig Auswirkungen auf Tierwelt, Natur und Landschaft zu erwarten sind.“

Martin Dörflinger

Antwort von Martin Dörflinger: „Der von der CDU-geführten Bundesregierung vorgenommene abrupte Rückwärtssalto in der Energiepolitik nach der Katastrophe in Fukushima (Japan) ist Realität und wird von 75 Prozent der Bundesbürger grundsätzlich auch unterstützt. Darüber hinaus gibt es das erklärte Ziel der CDU-geführten hessischen Landesregierung, zwei Prozent der Fläche des Landes für Erneuerbare Energieformen zu nutzen. An diesen Tatsachen kommen wir auch in Korbach nicht vorbei, und wer das Gegenteil behauptet, streut den Bürgern Sand in die Augen, denn eine Politik nach dem „Sankt-Florians-Prinzip“ kann keiner ernsthaft wollen - und sie wird sich auch nicht durchhalten lassen.

Die Ausweisung von Flächen für Windenergie muss jedoch mit Augenmaß erfolgen und dem Anspruch genügen, die Belastungen für die Menschen und die Umwelt so gering wie möglich zu halten. Aus diesem Grunde haben wir in Korbach nahezu einstimmig Suchräume definiert, wo nach theoretischen Berechnungen hohe Windgeschwindigkeiten auftreten und die sich deshalb grundsätzlich für Windenergieanlagen eignen. Diese Suchräume möchten wir noch erweitern, damit wir eine größere Auswahl haben und auch Standorte wählen können, die zwar theoretisch etwas geringere Windgeschwindigkeiten aufweisen, die aber die Bürger weniger stark belasten. Das muss unser Ziel sein, damit solche schönen Fleckchen Erde wie zum Beispiel der Eschenberg nicht geopfert werden müssen. Ich werde mich dafür stark machen, dass dies nicht passiert. Die Einflussmöglichkeiten der Stadt Korbach auf die Pläne der Stadt Lichtenfels, am Eschenberg Windkraftanlagen zuzulassen, sind jedoch begrenzt. Das geforderte Umweltverträglichkeitsgutachten kann uns hier hoffentlich helfen.“(jk)

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