Ehrenamtliche Helfer schieben deutlich weniger Wachdienste am Diemelsee

DLRG: Ohne Hallenbad weniger Retter

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Der DLRG geht der Nachwuchs aus: die Zahl der Wachstunden an der Rettungsstation am Diemelsee ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Archivoto: pr

Diemelsee/Korbach - Sorge um die Sicherheit: Der hessische DLRG-Präsident Thorsten Reus sieht die Einsatzbereitschaft der Lebensretter am Diemelsee gefährdet.

Grund dafür sei der Nachwuchsmangel, sagte er bei der Dreiseen-Konferenz am Samstag in der Waldecker Bucht. Die DLRG habe immer weniger aktive Helfer - unter anderem, weil das Korbacher Hallenbad seit 2010 als Übungsstätte ausfalle.

Korbacher DLRG hat zwei Drittel der Mitglieder eingebüßt

Für die Badegäste sind die ehrenamtlichen Helfer ein Garant für Sicherheit: „Viele Menschen schauen, ob die DLRG-Station besetzt ist, bevor sie im See schwimmen gehen: besonders Familien“, sagte Reus. Zugleich läutete er das Alarmglöckchen für den Diemelsee, denn dort wird der gewohnte Dienst rund um die Uhr in der kommenden Saison wohl eine Ausnahme sein. Schon 2014 sei die Zahl der Wachstunden deutlich zurückgegangen und das nicht von ungefähr, so Reus: Seit 2010 sei das Korbacher Hallenbad geschlossen. Die Korbacher DLRG, die am Diemelsee die Wasserrettung bestreitet, habe seitdem zwei Drittel der Mitglieder eingebüßt.

„Die Eltern wollen ihre Kinder nicht immer nach Bad Arolsen fahren“, berichtete Reus. Inzwischen schlage das auf die Wasserrettung durch, denn viele junge Aktive seien aus beruflichen Gründen oder wegen ihres Studiums ausgeschieden, ohne dass von unten neue Kräfte nachrückten.

Diemelsees Bürgermeister Volker Becker unterstrich auf der Dreiseen-Konferenz die Bedeutung der Wasserrettung auch für den Tourismus: „Wir reden wegen unserer vielen Gäste aus Nordrhein-Westfalen quasi von zehn Wochen Sommerferien, die abgedeckt werden müssen.“ Alle Beteiligten seien dabei, eine Lösung für das Problem zu finden. Solange sich die DLRG Korbach nicht erholt, rückt für die Feuerwehr der See verstärkt als mögliches Einsatzgebiet in den Fokus. Wenn sie die entstandene Sicherheitslücke schließen soll, braucht sie aber Zugriff auf die Ausrüstung der Lebensretter. „Das Boot unserer Feuerwehr liegt in Adorf. Der Transport kostet im Notfall zu viel Zeit“, unterstrich Becker.

Andererseits kann ein Feuerwehrmann mit Bootsführerschein nicht einfach in ein DLRG-Fahrzeug springen, machte Klaus Schultze klar, Leiter der Wasserrettung am Edersee: „Der DLRG-Führerschein verlangt eine zweijährige Ausbildung und weit mehr Kenntnisse als beispielsweise eine Sportbootlizenz.“ Aktuell überlege man, wie Feuerwehrleute, die ein Boot fahren dürfen, mit vertretbarem Aufwand den DLRG-Schein erwerben könnten. Bürokratische Erfordernisse dürften letztlich allerdings nicht über der Sicherheit rangieren, verdeutlichte DLRG-Präsident Reus dabei: „Not kennt kein Gebot!“

Von Matthias Schuldt

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