Ausstellung „See-Blicke. Das Edertal 1911 – 2011“ bis 7. September zu seh

Dokumente einer verlorenen Welt

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Werben für die Ausstellung „See-Blicke“ im Wolfgang-Bonhage-Museum (von links): Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen, Dr. Wolfgang Werner, Hobbyfotograf und Vorstand der Lebenshilfe, sowie Dr. Bernhard Buchstab vom Landesamt für Denkmalpflege. Foto: Lutz Benseler

Korbach - Sie waren buchstäblich dem Untergang geweiht: Dörfer und Landschaft vor der Flutung des Edertals sind auf 60 Fotografien aus dem Jahr 1911 dokumentiert. Die historischen Aufnahmen sind Schwerpunkt der Ausstellung „See-Blicke“.

Das Wolfgang-Bonhage-Museum in Korbach zeigt vom 20. Juli bis 7. September in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege die Ausstellung „See-Blicke. Das Edertal 1911 - 2011“. Den Schwerpunkt der Schau bilden etwa 60 historische Dokumentaraufnahmen der Königlich Preußischen Messbildanstalt (siehe Hintergrund), die den Zustand der Landschaft und der Dörfer vor der Flutung des Edertals festhalten.

Erstmals alle Fotos komplett

Der größte Teil dieser Messbild-Aufnahmen stammt aus dem Bestand des Landesamtes für Denkmalpflege in Marburg. „Einige Motive waren in Marburg aber nicht vorhanden“, sagt Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen. Von den Original-Negativen, 40 mal 40 Zentimeter große Glasplatten -, die in Brandenburg lagern, ließ das Landesamt Abzüge anfertigen. „Jetzt ist erstmals der komplette Bestand zu sehen“, sagt Völcker-Janssen.

Ergänzt werden die Fotografien durch weitere, bisher kaum bekannte Aufnahmen aus dem Bildarchiv der „Philipp Holzmann AG“, die den Bau der Edersee-Staumauer dokumentieren. Rund 150 Bilder lagerten im Nachlass des 2002 in Insolvenz gegangenen Bauunternehmens, der heute vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie verwaltet wird. Eine Auswahl wird im Korbacher Museum zu sehen sein.

Als Kontrast zu den dokumentarisch geprägten historischen Aufnahmen zeigt Dr. Wolfgang Werner seine im Herbst 2011 entstandenen Fotografien, die impressionistisch verfremdet die Atmosphäre des Edertals einfangen. Damals war das Edertal fast trocken gefallen, die Eder zeigte sich in seinem ursprünglichen Verlauf. Der Vorstand des Lebenshilfe-Werks Waldeck-Frankenberg hielt die „verlorene Welt“ mit seiner Kamera nach dem Prinzip der „fotografischen Malerei“ in fast unwirklich wirkenden Bildern fest. Dabei nutze er nur die Technik seiner Kamera, ohne die Bilder am Computer digital nachzubearbeiten.

Zu sehen sein wird in der Ausstellung auch der repräsentative Bildband aus der Fürstlich Waldeckschen Hofbibliothek in Bad Arolsen mit den Messbilder der waldeckischen Orte sowie weitere Leihgaben zur Geschichte des Edersees aus Privatbesitz.

Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 20. Juli, um 11.15 Uhr. Unter anderem wird Dr. Bernhard Buchstab vom Landesamt für Denkmalpflege sprechen. Kerstin Figge (Klarinette) und Anne-Sophie Stallmann (Klavier) untermalen die Eröffnung musikalisch.

Hintergrund:

Die Königlich Preußische Messbild-Anstalt wurde 1885 gegründet. Ziel war, künstlerisch bedeutende Bauten architektonisch genau zu dokumentieren und ein umfassendes Denkmalarchiv aufzubauen. Bis 1920 wurden etwa 20?000 Glas-Negative von Bauwerken im In- und Ausland zusammengetragen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Messbild-Anstalt als Staatliche Bildstelle Berlin fortgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte die Rote Armee den Archivbestand und brachte ihn nach Moskau. 1958 kam der größte Teil zurück nach Ost-Berlin. Seit 1991 verwaltet das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege das Messbildarchiv. Es umfasst heute insgesamt über 100?000 historische Aufnahmen.

Von Lutz Benseler

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