Mike Fieseler überarbeitet Werk von Heimatforscher Alfred Emde ·

Dorfchronik gemeinsam fortschreiben

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Blick auf Adorf: Diese historische Aufnahme steuert Familie Kranke zur Neuauflage der Chronik bei. Das Sägewerk Kranke an der Flechtdorfer Straße ist unten links zu sehen.

Diemelsee-Adorf - Das „blaue Buch“ steht bei vielen Adorfer Familien neben dem Ortssippenbuch im Regal. Die von Heimatforscher Alfred Emde 1992 veröffentlichte Dorfchronik überarbeitet Mike Fieseler derzeit zusammen mit einem Team geschichtsbewusster Adorfer. Anregungen sind ebenso willkommen wie alte Fotografien.

„Wir sollten aus der Vergangenheit lernen, um die Gegenwart so gestalten zu können, dass wir vor der Zukunft und unseren Enkeln zu bestehen vermögen“, schreibt Alfred Emde in seinem Werk „Adorf - Die Geschichte eines waldeckischen Dorfes“. „Durch dieses Buch lebt in unserer Gemeinde Vergangenes fort und verbinden sich Geschichte, Gegenwart und Zukunft“, schließt sich der damalige Bürgermeister Hans-Jürgen Fischer in seinem Vorwort an.

Buch birgt großes Potential

„Die Geschichte, die Alfred Emde zusammen mit Karl Welteke darstellt, endet in einigen Kapiteln allerdings vor 25, in anderen vor 40 Jahren. Andere Themen, die Adorf geprägt haben, zum Beispiel die Dorferneuerung, finden noch gar nicht statt“, begründet Mike Fieseler die Initiative, die Chronik seines Heimat-ortes fortzu-schreiben.

Entstanden ist die Idee vor einigen Jahren durch den Adorfer Gastwirt Bernd Becker. Da Fieseler (Heimat-)Geschichte samt Ahnenforschung zu seinen Hobbys zählt, bittet ihn Becker, Emdes Werk mit moderner Technik zu überarbeiten.

Er habe nicht lang überlegen müssen, berichtet der 30-Jährige heute: „Ich ziehe den Hut vor der Leistung von Alfred Emde“, betont Fieseler. Zugleich habe er wie Becker erkannt, welches Potential das blaue Buch berge. Einige Beispiele: Die Texte sind mit Schreibmaschine verfasst, Bilder daher nicht in die Texte eingebunden und vielfach ebenso schlecht zu erkennen wie Karten und Urkunden.

Archiv voller Originale

„2010 habe ich dann begonnen, mich intensiv mit der Chronik auseinanderzuset-zen“, blickt das Mitglied des Diemelseer Geschichtsvereins zurück. Der Text ist zu dieser Zeit bereits schon einmal elektronisch erfasst worden, und im Gemeindearchiv schlummern alle Originalunterlagen, die Emde zusammen mit Karl Welteke herangezogen hatte. Der Grundstein für die Neuauflage der Chronik ist somit gelegt. Darüber hinaus stellt Robert Erlemann, Vorsitzender der Schützengesellschaft, Fieseler Unterlagen zur Verfü-gung. „Er hatte ebenfalls begonnen, die Chronik zu überarbeiten. Weil ich zum Zeitpunkt unseres Gesprächs jedoch schon weiter fortgeschritten war, hat er mir die weitere Arbeit überlassen“, lächelt Fieseler.

Neues Layout, mehr Inhalt

„Zunächst habe ich Emdes alte Handschriften sowie alle Bilder sortiert und gescannt“, erklärt der Adorfer sein weiteres Vorgehen. Im zweiten Schritt überarbeitet er den Text: formatiert ihn und erläutert alte Begriffe mit Hilfe von Fußnoten. Frisch bearbeitete Bilder erhalten einen Platz im Text. Neue Bilder, die er in Adorf auftut, kommen hinzu. Emdes Grafiken erhalten durch Björn Becker einen modernen „Anstrich“, ohne dass sie ihren gezeichneten Charakter verlieren.(nv)

Auch für die inhaltliche Überarbeitung und Ergänzung holt sich Fieseler Hilfe: Den Kapiteln Bergbau und Hüttenwesen widmet sich Knappenvereinsvorsitzender Erhard Rettig, über die Schule schreibt Jan-Christoph Meier, über die Landwirtschaft Jens Figge. „Die großen Adorfer Vereine, die ich angeschrieben habe, um ihre Geschichte selbst zu bearbeiten, haben mich ebenfalls allesamt unterstützt“, dankt Fieseler.

„Drei neue Kapitel sind ebenfalls in Arbeit“, verrät der Adorfer und nennt zwei Beispiele: Energieversorgung und Geschichte der jüdischen Gemeinde. Denkbar ist auch, einige Kapitel, die Emde seinerzeit verworfen hat, aufzugreifen. Ein Beispiel: Der Heimatforscher hatte anhand alter Inschriften in den Kirchenbänken die Sitzordnung in der St.-Johannis-Kirche rekonstruiert.

„Alte Bilder durchstöbern“

„Je länger wir an der Chronik arbeiten, desto mehr Neues tut sich auf“, sieht Fieseler das Sammeln von Informationen noch nicht abgeschlossen, obwohl sich in seinem Wohnzimmerschrank längst Ordner an Ordner reiht. „Ich weiß beispielsweise, dass in vielen Adorfer Haushalten noch kisten-weise alte Bilder vorhanden sind, die ich gern einmal durchstöbern würde“, hofft der Autor auf weitere Unterstützung.

Veröffentlichung 2013

„Das bevorstehende Freischießen möchte ich nutzen, um mit möglichst vielen Adorfern ins Gespräch zu kommen und weitere Informationen zu gewinnen“, blickt der Diemelseer auf das Heimatfest vom 7. bis 9. Juli. Gefragt seien nicht nur harte geschichtliche Fakten, sondern auch Anekdoten. „Ziel ist, das Buch 2013 herauszubringen“, kündigt Fieseler an. Der überarbeitete „Urteil“ sei bereits Korrektur gelesen. Nach dem Freischießen heiße es, Korrekturen und neue Kapitel einzuarbeiten.

„Material und Anregungen sind willkommen“, ruft der Adorfer noch einmal auf. Er freut sich über jeden, der ihn anspricht oder sich unter Telefon 0170/3847897 oder E-Mail diemelsee-adorf@gmx.de meldet.

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