Beleidigung und Körperverletzung: Geldstrafe für 53-Jährigen

Drei Klagen in einem Jahr

Korbach - Gleich drei Klagen gegen einen 53-Jährigen aus Polen gingen beim Korbacher Amtsgericht zwischen August 2010 und Februar 2011 ein. Am Montag wurde der Mann wegen Beleidigung, Körperverletzung und übler Nachrede verurteilt.

Opfer oder Täter? Diese Frage stellte sich am Montagmittag dem Korbacher Amtsgericht. Ein 53-jähriger Korbacher saß auf der Anklagebank - gleich drei Klagen lagen gegen ihn vor. Der Sohn seiner Schwägerin hatte ihn bei der Polizei wegen Körperverletzung angezeigt, eine Dame berichtete, sie sei von dem Mann beim Spazierengehen wüst beschimpft worden und ein ehemaliger Richter am Korbacher Amtsgericht hatte den Mann wegen übler Nachrede angeklagt.

Zumindest in den ersten beiden Fällen sei aber eigentlich er das Opfer, berichtete der Angeklagte. Seit vielen Jahren gebe es zwischen ihm und der Familie seiner Frau, mit der er nicht mehr zusammenlebt, große Probleme. Die Familien leben im selben Haus. "Als der Junge meinen Balkon beschädigt hat, habe ich ihn aufgefordert, ihn zu reparieren", erzählte der Angeklagte, der sich selbst verteidigte. Im Hausflur sei es dann zu einer Rangelei gekommen, während der junge Mann handgreiflich geworden sei.

"Das war genau andersrum", betonte der Kläger im Zeugenstand. Der angeheiratete Onkel habe versucht, ihn zu schlagen und ihm schließlich eine Kopfnuss verpasst. "Ich habe mich noch nicht mal gewehrt", gab er an. Stattdessen ging er zur Polizei und meldete den Vorfall. "Die Verletzungen hat er sich selber zugefügt", warf ihm der Angeklagte vor. Das war im Februar 2011.

Streit beim Gassigehen

Zwei Wochen später erhielt die Polizei dann eine weitere Anzeige: Eine Korbacherin hatte sich beim Gassigehen mit ihrem Hund über die schnelle Fahrweise des Angeklagten aufgeregt. Der sei daraufhin aus seinem Auto gestiegen und habe sie mit verschiedenen, schlimmen Tiernamen betitelt, sagte die Frau im Zeugenstand.

"Seit fünf Jahren muss ich mich von dieser Frau, die keine Polen mag, beschimpfen lassen", beschwerte sich der Angeklagte, der in der gleichen Straße wie die Klägerin lebt und in Danzig geboren wurde. Immer wieder sei es bei Begegnungen zu rassistischen Bemerkungen gekommen. "An jenem Tag habe ich ihr gesagt, jede Kuh habe mehr Verstand als sie", gab er an, "ist das etwa eine Beleidigung?"

"Ja, das ist eine Beleidigung", befanden Richter und Staatsanwalt und beklagten die Aggressivität des Mannes auf der Anklagebank. "Das ist keine Aggressivität, das ist mein Temperament", erklärte der Angeklagte. Das half ihm nicht: In beiden Fällen glaubten Richter und Staatsanwalt den Klägern. "Sie müssen einfach versuchen, sich zu mäßigen", empfahl der Staatsanwalt. Und Richter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling befand: "Der Angeklagte ist nicht in der Lage, seine Impulse zu kontrollieren".

850 Euro Strafe

Die dritte Klage hatte besondere Brisanz: Die nämlich hatte ein ehemaliger Korbacher Richter eingereicht. In einem Brief habe der Angeklagte ihm Ausländerhass und nicht objektive Urteile vorgeworfen, erklärte der Richter im Zeugenstand. "In 37 Jahren Amtszeit habe ich nie geklagt", berichtete er, "aber hier ist eine Grenze erreicht". Diese schweren Vorwürfe könne er nicht einfach hinnehmen.

Die Worte seien im Stress geschrieben worden und weil er der Meinung sei, der Richter habe seinen Sohn ungerechtfertigt verurteilt, sagte der Angeklagte. "Aber wo ist hier der Strafbestand?", fragte er.

"Üble Nachrede", befand der Richter und rügte die fehlende Einsicht des Mannes. "Sie können nicht einfach Menschen beleidigen", erklärte Kalhöfer-Köchling und kam schließlich dem Antrag der Staatsanwaltschaft nach und verurteilte den Mann zu einer Geldstrafe von 850 Euro. (resa)

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