Korbach

Eckels wünschen gute Fahrt

+

- Korbach (jk). Zum Herbstmarkt am Wochenende können Besucher lebendige Schausteller-Historie greifen: Familie Eckel (Homberg/Efze) ist seit 125 Jahren mittendrin bei Korbachs Volksfesten.

„Ich bin schon als Kind sehr gerne nach Korbach gefahren und freue mich immer wieder drauf. Korbach hat einfach etwas, das kann ich gar nicht richtig beschreiben“, erzählt Heinz-Jürgen Eckel – und lässt der Seele einmal freien Lauf.Eckels historische Maschine verbindet Familien über Generationen. Oft stehen Großeltern mit ihren Enkeln am Karussell, halten mit Eckel ein Schwätzchen und schwelgen in eigenen Kindheitserinnerungen.

Höher, rasanter, lauter – das gehört zum turbulenten Spaß auf Volksfesten dazu. Aber bei Viehmärkten ist auch Platz für das Kontrastprogramm, vor allem für die Jüngsten. Sie genießen die Fahrten in Eckels Kinderkarussell. Tiere und zwei Flugzeuge sind handgefertigt aus Lindenholz, der Motor dreht sich sanft unter einem Baldachin aus bunten Tiermotiven. Eckels Großvater Georg hat das Karussell vor 86 Jahren in Thüringen bei der Firma Friedrich Heyn konstruieren lassen. Dazu kam eine Schießbude, mit der die Familie anno 1925 in Deutschland unterwegs war. Damals feierte die Schaustellerfamilie bereits 40-jähriges Bestehen, denn Firmengründer Georg Lorenz Eckel hatte 1885 den Grundstein gelegt.

Der gebürtige Spangenberger entstammte einer Offiziersfamilie und machte sich als junger Mann mit einem „Etagen-Prachtkarussell“ selbständig. Solche prunkvoll ornamentierten Kunstwerke über zwei oder drei Stockwerke mit Tier- und Phantasiefiguren ziehen bis heute die Blicke bei Märkten auf sich. Beim Münchener Oktoberfest etwa lockt ein dampfgetriebenes Prachtkarussell. Oft sind es aber Nachbauten. Georg Lorenz Eckel war mit seiner Attraktion für bis zu 140 Fahrgäste viele Jahre unterwegs. „Aber die Spuren des Karussells verlieren sich“, blickt Urenkel Heinz-Jürgen Eckel in die Familiengeschichte zurück

Aber fürs kommende Wochenende blickt Eckel mit Freude nach vorne, denn er macht ja wieder in Korbach Station. Den 2. Juni 1989 wird Eckel dabei nie vergessen: Seine jüngste Tochter Lisa-Marie kam just während des Kiliansmarkts zur Welt.Lisa-Marie und ihre größere Schwester Julia werden den 126 Jahre alten Traditionsbetrieb auch in Zukunft weiterführen, hofft Eckel. Aber wohl mehr im Nebenerwerb, denn Tochter Julia ist Bankkauffrau, und Lisa-Marie studiert in Kassel. Mit dem Herzen werden die Eckels dabei auch Korbach in Zukunft verbunden bleiben: „Die Stadt gibt sich unglaubliche Mühe, der Platz ist sauber, die Menschen sehr nett“, betont Eckel. Und ganz tief im Herzen wünschte er sich wohl den Trubel vergangener Volksfesttage zurück.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Mittwoch, 14. September

Kommentare