Vöhl

Auf Ederseetatort folgt Jugendbuch

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- Seine Wurzeln liegen in Schmittlotheim, längst hat sich Drehbuchautor Christian Jeltsch aber in der ganzen Republik einen Namen gemacht – zuletzt als Autor des Edersee-Tatorts. Jetzt präsentiert er mit „Abaton“ sein erstes Jugendbuch. Darüber sprach mit Christian Jeltsch WLZ-FZ-Redakteurin Theresa Demski.

Erst Drehbücher, jetzt ein Roman. Warum dieser Wechsel? Bietet ein Roman dem Autor am Ende mehr Freiheit? Mit der Freiheit beim Schreiben ist das so eine Sache. Natürlich kann ich in einem Roman neue Welten erschaffen und wieder einstürzen lassen, kann Monster oder Vampire oder Werwölfe in den Kampf schicken, kann nie gesehene Unwetter wüten lassen, ohne dass das alles auch nur einen Cent kostet. Das ist eine größere Freiheit als bei einem Drehbuch, bei dem die Produzenten sehr schnell alles auf das Bezahlbare zurechtstutzen. Da mich aber bei meinen Drehbüchern wie bei dem Roman vor allem die Charaktere interessieren, nähert sich das Ausmaß der „Freiheit“ in beiden Bereichen an. Denn gelungene, vielschichtige, anrührende Charaktere machen in den Geschichten im besten Fall das, was sie wollen. Ein guter Autor muss sich dann zurücknehmen und nur noch aufschreiben, was diese Personen, die er da entworfen hat, nun so treiben.

Linus, Edda und Simon entdecken in der Berliner Unterwelt mysteriöse Graffiti. Sie machen sich auf eine spannende Spurensuche und entdecken eine neue Realität. Warum haben Sie sich für die Lebenswelt der Jugendlichen entschieden? Es war keine „Entscheidung“. über Jugendliche zu erzählen. In den Gesprächen mit Olaf Kraemer waren Edda, Linus und Simon von Anfang an da. Sie haben uns „geholfen“, unseren Roman zu entwerfen. Durch ihre Augen haben wir geschaut. Deshalb gab es für uns auch beim Schreiben nie einen Gedanken, ob wir für Jugendliche oder Erwachsene schreiben. Eine Zielgruppe im Hinterkopf zu haben, hätte uns sicher nur eingeschränkt. Wir waren von Anfang an überzeugt, dass wir es mit „erwachsenen“ Lesern zu tun haben würden, ob sie nun 10, 14, 18 oder 99 sein würden. Wir wollten unsere Leser fordern mit unserer Geschichte.

Fantasy, Historie und dramatische Familiengeschichte: Viele Themen in einem Buch. Was nimmt der Leser denn im besten Fall nun mit aus den rund 400 Seiten? Bei „Fantasy“’ möchte ich gerne gleich widersprechen. Das ist eigentlich ein Begriff, der unserer Meinung nach für Abaton nicht gilt. Es war immer unser Anspruch, auf alle Zauberstäbe, Trolle, Werwölfe, Vampire und so weiter zu verzichten. Wir wollten unseren Lesern einen sehr heutigen Roman bieten. Eine Geschichte, die geerdet ist im Hier und Jetzt. Die von Familien erzählt, wie sie heute gang und gäbe sind. Die davon erzählt, dass Freundschaft ein Weg sein kann, Familie zu ersetzen. Vor allem dann, wenn sie als Familie nicht mehr funktioniert. Was vielleicht auf den ersten Blick das ‚Fantastische‘ an Abaton ist, entpuppt sich zum Ende der Geschichte als eine sehr realistische Entwicklung von Wissenschaft und Industrie. Und es basiert alles auf Recherchen, die wir für unseren Roman betrieben haben. Es ist erstaunlich, an welchen Projekten – auch moralisch fragwürdigen – die Wissenschaft inzwischen forscht. Da mussten wir gar nicht viel dazu erfinden.

Das komplette Interview lesen Sie in der WLZ-FZ vom Freitag, 18. November

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