Pfarrer Gisbert Wisse am Sonntag mit einem großen Festgottesdienst in St. Marien verabschiedet

"Ein Freund Gottes und des Lebens"

Korbach - Mit viel Lob, Anerkennung und Dank für sein segensreiches Wirken wurde Domkapitular Pfarrer Gisbert Wisse am Sonntag in der Marienkirche verabschiedet. Nach einem feierlichen Gottesdienst kamen die Menschen im Gemeindehaus zusammen, um ihm auch persönlich „Adieu“ zu sagen.

Der Abschied von Gisbert Wisse, der 25 Jahre lang in Korbach als Pfarrer der katholischen Gemeinde wirkte, bewegte am Sonntagnachmittag viele: Alle Plätze in der St.-Marien-Kirche waren zu seiner feierlichen Verabschiedung besetzt, zahlreiche Gäste mussten stehen, um den Festgottesdienst beiwohnen zu können. Neben Mitgliedern der Gemeinde waren auch Pfarrer aus angrenzenden Gemeinden und Pastoralverbünden erschienen, auch aus protestantischen Kirchen, Vertreter der Stadt, des Landkreises und seinen ehemaligen Wirkungsstätten. In all den 42 Jahren seines Dienstes sei es ihm wichtig gewesen, „als Priester im Dienst der Gemeinschaft“ unterwegs zu sein, bei Menschen zu Gast zu sein und sie zu Entscheidungen zu rufen, schaute Wisse in seiner Predigt zurück. Entschieden trat er auch am Sonntag auf und sprach sich, ganz seiner gelebten Überzeugung folgend, für ein ökumenisches Miteinander der Kirchen aus, für christliches Wirken aller im Geiste der Einfachheit und Bescheidenheit. „Jeder muss seinen Betrag leisten mit seinen eigenen Begabungen – nur gemeinsam können wir Christ sein“, nahm er jeden in die Verantwortung.

„Wir freuen uns, wenn wir einen Bischof in unseren Reihen finden, der nicht Herrscher, sondern Teil sein will“, erklärte er, „das Zeichen der Kirche ist heute nicht mehr der Elfenbeinturm, sondern das Zelt Gottes unter den Menschen, das heute hier und morgen dort aufgeschlagen werden muss“. Die Botschaft bleibe, betonte Wisse, doch Kirche werde sich mehr als zuvor vom Ballast der Jahrhunderte trennen müssen, um in Zukunft „zu Gast bei den Menschen zu sein als Gesandter des Herrn.“ Dabei lohne es sich, Priester zu sein, denn „Menschen warten unverändert auf das Wort, das Mut gibt zum Leben und zu einer Zukunft als Christ inmitten der Kirche“, betonte er. Er dankte allen, „die mich in besonderer Weise auf meinem Weg begleitet und mir gezeigt haben, dass mein Leben als Priester ein erfülltes Leben war und ist“, sprach er zu Familie, Freunden, Gemeinde und Weggefährten. Einen besonderen Dank richtet Wisse dabei an seine Pfarrhaushälterin Edeltraud Golenia, die 29 Jahre lang für ein gastliches Pfarrhaus gesorgt habe. Nach dem feierlichem Gottesdienst, den der Kirchenchor St. Marien, Dr. Eberhard Enß (Querflöte), Rainer Horn (Trompete) und Bernhard Uteschil (Orgel und Leitung) musikalisch würdig gestalteten, sammelten sich im Gemeindehaus viele Menschen, um sich persönlich von Gisbert Wisse zu verabschieden – darunter auch der evangelische Propst des Sprengels Hanau, Bernd Böttner, ehemals Dekan des Kirchenkreises Eisenberg. „Wir danken für das, was Du uns gebenen hast. Du bist ein prächtiger Mensch, wir werden Dich in Korbach sehr vermissen“, sagte Landrat Dr. Reinhard Kubat. Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich betonte, Gisbert Wisse sei den Menschen stets mit Respekt begegnet und habe immer das Verbindende im Blick gehabt. Er habe den Dialog gesucht und auch durch seine Herzlichkeit mitgeholfen, die Welt etwas menschlicher zu machen.

Dechant Bernd Conze dankte Gisbert Wisse im Namen aller Mitstreiter für sein Werk. Wisse sei den Menschen mit echtem Interesse begegnet und habe ihr Anderssein akzeptiert. Dekanin Eva Brinke-Kriebel und Pfarrer Markus Heßler betonten, Wisse habe stets dazu aufgerufen, keine Grenzen zu ziehen, sondern gemeinsam für die Menschen da zu sein, sie erinnerten daran, dass er den Ökumenischen Hospizverein mitgegründet, die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen begleitet und sich für Flüchtlinge starkgemacht habe. „Dein Wort hat Gewicht“, dankten sie für „die guten Jahre in der Ökumene“. „Du bist ein Freund Gottes und des Lebens“, lobte Pfarrer Heinz Lenze (Hagen) ebenso wie Pfarrer Peter Lochmann (SELK) und weitere Kollegen. Michael Fritsch und Karin Schmidt dankten Wisse im Namen der katholischen Kirchengemeinde St. Marien: „Er hat gearbeitet wie ein Omnibus – für alle“, schauten sie auf eine „bewegte Fahrt“ zurück. Herbert Schattel und Helga Eirund vom Kolpingverein ernannten Wisse zum Ehrenpräses des Kolpingvereins, auch die Messdiener und Vertreter aus Eppe und Hillershausen dankten Wisse und überreichten Geschenke. Als eine seiner letzten Amtshandlungen unterschrieb Domkapitular Pfarrer Gisbert Wisse einen Vertrag, mit dem er der St.-Marien-Kirche in Korbach ein wertvolles Kreuz aus dem Jahr 1750 als Dauerleihgabe sichert – und lud dann alle Gäste noch zum gemütlichen Beisammensein ein.

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