Durch das 250 Kilometer lange Kanalnetz fließen jährlich 1,4 Milliarden Liter Abwasser

Einblick in Korbachs Unterwelt

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Überwacht die Kanal-Dreharbeiten: Viktor Koller im Kontrollraum des QTV-Fahrzeugs.

Korbach - Viel Geld und noch mehr Wasser fließt, um das städtische Abwasserkanalnetz in Schuss zu halten. Dabei wird nach der Devise verfahren: „Erst spülen, dann (unter-) suchen“.

Vorsichtig rangiert Michael Rainer das städtische Kanalspülfahrzeug rückwärts vor einen Schachtdeckel in der Straße Am Buchenbaum. Nachdem sein Kollege Raphael Lehmann den runden Beton-Guss-Verschluss aufgehoben und den darunterliegenden Schmutzfänger entfernt hat, lassen sie den Spülschlauch hinab. Vom Wasserdruck getrieben (350 Liter pro Minute) arbeitet sich die Zugdüse bis zum 50 Meter entfernten, zweiten Revisionsschacht vor. Mit dem Hochdruck-Rückstoßstrahl wird der Spülgang erledigt.

250 Kilometer Kanalnetz

Das Abwasserkanalnetz der Stadt umfasst insgesamt rund 250 Kilometer. „Dies entspricht hintereinander in etwa der Luftlinien-Entfernung zwischen Korbach und Speyer in Rheinland-Pfalz“, erklärt Ronny Körner vom Stadtbauamt, Sachgebiet Entwicklung und Infrastruktur. Durch dieses Schmutz- und Mischwasser-Kanalnetz fließen jährlich rund 1,4 Milliarden Liter Abwasser. Das heißt: „Nach etwa sechseinhalb Jahren würde diese Abwassermenge den Twistesee bis zum Vollstau füllen“, rechnet Körner vor.

Damit in der Korbacher Unterwelt alles (ab-)fließt, sei permanent ein hoher personeller, technischer und finanzieller Aufwand erforderlich, erläutert Sachgebietsleiter Thorsten Peper. So wurden allein in den vergangenen Jahren mehr als 30 Millionen Euro in die Unterhaltung und Erneuerung des Kanalnetzes investiert. „Investitionen, die nicht nur dem Umweltschutz, sondern auch, nach den Überschwemmungen von 2006, dem Hochwasserschutz dienen“, betont er.

Jährlich rund 250 000 Euro gibt die Stadt für die Kanalunterhaltung aus. Für Kanalbau und -sanierung werden 2014 rund zwei Millionen Euro fällig. Zusätzlich baut die Stadt derzeit als Ergänzung zum Hochwasserschutz hinter dem Herkules-Supermarkt ein Regenüberlaufbecken für 2,5 Millionen Euro, weist Bauamtsleiter Stefan Bublak auf weitere Vorhaben hin. Alle zehn Jahre muss das komplette Kanalnetz mit Kameras erkundet werden, denn die Kernstadt und einige Ortsteile liegen in einer sensiblen Wasserschutzzone. Deshalb sind besondere Umweltschutzauflagen zu erfüllen.

Spezialfirma im Einsatz

Am Buchenbaum kommt die Technik der Korbacher Firma QTV zum Einsatz. Nachdem der Kanalabschnitt gespült ist, lässt Marcel Pohlmann, der seine Ausbildung zur Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice vor einigen Monaten begonnen hat, den zentnerschweren Kameraschlitten an einem Stahlseilzug hinab. Die Videobilder werden dann in den Kontrollraum des Spezialfahrzeugs übertragen, in dem Viktor Koller die Kanal-Dreharbeiten überwacht und dokumentiert. „Baumwurzeln, die an den Rohrverbindungen hindurch gewachsen sind, führen am häufigsten zu Schäden“, berichtet Peter Hunold-Pieper, Straßenbaumeister und Inhaber des 1998 gegründeten Unternehmens. Ist so ein Leck lokalisiert, kann es meist im sogenannten Inliner-Verfahren ver- schlossen werden. Viele Kilome-ter werden so ohne Behinderung für den Autofahrer und die Anlieger mit aufwändigem High- tech unter der Erde repariert.

Großes Lob zollt auch Bürgermeister Klaus Friedrich den Mitarbeitern für den Kanalbetrieb. Organisiert sind die Aufgaben Abwasserentsorgung, Hochwasserschutz und Abwasserreinigung im Bauamt in vier weiteren anhängigen Abwasserverbänden, in denen interkommunal zusammen gearbeitet wird. (tk)

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