Korbach: Alpentrio Tirol gibt Konzert in Nikolaikirche

Eindrucksvoller Abschied zum Advent

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- Korbach (ahi). „Für mich beginnt Weihnachten mit dem Konzert des Alpentrios Tirol.“ Mit diesem Kommentar eines Besuchers brachte Pfarrer Engemann die Gefühle der Konzertgemeinde in der voll besetzten Nikolaikirche auf den Punkt.

Allerdings war das Konzert am Sonntagabend die letzte Gelegenheit für die Menschen in Korbach, sich mit dem Weihnachtsoratorium der Volksmusik auf die Festtage einzustimmen. Denn die beliebte Volksmusikformation befindet sich auf Abschiedstournee, nahm sich aber zum Abschluss die Zeit für ein letztes Gruppenbild mit dem Fanclub aus Goddelsheim. „Es gibt Menschen, die treten in unser Leben und hinterlassen Spuren in unseren Herzen“, erklärte Fanclub-Vorsitzende Ute Kisela in ihrer Begrüßungsansprache, die zugleich eine Abschiedsrede war, da für Gründer Georg Astenwald nach Abschluss der Tournee wieder die Familie im Mittelpunkt stehen wird.

Sehr zum Leidwesen der Fans, aber doch auch ganz im Sinne der Botschaft, mit der das Alpentrio Tirol in vielen Liedern die Menschen glücklich gemacht hat: Neben dem Frieden mit Gott stehen die gemeinsame Feier und ein gutes Miteinander mit den Nächsten und Angehörigen im Mittelpunkt dieser musikalischen Verkündigung mit volkstümlichen Alpenklängen und tanzbaren Takten. So bestreitet das Alpentrio ­Tirol seine musikalische Reise zur Krippe bei „Gott grüß euch Leutl’n allesamt“ im vergleichsweise flotten Polka-Tempo und wiegt sich beim anschließenden „Des Kripperl hab’n wir aufgebaut“ im Walzertakt von Christoph Purstallers Akkor­deon.

Und auch die „Weihnacht in den Bergen“, mit der der zweite Teil beginnt, ist kein Steh­empfang, sondern ein flotter Fox und trotzdem kein Sakrileg. Für Johann Sebastian Bach war es seinerzeit guter Brauch, nicht nur Gemeindelieder, sondern auch weltliche und tanzbare Musik ins geistliche Werk zu übertragen. Auch sonst setzt „Weihnacht in den Bergen“ die große Tradition mit klassischen Meisterwerken und Gegenwartsnähe fort: In Franz Schuberts „Ave Maria“ etwa kreuzen sich Marienlob und Gegenwartskritik. Georg Astenwald singt dabei den liturgischen Text wie einen Refrain, während Mario Wolf die fundierte Kritik an den aktuellen Verhältnissen übernimmt.

Beim anschließenden „Panis Angelicus“ schließt sich für Gründer Georg Astenwald gewissermaßen ein Kreis: César Francks „Brot der Engel“ gehört zur musikalischen Grundration eines jeden Sängerknaben, und als solcher hat der Alpentrio-Gründer vor über 50 Jahren seine musikalische Laufbahn einst begonnen und zum Abschluss des ersten Teils trägt der das Meisterwerk der Romantik als Solist vor. Die stimmliche Hauptlast trägt traditionell Mario Wolf, der mit seinem Kollegen an den Tasten an einem neuen musikalischen Projekt arbeitet. Bei „Vor mir brauchst di net fürchten“ gestaltet der Tenor den Dialog zwischen Maria und dem Engel, der ihr die Geburt Jesu ankündigt. Mit dem segensreichen Wirken des Erlösers im anschließenden Kirchenlied „Maria durch ein Dornwald ging“ schließt sich gleich das nächste Kapitel Heilsgeschichte an.

Dank etlicher Ausflüge in die Alpen wird trotzdem kein Express nach Bethlehem aus dem Konzert, denn gerade die geistlichen Lieder mit alpenländischem Einschlag erweisen sich als Schmankerln. Etwa „Es wird scho glei dumpa“, eines der Wiegenlieder fürs Christkind, an dessen Krippe das Alpentrio auch den Andachtsjodler (Sterzinger Mettenjodler) intoniert. Beim Hirtenlied „Geh Hanserl pack dei Pinggerl zamm“ ist erstmals vom Den-Rucksack-Packen die Rede – die erste Ahnung vom Abschied im Advent. Für „Stille Nacht“ wäre es allerdings noch etwas zu früh, „Das singen wir erst an Heiligabend“, sagt Georg Astenwald, stimmt mit seiner Adventskonzertgemeinde „Großer Gott, wir loben dich“ an und alle steigen mit ein. Ein eindrucksvoller Abschied im Advent.

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