Zwei junge Flüchtlinge finden Arbeit und Ausbildungsstelle im Hotel zur Igelstadt in Fürstenberg

„Eine richtig gute Chance“

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Chefkoch Daniel Fein (Mitte) freut sich, Fateh Muhammad (l.) als Mitarbeiter und Grisila Ahmetaj als Koch-Azubi gewonnen zu haben. Beide sind Asylbewerber und sind froh über die Chance, arbeiten und lernen zu können. Foto: Marianne Dämmer

Lichtenfels-Fürstenberg - Für Asylsuchende ist nichts wertvoller, als anerkannt zu werden und einen Job zu finden. Doch auf beides müssen sie oft sehr lange warten. Die 20-jährige Grisilda Ahmetaj aus Albanien hat eines geschafft: eine Ausbildungsstelle als Köchin zu finden.

Zusammen mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester kam Grisilda Ahmetaj im Juli 2014 nach Deutschland. Nach einem Monat in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen fand die Familie aus Albanien Aufnahme in Fürstenberg. Neun Monate lebten sie im „Fürstenberger Hof“ von Daniel Fein, wo laut Genehmigung bis zu 51 Flüchtlinge und Asylbewerber unterkommen dürfen. Grisilda Ahmetaj nahm an den Sprachkursen teil, die in Fürstenberg angeboten wurden, und lernte in kurzer Zeit gut Deutsch.

Vor vier Wochen zog die Familie nach Korbach - dennoch bleibt die junge Frau für die kommenden drei Jahre mit Fürstenberg eng verbunden, denn sie hat das Angebot von Chefkoch Daniel Fein angenommen, in seinem Hotel „Zur Igelstadt“ eine Ausbildung als Köchin zu absolvieren. Für Grisilda Ahmetaj, die derzeit ein Orientierungspraktikum in dem Hotel macht und am 1. Juli ihre Ausbildung beginnt, ist das „eine richtig gute Chance“, sagt sie.

Und für ihren Chef Daniel Fein ist es ein Segen: „Wir suchen schon seit vier Jahren nach einer Auszubildenden, doch es ist sehr schwierig, jemanden für die Arbeit in so einem kleinen und abgelegenen Stadtteil zu gewinnen. Selbst Hotels in Willingen haben inzwischen Schwierigkeiten, Koch-Lehrlinge zu bekommen“, erklärt Fein. „Um so mehr freue ich mich, dass Grisilda, die unglaublich schnell Deutsch lernt und eine sehr gute Auffassungsgabe hat, das Angebot angenommen hat“, sagt der Fürstenberger. Die 20-jährige hat in Albanien ein Jahr Tourismus-Wirtschaft studiert, so dass die Ausbildung als Köchin ihr auf ihrem beruflichen Traumweg in die Tourismusbranche durchaus nützlich ist, sagt sie und lacht.

Bürokratische Hürden

Der bürokratische Aufwand, die Erlaubnis für die Ausbildung zu erhalten, war hoch - doch lange nicht so hoch wie der Aufwand, für einen Asylbewerber eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, erklärt Friedrich Weitekamp von der Hoteliersfamilie. Denn Daniel Fein hat nicht nur Grisilda Ahmetaj als Auszubildende gewonnen, sondern auch den 29-jährigen Flüchtling Fateh Muhammad als Mitarbeiter, der rund 20 Stunden pro Monat in der Küche hilft. Fateh Muhammad ist Flüchtling aus Pakistan und wohnt seit einigen Monaten ebenfalls im „Fürstenberger Hof“. Er hatte in seiner Heimat ein Kosmetik-Geschäft, in Fürstenberg spült er Teller. „Das ist okay“, sagt der 29-jährige, der seine Frau und seinen neun Monate alten Sohn in Pakistan zurücklassen musste. Er ist dankbar, dass er die Arbeit hat, die ihn wenigstens für ein paar Stunden aus dem täglichen Allerlei im Asylbewerberheim entfliehen lässt und ihm das Gefühl gibt, gebraucht zu werden, irgendetwas tun zu können.

„Bis er die Arbeitserlaubnis hatte, vergingen allerdings etliche Monate, das ganze Verfahren war umständlich, es gab lange Bearbeitungszeiten“, sagt Weitekamp, der bei den Anträgen half. Für ihn ist klar, dass die Verfahren schneller und einfacher werden müssen, damit beiden Seiten in Zukunft besser geholfen werden kann: den Asylbewerbern und Flüchtlingen, die arbeiten möchten, und den Betrieben, die zum Teil schon händeringend nach Auszubildenden und Fachkräften suchen, betont Weitekamp. Unterdessen hoffen Grisilda Ahmetaj und Fathe Muhammad, als Asylbewerber anerkannt zu werden und ihren Weg in Deutschland weitergehen zu können.

Von Marianne Dämmer

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