Projekt archive.org: So sahen Korbacher Webseiten zur Jahrtausendwende aus

Eine virtuelle Zeitreise durchs Internet

Korbach - Eine virtuelle Zeitreise zurück in die Anfänge des Internets in Korbach: Ein Blick ins Online-Archiv zeigt, wie stark sich die Internet-Auftritte von Unternehmen, Organisationen und der Stadt entwickelt haben.

Klotzige Grafiken, schlichte Farben und komplizierte Menüs: Das Internet in den späten Neunzigerjahren steckte noch in den Kinderschuhen, was Design und Programmiertechnik betrifft. Einen Blick zurück macht die Internetseite www.archive.org möglich, die selbst ernannte „Internet-Bibliothek“. Das „Internet Archive“ in San Francisco ist ein gemeinnütziges Projekt, das 1996 von Brewster Kahle gegründet wurde. Es hat sich die Langzeitarchivierung digitaler Daten in frei zugänglicher Form zur Aufgabe gemacht.

Zum Web-Archiv gehört die „Wayback Machine“, mit der man die gespeicherten Webseiten in verschiedenen Versionen auf einer Zeitleiste abrufen kann. Rund 150 Milliarden Seiten hat archive.org seit der Gründung gesichert. Die Webseite der Stadt Korbach haben die Netz-Archivare 142-mal in unregelmäßigen Abständen gespeichert, die älteste Version datiert vom 2. Februar 1998. Die aktuellste Neuigkeit damals: Der neue Abfallkalender liegt online vor.

Damals heißt der Bürgermeister noch Wolfgang Bonhage: Am 26. Mai 1997 hat die Stadt Korbach die Seite www.korbach.de offiziell freigegeben. Touristen können sich mit einem Stadtporträt, einem Abriss der Geschichte, Informationen zur Verkehrslage und einer Liste mit Hotels schon mal auf ihren Aufenthalt in Korbach vorbereiten. Zum Service gehört schon ein Veranstaltungskalender. Die Rubrik „Wirtschaft“ beschränkt sich auf einen kurzen tabellarischen Überblick über die Unternehmen in der Stadt. Für die Bürger gibt es Informationen über die Stadtverordnetenversammlung oder die Öffnungszeiten der Stadtbücherei. Schon 1999 präsentiert sich Korbach wesentlich bunter und informativer im weltweiten Netz.

Der Internet-Auftritt des Landkreises Waldeck-Frankenberg wird zum ersten Mal am 14. April 2000 gespeichert und wirbt mit dem Slogan „Mit Schwung, mit Kraft ins neue Jahrtausend“. Die Kreisverwaltung informiert über eine Stellungsnahme des damalige Landrats Helmut Eichenlaub. Dieser wehrt sich gegen Vorwürfe des Mauser-Betriebsrats, er habe sich bislang nicht um die Zukunft des Werks und der Beschäftigen gekümmert.

Die Top-Nachricht auf der Seite der WLZ-FZ vom 18. Oktober 2000: Fritzlarer Schüler finden bei einer Wanderung im Wald bei Züschen eine Leiche.

Ganz ohne Probleme ist auch das Internet-Archiv nicht: Zum einen wird nicht alles gesichert, beispielsweise werden Bilder von Internetseiten häufig nicht gespeichert. Zum anderen bleiben auch Inhalte erhalten, die die Autoren nicht mehr vertreten. Auch rechtswidrige Inhalte, etwa üble Nachreden, bleiben über Jahre öffentlich zugänglich.

Kommentare