Jana Freund aus Nieder-Ense will nach Rückkehr aus Ghana eine Spendenaktion ins Leben rufen

Einen Anbau für die Schule in Ghana

Korbach / Teiman. - Drei Monate lang hat Jana Freund aus Nieder-Ense als Freiwillige in Ghana verbracht. Mit vielen Eindrücken und Erinnerungen im Gepäck kehrte sie zurück - und mit Mitgefühl. Und deswegen will sie eine Spendenaktion ins Leben rufen.

Manchmal wenn Jana Freund zu Hause in Nieder-Ense im Gartenstuhl sitzt, dann denkt sie an die Kinder. An Kwaku und Emilia. Und dann fehlt ihr Ghana. Drei Monate lang hat die 20-Jährige das Leben und Lernen der Kinder in Ghana begleitet. Und auch nach ihrer Rückkehr lassen sie die vielen Erinnerungen und Begegnungen nicht los. Deswegen will sie helfen und eine Spendenaktion ins Leben rufen, mit der ihren Kindern in Ghana geholfen werden kann.

Ihre Geschichte mit Afrika begann vor langer Zeit. „Ich wollte schon immer nach Afrika“, erzählt die 20-Jährige. Zeit, um sich diesen Traum zu erfüllen, hatte sie aber nie. Erst nach dem Abitur erinnerte sie sich und nahm die Dinge in die Hand.

Sie stieß auf die Organisation „TANF“ - das ist die Abkürzung für „The Anidaso Nsae Foundation“. Auf Deutsch heißt die Stiftung „Die Hoffnung endet nie“. Hier fühlte sich die Korbacherin gut aufgehoben. Auf der Suche nach einem Ziel in den vielen Ländern Afrikas stieß sie dann auf Ghana. „Dort ist es noch verhältnismäßig sicher und die Menschen sprechen Englisch“, erzählt sie. Mit ein bisschen gespartem Geld, der Stiftung im Rücken startete sie ihren Freiwilligendienst in Ghana.

Ihr wurde eine Stelle in einer kleinen Schule in dem Ort Teiman in der Nähe von Accra zugewiesen. Eine Gastfamilie mit fünf Gastgeschwistern nahm sie auf. Der Gastvater war gleichzeitig der Schuldirektor ihrer Schule. Drei Monate sollte die junge Deutsche dort in ganz verschiedenen Klassen unterrichten. „Das war nicht einfach, denn ich wusste nicht, auf welchem Kenntnisstand die Kinder waren“, berichtet die Abiturientin.

Mathematik, Deutsch und Englisch sollte sie den Kindern beibringen. „Der Unterricht für vier verschiedene Klassen fand in nur einem Raum statt“, erzählt Jana Freund, „und die Klassen waren nur behelfsmäßig voneinander getrennt.“ Schnell schlossen die Kinder ihre neue Lehrerin ins Herz. „Am Anfang hatten die kleinen Kinder wegen meiner weißen Hautfarbe Angst vor mir“, sagt sie. Aber die verflog schnell. Liebevoll nannten sie die Besucherin aus Deutschland „Efia“ - das bedeutet „Freitag“ und ist der Wochentag, an dem Jana Freund geboren wurde.

Neben der Schule engagierte sich Jana Freund auch im Gesundheitszentrum, das ebenfalls von TANF gefördert wurde. Einmal im Monat traf sie die jungen Mütter mit ihren Neugeborenen im Gesundheitszentrum, um die Kinder zu wiegen und damit die Ärzte notwendige Impfungen durchführten.

„Die Dankbarkeit und die Freude über kleinen, für uns selbstverständlichen Dinge hat mich sehr beeindruckt“, erzählt Jana Freund. Einmal brachte sie den Kindern in der Schule Buntstifte, Kugelschreiber und Luftballons mit. Aus den Luftballons wurden kurzerhand, mithilfe von Papier und Tesafilm, täuschend echt aussehende und funktionsfähige Fußbälle. „Mit den Buntstiften haben die Kinder Tage lang gemalt und sich gefreut, als wären Geburtstag und Weihnachten auf einen Tag gefallen“, erzählt sie.

Unterstützung der Gemeinde

Die Schule, in der Jana tätig war, die Wisdom Academy, hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch den Kindern eine Schulbildung zu bieten, denen aus finanziellen Gründen der Schulbesuch verwehrt bleiben würde. Zu diesen Kindern gehörten Kwaku und Emilia, die der Korbacherin schnell ans Herz wuchsen.

Um die nötigen Kosten für deren Einschulung und Gesundheitsvorsorge zu decken, brachte sie über eine Spendenplattform schnell 700 Euro zusammen. Das genügte der jungen Korbacherin nicht: Mit weiteren gespendeten 100 Euro schenkte sie den Kindern in der Schule Stifte und Schreibutensilien und kaufte neun Schuluniformen. Mit wenig Geld könne so viel erreicht werden. „Es ist unfassbar, dass die Hälfte der Ghanaer dort mit weniger als einem US-Dollar pro Tag leben müssen“, erzählt Jana Freund. Selbst die relativ geringe Miete, die die Nieder-Enserin der Gastfamilie für ihr Zimmer zahlte, habe die wirtschaftliche Situation der Familie erheblich verbessert.

Und weil Jana Freund gesehen hat, was mit dem finanziellen Engagement geschafft werden konnte, will sie weitermachen. Bei einem Besuch ihres Bruders, der Architekt ist, in Ghana entstanden Pläne, um einen kleinen Anbau an die Schule zu setzen. Außerdem brauche die Einrichtung auch Geld, um die laufenden Kosten zu tragen.

Dabei möchte Jana Freund helfen und hat eine Spendenaktion ins Leben gerufen. „Unterstützung bekomme ich dabei von unserer Gemeinde in Nieder-Ense“, freut sich die Schülerin, „so können auch Spendenbescheinigungen ausgestellt werden.“ Das komplette Spendengeld soll der Schule in Teiman zugute kommen. Interessierte können sich an Pfarrer Burkhard Uffelmann unter Telefon 05631/2718 oder Eckhard Freund unter Telefon 05631/4162 wenden.(lf)

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