Bundesverdienstkreuz am Bande für Karl-Heinz Keudel:

„Einfach ein hervorragender Zeitgenosse“

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Für sein großes ehrenamtliches soziales Engagement erhielt Karl-Heinz Keudel das Bundesverdienstkreuz am Bande. Große Anerkennung gab es ebenso für Ulrike Keudel. Im Namen des Bundespräsidenten überreichte der hessische Europastaatssekretär Mark Weinmeister (l.) die Auszeichnung, zu der auch Bürgermeister Klaus Friedrich (r.) gratulierte.

Korbach - Karl-Heinz Keudel ist mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden. Der hessische Europastaatssekretär Mark Weinmeister überreichte die hohe Auszeichnung im Korbacher Rathaus.

Das Resümee hätte auch von Mark Twain stammen können: „Bitte berücksichtigen Sie immer: Sie haben alle etwas zu dick aufgetragen“, meinte Karl-Heinz Keudel (75) schmunzelnd, nachdem die Laudatoren ihn im Rathaus der Hansestadt gerühmt hatten. Doch das sah die Gästeschar ganz anders und spendete reichlich Beifall - herzlich und voller Respekt zugleich.

Keudel ist Gründungsmitglied des Rotary-Clubs Korbach-Bad Arolsen. So waren die Rotarier stark vertreten, um ihren Freund zu ehren. Doch die erste Reihe bei der Feierstunde im Rathaus war naturgemäß für Keudels Familie reserviert - seine Frau Ulrike, die drei Söhne, die Schwiegertöchter und Enkelkinder. Wer Keudels kennt, der weiß genau: Die Familie spielt hier stets die erste Geige.

Die Enkelkinder Elena und Philipp nahmen das gleich wörtlich und eröffneten den festlichen Reigen für ihren Großvater mit musikalischen Stücken auf der Violine.

Damit retteten sie auch ein wenig den sehnlichst erwarteten Europastaatssekretär, denn Mark Weinmeister steckte vor Pfingsten im Feiertagsstau zwischen Eschwege und Korbach - und kam eine geschlagene Stunde zu spät, um Keudel mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande auszuzeichnen. Aber vielleicht gehören solche Unwägbarkeiten auch dazu an besonderen Tagen, damit sie besser im Gedächtnis haften.

Glocke zu verzollen

So war es auch in den 1990er-Jahren, als Keudel mit seiner Frau und rotarischen Freunden morgens mit Auto und Anhänger an die polnisch-russische Grenze kam - und eine Kirchenglocke ins nördliche Ostpreußen nach Heinrichswalde einführen wollte. Die Spender aus dem Waldecker Land warteten bis in die Nacht, als eine Zöllnerin befand, eine solch bedeutende Ware, die in keinem russischen Zollverzeichnis stand, könne wohl nur von der oberen Zollverwaltung in Tilsit taxiert werden. „Unterwegs nach Tilsit kamen wir über Heinrichswalde und haben dort die Glocke irgendwie verloren“, schilderte Keudel an seinem gestrigen Ehrentage augenzwinkernd. Zumal ein ähnlicher Coup damals einen deutschen Pfarrer direkt für ein paar Wochen ins russische Gefängnis führte.

Hilfe für Menschen im ehemals deutschen Gebiet um Kaliningrad (Königsberg) ist indes nur ein Mosaikstein in Keudels Einsatz für soziale Zwecke. Der frühere Leiter der Alten Landesschule erhielt 1975 über den Rotary-Club einen Hilfsaufruf des Vereins „Friedlandhilfe“. Es ging um Aufnahme und Eingliederung von Aussiedlern nach Deutschland. Keudel reagierte prompt, organisierte mit dem Rotary-Club fortan unzählige Aktionen, um Geld- und Sachspenden für die Menschen im Grenzdurchgangslager nahe Göttingen zu sammeln.

Der Rotary-Club packte immer wieder Tausende von Kulturbeuteln, lieferte Kleidung und Kinderwagen, um die Menschen bei ihrer Ankunft weit weg von der Heimat zu unterstützen. Um Spenden zu sammeln, rief der Rotary-Club ab 1979 hochrangige Konzerte ins Leben, die unter Regie der Stadt seit 1987 bis heute weitergeführt wurden - die Korbach-Konzerte.

Kirche und Kiliansorgel

Nach dem Mauerfall im November 1989 richtete sich der Blick des Rotary-Clubs zugleich auf Korbachs Partnerstadt Waltershausen und Friedrichroda in Thüringen, wo die Rotarier Altenheime unterstützten. Immer vorne dabei: Karl-Heinz Keudel.

Das galt auch für den Kirchbauverein Markuskirche, mit dem Keudel als Vorsitzender 1980 auf den Plan trat. Zehn Jahre lang sammelte der Verein, bis 1990 das Ziel erreicht war im Wohngebiet am Waldecker Berg. Ebenso wirkte Keudel seit 2006 im Vorstand des Fördervereins für die neue Kiliansorgel mit. Und seit 2005 ist der frühere Oberstudiendirektor der ALS auch Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Alten Landesschule.

Herausragend blieb für Keudel unterdessen stets das Engagement für die Friedlandhilfe. Schon 1975 wurde er Vereinsmitglied, kam 1981 in den Vorstand, wurde 1991 stellvertretender Vorsitzender - und übernahm im Oktober 2000 als Vorsitzender die Regie. Der Verein hat deutschlandweit großes Gewicht, und dazu gehört auch ein enges Netzwerk bis hinein in die Verwaltung der Bundesregierung, um sich für Integration und Familienzusammenführung von Spätaussiedlern einzusetzen.

„Wir freuen uns, dass es Menschen gibt, die bereit sind, sich für andere einzusetzen. Das hält die Gesellschaft zusammen“, betonte Staatssekretär Weinmeister bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Gebildet, charakterstark, ausgeprägter Gerechtigkeitssinn - diese Attribute hob Bürgermeister Klaus Friedrich hervor: „KarlHeinz Keudel ist einfach ein hervorragender Zeitgenosse.“ Und für Dr. Wolfgang Jäger, Präsident des Rotary-Clubs Korbach-Bad Arolsen, war es „eine ganz besondere Ehre, dass ein Mitglied der ersten Stunde diese hohe Auszeichnung erhält“. Große Anerkennung galt dabei gleichermaßen Ulrike Keudel, die sich ebenso seit Jahrzehnten sozial engagiert.

Keudel war sichtlich gerührt, dankte vor allem seiner Familie und seinen Freunden im Rotary-Club: „Ohne sie wäre all das nicht möglich gewesen.“ (jk)

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