Margit Voigtländer und Ayman Al-Homssi unterstützen Flüchtlinge

„Einfach hingehen, klingeln und helfen“

Korbach-Meineringhausen - Mehr als 50 Flüchtlinge leben in Korbach inklusive Ortsteilen – und sind ohne Sprachkenntnisse oft auf sich allein gestellt. Margit Voigtländer und Ayman Al-Homssi haben ihre Scheu überwunden, Kontakt gesucht – und helfen Flüchtlingen in der Nachbarschaft.

Einige Wochen vor Weihnachten zogen zwei Familien aus Syrien in die Straße von Margit Voigtländer in Meineringhausen. Als sie das mitbekommen hatte, fragte sie sich immer wieder, wie es ihnen wohl ergeht, ob sie etwas brauchen – in dem für sie fremden Land. „Nach zwei Wochen fasste ich mir ein Herz, machte einen Korb mit Obst zurecht, ging zusammen mit meiner Tochter zum Haus der Flüchtlinge und klingelte einfach“, sagt die 57-Jährige. „Wir wussten wirklich nicht, was uns erwartet – dann ging die Tür auf und wir wurden herzlich empfangen“, erinnert sie sich. Mit „Händen und Füßen“ verständigten sie sich, denn die Familien sprechen nur Arabisch. „So erfuhren wir zunächst leider nicht, was sie brauchen“, sagt Margit Voigtländer. Sie gab nicht auf. Über das Netzwerk für Toleranz des Landkreises Waldeck-Frankenberg bekam sie Kontakt zu Ayman Al-Homssi aus Höringhausen. Der gebürtige Syrer, der seit 1971 in Deutschland lebt, hatte sich dem Netzwerk als Übersetzer zur Verfügung gestellt – und ist seitdem ein sehr gefragter Mann. Ein gemeinsamer Besuch bei den beiden eng verwandten Familien in Meineringhausen brachte alle weiter und es folgten viele weitere Besuche und Telefonate. „Anfangs telefonierten wir fast täglich, weil so viele Fragen zu klären waren“, erklärt Ayman Al-Homssi.„Manchmal sind es ganz alltägliche Dinge, bei denen ein wenig Hilfe das Leben der Flüchtlinge erleichtern kann“, sagt Margit Voitgländer. Da werde vielleicht Kleidung oder Küchengeschirr benötigt oder auch mal Hilfe beim Einkauf; schließlich könnten viele Flüchtlinge sich aufgrund fehlender Sprachkenntnisse oft nur anhand der Bilder auf den Packungen orientieren. Besonders wichtig werde die Unterstützung aber, wenn es um das Ausfüllen von Anträgen und Formularen geht, Behörden- oder Arzttermine anstehen.

„Es kam schon vor, dass Termine nicht eingehalten wurden, weil niemand das Schreiben verstanden hatte“, sagt Margit Voigtländer, dass regelmäßiger Kontakt für die Familien wichtig sei, bis sie besser Deutsch sprechen würden. Da die Frau einer der Familien ein Kind erwartet, begleitet Ayman Al-Homssis Frau Faten sie regelmäßig zum Gynäkologen, Margit Voigtländer stellte für sie einen Antrag für eine Babyausstattung, fand eine preiswerte, half beim Transport. „Die Familien würden das nie fordern, sind höflich und für die Unterstützung sehr dankbar. Manchmal bringen sie uns als Dank köstliches Essen zum Probieren vorbei und wenn es mit der Verständigung besser klappt, werden wir mal gemeinsam kochen“, sagt die Meineringhäuserin. Ayman Al-Homssi ist als ehrenamtlicher Übersetzer seit einigen Monaten fast täglich gefragt. Er betreut mehrere Familien und junge Männer, aus Syrien und dem Irak, hilft auch ihnen beim Gang zur Behörde und allem, was ansteht. „Es gibt Tage, da steht das Telefon nicht still“, sagt der 66-jährige mit einem Lachen. „Ich bekomme Anrufe aus der Arztpraxis oder dem Kindergarten, um zu übersetzen, was gerade geklärt werden muss“, sagt der 66-Jährige. Voigtländer und Al-Homssi hoffen, dass sich mehr Bürger finden, die eine Art Patenschaft für Flüchtlinge übernehmen. Viele der Asylsuchenden seien einsam, sagt Al-Homssi. „Und wenn man dann hört, was sie alles mitgemacht haben, bis sie in Deutschland ankommen – es ist grausam“, sagt Margit Voigtländer: „Es ist daher gut, die eigene Scheu zu überwinden – einfach hingehen, klingeln und helfen, wenn das gewünscht ist.“ Beide sind engagiert beim Bürgerbündnis für ein tolerantes und weltoffenes Korbach, das Anette Pries und Dr. Peter Koswig unlängst ins Leben gerufen haben. Ein Ziel des Bündnisses ist es, das Angebot an Sprachkursen und Sprachpatenschaften zu verbessern, außerdem wird geprüft, ob ein „Integrations-Café“ in den Räumen des Restaurants der Delta-Beschäftigungsgesellschaft in der Flechtdorfer Straße eingerichtet werden kann. Am kommenden Mittwoch, 25. März, lädt die Stadt Korbach im Bürgerhaus zu einem Treffen, bei dem erstmals Hilfesuchende und Helfer zusammenkommen können, um Kontakte zu knüpfen. Das Treffen in lockerem Rahmen findet um 15.30 Uhr statt – Flüchtlinge und alle Bürger, die helfen möchten, sind willkommen.Für Margit Voigtländer und Ayman Al-Homssi steht fest: „Solange wir helfen können, tun wir‘s.“

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