Entlassungsfeier an der Alten Landesschule: 100 Abiturienten bekommen ihre Zeugnisse

24 Mal die Eins vor dem Komma

+

Korbach - Der kleinste Abitur-Jahrgang seit 2008 und gleichzeitig der mit den besten Noten: 100 Schüler der Alten Landesschule haben am Freitag bei der Entlassungsfeier ihre Zeugnisse bekommen – bei 24 von ihnen steht darin eine Eins vor dem Komma.

Wie Stars durften sie sich beim Einmarsch fühlen: Begleitet von Musik sowie vom Applaus der Eltern, Geschwister, Freunde, Lehrer und Ehemaligen zogen die Abiturienten in die Kreissporthalle ein. Beifall gab es aber auch für diejenigen, die ihr Abitur schon seit 25, 40, 50 und sogar 60 Jahren in der Tasche haben. Renate Lenz, stellvertretende Vorsitzende des Ehemaligenvereins, begrüßte 73 Jubilare. „Die Ehemaligen haben ihre Alte Landesschule nicht aus den Augen verloren“, sagte sie.

„Haltet an euren Träumen fest und werdet keine Spießer“

Den Bogen von 1955 zu heute schlug Schulleiter Robert Gassner: Vor 60 Jahren hätten sich 42 Abiturienten zum Abitur gemeldet: „Ein hoher Anteil dieser Schüler stammte nicht aus Korbach und Umgebung, sondern aus ausgebombten Großstädten, oder sie waren Flüchtlinge aus dem Osten.“ Heute seien die Startbedingungen für die Schüler anders. „Ich wünsche euch jedenfalls von Herzen, dass eure Berufswahl gut gelingt, dass ihr an euren Träumen festhaltet und keine Spießer werdet“, sagte Gassner in Anspielung auf den Text des Jahrgangsliedes „Wenn ich einmal groß bin“ vom Berliner Duo SDP.

Landrat Dr. Reinhard Kubat äußerte den Wunsch, dass viele der Abiturienten nach einem Studium oder einer Ausbildung wieder in den Landkreis zurückkehren: „Sie sind die wichtigen Menschen, die wir alle für unsere Zukunft brauchen.“ Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich rief den Abiturienten zu: „Ihr habt es geschafft!“

Deutschlehrerin Kerstin Uffelmann griff in der Lehrerrede die Frage auf, ob Gedichtanalyse zur Alltagstauglichkeit beitrage. Ein Gedicht analysieren zu können, bedinge jedenfalls, genau hinzuschauen und sich nicht vorschnell ein Urteil zu bilden. Gedichte sorgten außerdem für Entschleunigung und seien eine „Sehschule für all das Schöne, das das Leben zu bieten hat“, so Uffelmann. Stellvertretend für die Eltern der Abiturienten sprach Helmut Wolf: „Die Karten werden neu gemischt und neue Wege tun sich auf“, sagte er. Den Schülern gab er mit auf den Weg: „Habt keine Angst, Fehler zu machen, und Mut, Neues zu wagen.“ Launig blickten Jannik Günther und Marek Trapp auf die Jahre an der ALS zurück.

Neben den Zeugnissen wurden auch Ehrungen und Auszeichnungen für besondere Leistungen verteilt. Heinrich Göbel überreichte den mit 500 Euro dotierten Abiturpreis des Rotary-Clubs Korbach-Bad Arolsen jeweils an Carla Friedewald und Hanna Ueberson. Außerdem zeichnete er als Vertreter der Dr.-Marschner-Stiftung Lennart Jahn, Carl von Randow und Jana Fischer für besondere naturwissenschaftliche Leistungen aus.

Als beste Naturwissenschaftler ausgezeichnet wurden Jana Fischer, Lukas Lange, Markus Wilke, Carl Clemens von Randow, Louis Luther, Lennart Jahn und Rieke Wolf. Im gesellschaftswissenschaftlichen Bereich und im Sport gab es Auszeichnungen für Carla Friedewald, Marius Querl, Timon Schmidt, Leonie Spreckelsen, Nele Friedrich, Isabell Menzel, Jannik Günther, Aline Fischer, Josefine Schulze, Eyck Schwechel und Annalena Zölzer. Weitere Ehrungen gab es für Schüler, die sich besonders für die Schulgemeinde eingesetzt haben. Bürgermeister Klaus Friedrich übergab außerdem den Jubiläumspreis der Stadt Korbach an die Zehntklässlerin Henrike Kessler. Buchpreise stifteten der Förder- und der Ehemaligenverein.

Einen Pokal mit der Aufschrift „Mister Abitur von 1991 bis 2015“ überreichte Gassner an Studienleiter Ulrich Handt. Er habe wieder in gewohnt perfekter Weise das „Großprojekt Abitur“ abgewickelt, sagte der Schulleiter. Für Handt war es die letzte Abiturienten-Verabschiedung: Er geht zum Ende des Schuljahres in Pension.

Stolz und bewegt nahmen schließlich die Abiturienten des Korbacher Gymnasiums ihre Abiturzeugnisse aus den Händen von Schulleiter Robert Gassner und ihren Tutoren in Empfang. Zu den Klängen des Jahrgangslieds verabschiedeten sich die Schüler.

Auch musikalisch hatte die Entlassungsfeier viel zu bieten. Das Streicherensemble der Schule war mit dem Tango „Oblivion“ von Astor Piazolla und „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana zu hören, die Rock-AG mit „Somewhere Only We Know“, gesungen von Vanessa Vesper und Vanessa Stallmann. Virtuos begeisterte die Abiturientin Leah Marie Hann (Violine) mit der Caprice Nr. 20 von Teufelsgeiger Paganini.

Kommentare