Weidemann entwickelt akkubetriebenen Prototyp: eHoftrac soll spätestens November 2014 serienreif sei

Elektro-Radlader soll Ställe erobern

Diemelsee - Flechtdorf - Neue Modelle, neuer Vertrieb und der erste voll elektrisch angetriebene Radlader: Weidemann hofft, mit Innovationen auch 2014 die Auftragsbücher voll zu bekommen.

Schon in diesem Jahr hat der Flechtdorfer Radlader-Hersteller Weidemann seinen Vertrieb in Deutschland neu strukturiert: Während früher Handelsvertreter zwischen Händlern und Werk agierten, setzt das Unternehmen seit Juli auf eigene Gebietsvertreter. „Ziel ist, näher am Markt zu sein“, erklärt der kaufmännische Geschäftsführer Bernd Apfelbeck. Die erste Bilanz nach fast einem halben Jahr fällt positiv aus: Die Auftragseingänge seien gegenüber dem Vorjahr bislang um rund 20 Prozent gestiegen, resümiert Apfelbeck: „Die neue Struktur ist erfolgreich, wir haben die Marktdurchdringung optimiert.“ Die hauseigenen Gebietsvertreter betreuen ein flächendeckendes Netz mit 130 Fachhändlern.

Insgesamt setzt Weidemann auf eine wachsende Investitionsbereitschaft der Landwirte. Ein positives Signal für die Branche sei von der Agritechnica Anfang November in Hannover ausgegangen, so Apfelbeck. Die weltgrößte Landtechnik-Messe, bei der auch Weidemann mit neuen Modellen vertreten war, habe in diesem Jahr mit rund 450 000 Besuchern einen Rekord verzeichnet. Dabei sei die Mehrzahl der Landwirte mit konkreten Investitionsplänen nach Hannover gekommen.

Umsatzplus im Konzern

Schon das Jahr 2012 sorgte für volle Auftragsbücher bei Weidemann: Konzernweit stieg der Umsatz mit landwirtschaftlichen Maschinen bei Wacker Neuson, zu dem das Flechtdorfer Unternehmen seit 2005 gehört, im vergangenen Jahr um 4,3 Prozent auf 165,4 Millionen Euro (2011: 158,6 Millionen Euro). Genaue Umsatzzahlen für die 100-prozentige Tochter Weidemann legt der Konzern allerdings nicht vor.

Mit neuen Modellen und einigen technischen Verbesserungen will das Unternehmen 2014 auf dem Markt punkten. Speziell für die Arbeit mit Radladern in Gebäuden mit niedriger Einfahrtshöhe stellt Weidemann eine neue größere Kabine für die niedrig gebauten LP-Modelle vor, die dem Fahrer mehr Komfort und Freiraum bieten soll.

Eine neue Rad- und Teleskop­lader-Modellreihe für größere landwirtschaftliche Betriebe wird mit Motoren ausgestattet, die die neue Abgasnorm IIIB erfüllen. Gleichzeitig sollen die Maschinen laut Hersteller rund fünf Prozent weniger Sprit verbrauchen. Zwei neue kleinere Teleskoplader-Modelle richten sich an die Land- und Pferdewirtschaft.

Akku statt Diesel

Völlig neue Wege beschreitet Weidemann mit dem „eHoftrac“: Den Prototyp des ersten voll elektrischen Laders stellte das Unternehmen auf der Agritechnica vor. Eine Ladung des auswechselbaren Blei-Akkus reicht derzeit für zwei bis vier Arbeitsstunden. Die Ladezeit wird mit sechs bis acht Stunden angegeben. Die Leistung des Akkus werde aber noch optimiert, sagt Apfelbeck. Der in Zusammenarbeit mit dem Stapler-Hersteller Linde entwickelte Lader solle spätestens im November 2014 serienreif sein.

Fahren mit Sonnenstrom

Die Resonanz auf das emissionsfreie Fahrzeug sei bislang äußerst positiv, so der Geschäftsführer: Pferdebetriebe, Landwirte, aber auch Bergbaubetriebe hätten bereits Interesse signalisiert. „Der Akkuantrieb verbannt die Abgasproblematik komplett aus dem Stall und reduziert die Lärmbelästigung für den Fahrer, die Tiere und in engen Ortslagen auch für die Nachbarn weitgehend“, sagt Apfelbeck. Besonders interessant sei der eHoftrac für Betriebe, die mit einer Photovoltaikanlage Eigenstrom erzeugten.

70 000 Lader hergestellt

Weidemann fertigt seit mehr als 40 Jahren Hoftracs, Rad- und Teleskoplader für die Landwirtschaft. Neben Landwirten sind auch Kommunen, Gärtnereien und Baumschulen Zielgruppe. Seit Produktionsbeginn sind nach Angaben des Unternehmens in den Stammwerken in Flechtdorf und Korbach mehr als 70 000 Lader produziert worden.

Zahlen Und Fakten

Name: Weidemann GmbH

Branche: Land- und Baumaschinen Gründung 1960 durch Oswald Weidemann

Geschäftsführer: Bernd Apfelbeck und Hans-Heinrich Schmidt

Inhaber: 100-prozentige Tochter von Wacker Neuson SE (München)

Mitarbeiter: 350 (davon 50 Zeitarbeitskräfte und 20 Auszubildende)

Marktposition: Marktführer in Zentraleuropa bei knickgelenkten Radladern

Kontakt: Mühlhäuser Weg 45–49, 34519 Diemelsee-Flechtdorf, Telefon 05633/609-222, E-Mail: info@weidemann.de, Internet: www.weidemann.de

Kommentare