Korbach

Zu Fuß bis an das „Ende der Welt“

- Korbach (lb). Sie waren dann mal weg: Manuela und Jessica Swiercz aus Korbach sind den Jakobsweg gegangen und haben sich dabei noch einmal neu kennengelernt.

Laufen, laufen, laufen. Und das 26 Tage lang. Schritt für Schritt, 512 Kilometer weit. Die Landschaft ist karg, die Wege staubig, die Sonne brennt. Neun Kilo hat die Mutter auf dem Rücken, sechs Kilo die Tochter. „Nur das Nötigste“, dachten sie beim Packen, „viel zu viel“, denken sie jetzt. Schweigend laufen sie nebeneinander her, manchmal reden sie, belangloses Zeug. Für Manuela Swiercz ist es der zweite Anlauf auf dem Jakobsweg. Ein Jahr zuvor war die Korbacher Krankenschwester gescheitert – an sich selbst: „Ich hatte mich unter Druck gesetzt und mir immer wieder gesagt: Das willst du schaffen, das musst du schaffen. Ich bin viel zu schnell gegangen“, sagt Swiercz. Das Ergebnis: eine Knieverletzung. Die Korbacherin musste ihre Pilgerreise abbrechen. Beim zweiten Mal soll alles anders werden: Langsameres Tempo, kürzere Etappen. Aber eigentlich will Manuela Swiercz die Strecke auch diesmal wieder alleine bewältigen, um Abstand vom Alltag nehmen zu können. Doch überraschend äußert Tochter Jessica (16) den Wunsch, ihre Mutter zu begleiten. „Ich hatte erst Zweifel, sie ist ja etwas fußfaul“, sagt Swiercz. Doch dann bucht sie den zweiten Flug nach Spanien hinzu.In der Stadt Burgos starten Mutter und Tochter die erste Etappe – genau dort, wo Manuela Swiercz vor einem Jahr aufgeben musste. Die Reise läuft gut, Blasen an den Füßen bleiben ihnen erspart. Die beiden Korbacherinnen lernen auf dem Weg Pilger aus aller Welt kennen, verständigen sich mit Händen und Füßen. Nur einmal denken sie ans Aufgeben: Den ganzen Tag über regnet es in Strömen, die Herberge ist schimmlig, ein Pilger stirbt auf dem Weg, die Stimmung ist am Boden. Doch Jessica und Manuela Swiercz beißen die Zähne zusammen: „Im Leben kann man auch nicht immer aufgeben“, sagt die Krankenschwester.

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