Korbacher Museum und Archiv bereiten Ausstellung über August Orth vor

Erinnerung an Korbacher Ehrenbürger

Mit einer Ausstellung wollen Dr. Ulrich Hussong, Dr. Wilhelm Völcker-Janssen, Waltraud Steuber und Wolfgang Kluß an den ersten Korbacher Ehrenbürger, August Orth, erinnern.Foto: Theresa Demski

Korbach - Fast haben ihn die Korbacher vergessen, jetzt holen ihn die heimischen Historiker mit Unterstützung aus der ganzen Republik zurück ins Bewusstsein: Am 16. September eröffnet im Museum eine Ausstellung über den Architekten August Orth.

August Orth wird ungefähr sechs Jahre alt gewesen sein, als er zum ersten Mal vor der Korbacher Kilianskirche stand. Das war um 1834. Damals war seine Familie gerade aus Windhausen nach Lengefeld in das alte Burggut gezogen. Mit großen Augen wird der kleine Junge vor dem stolzen Gebäude gestanden haben, denn sein Leben lang sollte ihn die Kilianskirche nicht mehr loslassen.

Viele Jahre später, nachdem August Orth längst an der Alten Landesschule sein Abitur bestanden und studiert hatte und als Baumeister in Berlin, Pyrmont, Essen und Bethlehem 30 eigene Kirchen entworfen und zwölf gebaut hatte, kehrte er nach Korbach zurück. Denn damals stand die Existenz der Kilianskirche auf dem Spiel. „Der Verfall bedrohte das alte Gotteshaus“, erklärt Korbachs Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen. August Orth nutzte seine Beziehungen nach Berlin. Er schrieb ein ausführliches Gutachten über die Kirche, nahm vor allem die Akustik des Gebäudes in den Blick und schrieb eine Denkschrift über den Wert der Kilianskirche. Mit einem Eilantrag an den Kaiser, den Orth unterstützte, baten die Korbacher um Geld. 40000 Mark wurden ihnen gewährt, die Kirche wurde bis 1896 renoviert.

Zwei Jahre später bedankte sich die Stadt Korbach für seinen Einsatz mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft - der ersten, die die Stadt ausstellte. Drei Jahre später starb Orth in Berlin.

„Heute kennt fast kein Korbacher mehr August Orth“, sagt Waltraud Steuber. Und das will die Archivmitarbeiterin dringend ändern. „Denn seine Verdienste um die Kilianskirche sind bedeutend“, sagt sie. Auch das alte Pfarrhaus, das heutige Dekanat, habe Orth ehrenamtlich geplant und später gebaut.

„August-Orth-Straße“

Und deshalb hat sie sich gemeinsam mit Dr. Wilhelm Völcker-Janssen, Stadtarchivar Wolfgang Kluß und Dr. Ulrich Hussong, Leiter des Marburger Stadtarchivs, im ganzen Land auf Spurensuche begeben.

„Wir dachten, wir betreten Neuland“, sagt Völcker-Janssen, „aber wir stellten fest, dass an vielen Stellen bereits Menschen über Orth forschen.“ Und so stellten sie Kontakt zu den Nachfahren des Korbacher Ehrenbürgers her, bekamen Fotos und Briefe. In Berliner Archiven fanden sie Pläne von riesigen Kirchen, von Bahnhöfen und Brücken. „Denn August Orth war nicht nur ein großer Kirchenarchitekt, sondern auch ein Städteplaner“, sagt Dr. Ulrich Hussong. Neben Gotteshäusern wie der Zionskirche in Berlin plante er auch die Stadtbahn in der Hauptstadt. „Mit seinen Ideen und Bauwerken hat er einen großen Beitrag geleistet, was die Infrastruktur von großen Städten angeht“, lobt Völcker-Janssen. Nur ein Gesamtwerk über August Orth gebe es bisher eben nicht, sagt Hussong.

Daran arbeitet nun das Team um Waltraud Steuber, das am 16. September im Bonhage-Museum die Ausstellung über August Orth eröffnet. Dazu soll auch ein Museumsheft zum ersten Korbacher Ehrenbürger erscheinen. Und noch eine Anregung hat Waltraud Steuber: „Ich würde mir wünschen, dass wir eine Straße nach August Orth benennen.“ (resa)

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