Korbach: Klassensprecher bringen im Rathaus Ideen und Beschwerden ein

Ernsthaftes Gespräch unter Experten

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- Korbach (resa). Kinder haben eine eigene Meinung: Das bewiesen die Korbacher Klassensprecher beim Infonachmittag im Rathaus eindrucksvoll. Politiker und Rathausmitarbeiter stellten sich den Fragen der jungen Korbacher.

Sie haben einen eigenen Blick auf die Welt, sorgen sich zuweilen um ihre Sicherheit, ärgern sich über Entscheidungen der Erwachsenen und sprudeln über vor Ideen: Um Kindern und Jugendlichen in Korbach bei kommunalpolitischen Entscheidungen eine Stimme zu geben, hat die Stadtverordnetenversammlung schon 2009 die Infoveranstaltung für Kinder und Jugendliche erfunden. Informationen über die Stadt und aktuelle Entwicklungen bekommen hier nicht nur die Klassensprecher der Korbacher Schulen, sondern auch die Stadtverordneten und Amtsleiter.

Kaum ein Klassensprecher schlug die Einladung am Montagnachmittag aus, mitzureden und mitzudenken. Im vollen Ratssaal nahmen die Kinder und Jugendlichen Platz und gaben den Ton an – erst scheu und dann immer mutiger, bis die Fragen und Anregungen nur so sprudelten.Auf der Tagesordnung stand ganz oben die Beteiligung der jungen Korbacher an der Präventionsarbeit. Nach einem kurzen Überblick über die Arbeit der Stadt, erzählten die Schüler aus ihrem Alltag. Ob Handysucht oder Facebookangst: Gemeinsam mit Carsten Vahland vom Ordnungsamt suchten die Schüler nach Möglichkeiten der Hilfe.

„Am Skaterplatz sind manchmal Kinder, die rauchen und Wodka trinken“, erzählte ein Junge, „das ist doch nicht gut“. Genau hinsehen und ruhig mal im Rathaus vorbeikommen, empfahl der Bürgermeister. Und auch Andrea Franke vom Jugendhaus erklärte: „Wir kontrollieren immer mal wieder den Skaterplatz, aber wir brauchen dabei eure Hilfe.“ Und damit hatten die Kinder wie selbstverständlich zum zweiten Tagesordnungspunkt übergeleitet: Stadtteilrundgänge für Jugendliche. „Was macht euch Sorgen in eurer Heimat? Was muss sich ändern?“ fragte Korbachs Goldmarie Jana Möseler die Kinder. Und denen fielen viele Ecken einen, an denen sie sich unwohl fühlen, wo sie sich mehr Licht und Sicherheit wünschen. Bürgermeister und Ordnungsamtsleiter versprachen Besserung.

Und auch beim kulturellen Programm der Stadt ist die Mitwirkung der Jugend gefragt, das machte Ute Ehringhausen vom Kulturamt deutlich. Schnell fielen den Jugendlichen Bands und Gruppen ein, die sie ins Jugendhaus einladen wollen. Sie schlugen einen „Poetry Slam“ vor, bei dem literarisch interessierte Jugendliche auf ihre Kosten kommen sollen, und sie beschwerten sich bitterlich über die frisch auferlegte Sperrstunde.

Nachdem Karl-Helmut Tepel den jungen Gästen das geplante Internet-Beschwerdesystem der Stadt vorgestellt hatte, war Zeit für eigene Wünsche und Beschwerden: „Es gibt zu viele Leerstände in der Stadt“, beklagten sich die Schüler, „und wir haben zu wenig interessante Geschäfte.“ Sorge ums Korbacher Kino wurde laut, Kritik an schlechten Busverbindungen und verspäteten Fahrten des Anrufsammeltaxis. Am Ende nahm Bürgermeister Klaus Friedrich eine lange Liste von Wünschen und Beschwerden mit, denen es sich nun zu stellen gilt.

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