Korbacherinnen zeigen vor dem Rathaus Solidarität mit streikenden Kolleginnen

Erzieherinnen fordern mehr Anerkennung

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„Aufwertung“ wünschen sich die Erzieherinnen, die gestern Nachmittag spontan zum Korbacher Rathaus kamen. Sie streiken zwar nicht, solidarisieren sich aber mit den Kolleginnen und Kollegen, die seit Wochen auf die Straße gehen.Foto: Demski

Korbach - Spontan und unmissverständlich: Mit Plakaten, Pfeifen und Trommeln solidarisierten sich Korbacher Erzieherinnen gestern Nachmittag vor dem Korbacher Rathaus mit streikenden Kolleginnen. Ihnen gehe es nicht ums Geld, sondern um die Anerkennung.

Marion Kurth hat noch etwas rote Farbe im Haar. Die Plakate sind noch ganz frisch. Denn der Protest der Korbacher Erzieherinnen formiert sich gestern Nachmittag ganz spontan vor dem Korbacher Rathaus. Die Leiterin der Kindertagesstätte Kunterbunt hat rumgefragt und viele wollten mitmachen: „Wir wollen nicht streiken. Viele von uns sind gar nicht gewerkschaftlich organisiert“, erklärt Marion Kurth, „aber wir haben ein Gewissen“.

Und so sind städtische Mitarbeiterinnen aus vielen Einrichtungen in der Kernstadt und aus den Ortsteilen zum Rathaus gekommen. Nicht untätig rumsitzen, sondern Solidarität zeigen, wollen sie an diesem Nachmittag mit Plakaten, Trommeln und Pfeifen. „Es geht uns in erster Linie gar nicht ums Geld“, sagt Marion Kurth durch das Megaphon, „sondern um die Rahmenbedingungen.“ Und damit meint sie zum Beispiel die Frage nach dem Personal. Zu wenig Mitarbeiter für steigende Anforderungen. Stellen, die nicht wieder besetzt werden. „Hier wird auf Kosten der Kinder gespart“, beklagt die Erzieherin. Auch die Berechnung von Arbeitszeiten müsse neu bedacht werden. „Wir brauchen auch Zeit für Fortbildungen, für Elterngespräche und Nacharbeitungen“, sagt Marion Kurth, „das knapsen wir im Moment immer irgendwo ab.“

Und am Ende geht es den Erzieherinnen vor allem um Anerkennung. Und die müsse sich auch in einer fairen Bezahlung äußern, sagen die Demonstrantinnen. „Es steht den Menschen, die sich um unser Geld kümmern, mehr Gehalt zu als den Menschen, die sich um unsere Kinder kümmern“, beklagen die Erzieherinnen. Dafür gehen die Mitarbeiter der Lebenshilfe im Landkreis seit vier Wochen auf die Straße. Auch sie stehen gestern den Kollegen vor dem Rathaus bei. Sie alle betonen allerdings auch: Nicht die Träger der Kindergärten seien Schuld an den Bedingungen, sondern die Gesetze.

Und so gibt es gestern Nachmittag in Korbach auch Unterstützung aus der Politik: „Wir schätzen Ihre Arbeit“, versichert Gudrun Limperg in Vertretung des Bürgermeisters, „und wir wünschen uns, dass eine faire Lösung gefunden wird.“

Dafür sitzen seit gestern in Berlin Arbeitgeber und Gewerkschaften wieder an einem Tisch, nachdem die Verhandlungen am 21. April ergebnislos geendet hatten. Viele Erzieher setzen die Streiks aber vorerst fort.

Von Theresa Demski

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