Usseln

Das ewige Licht ist erloschen

- Willingen-Usseln (bk). Nach der Profanierung der Usselner St.-Sturmius-Kirche wurden am Freitag die unter dem Altar eingemauerten Reliquien geborgen.

Für Kurt Dolleschel, der jahrzehntelang den Küsterdienst versehen hat, ist es eine ganz schwierige Situation. Es war „seine“ Kirche, ein Gotteshaus, mit dem er innerlich verwachsen war. Heute vor zwei Wochen wurde sie profaniert, verlor also mit der Verlesung eines entsprechenden Dekrets des Paderborner Erzbischofs Hans-Josef Becker ihren sakralen Charakter. Für die Besucher des letzten Festhochamtes waren es bewegende Momente, als nach über 38 Jahren das ewige Licht erlosch und das Allerheiligste aus der Kirche herausgetragen wurde. Gestern nun erfolgte ein weiterer Schritt: Peter Rossmanith, Mitglied des Kirchenvorstands mit langjähriger handwerklicher Erfahrung, öffnete den Deckel des Reliquiengrabs. Es befand sich unter dem Altar der St.-Sturmius-Kirche und war mit Mörtel fest verschlossen. Dechant Gisbert Wisse und Gemeindereferentin Ursula Beste entnahmen dem Marmorgrab einen kleinen, versiegelten Bleibehälter, in dem sich die Reliquien befinden, außerdem Urkunden, die deren Authentizität bescheinigen. Der damalige Fuldaer Bischof Adolf Bolte beurkundete am 14. Juli 1970, dass er der Upländer Kirchengemeinde ein Kästchen mit Reliquien des heiligen Sturmius übermittelte. In einem 1997 von der katholischen Kirchengemeinde Willingen herausgegebenen Buch über „Willingen und seine Kirchen im Wandel der Jahrhunderte“ berichtet Diether Pöppel, dass sie am Tag der Kirchenweihe gemeinsam mit Reliquien des Kölner Märtyrer-Bischofs St. Engelbert in den Stein eingefügt wurden. Dechant Gisbert Wisse, Gemeinderefentin Ursula Beste und Martina Müller als Vertreterin des Pfarrgemeinderats werden das Kästchen demnächst nach Paderborn bringen. Dort darf das Siegel erbrochen werden, sodass die Vertreter der katholischen Kirchengemeinde sich anhand der Urkunden genauer über die Reliquien informieren können. Sie werden dann erneut versiegelt. „Sie sind wertvoll für die Gemeinde. Es gibt Überlegungen, sie in Zukunft eventuell in der Willinger Kirche aufzubewahren“, so Dechant Wisse.Die bisherige Usselner Kirche soll als Depot für kirchliches Kunstgut genutzt werden. Dechant Wisse ist froh, dass eine sinnvolle religiös-kulturelle Verwendungsmöglichkeit gefunden wurde. Als Depotkirche ist sie zwar kein öffentliches Museum, kann aber möglicherweise nach vorheriger Absprache von interessierten Gruppen besichtigt werden.

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