Bewährungsstrafe für 27-Jährigen · Angeklagter sieht sich als Opfer

Ex-Freundin gewürgt, Polizei beleidigt

Korbach - Zwei Verhandlungstermine vor dem Korbacher Amtsgericht waren notwendig, um zu einer Entscheidung zu gelangen. Richter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling verurteilte am Montag einen 27-jährigen Briloner wegen Beleidigung und vorsätzlicher Körperverletzung zu sieben Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe von 1000 Euro.

Bis zur Urteilsverkündung galt es viele Unklarheiten zu beseitigen, wofür zum zweiten Verhandlungstermin auch ein Rechtsmediziner als Sachverständiger geladen war. Hatte der Angeklagte seine Freundin gewürgt? War ihm das aufgrund seiner Erkrankung überhaupt möglich? Oder verstrickten sich etwa die Zeuginnen in Falschaussagen? Vollends aufgeklärt wurde der Fall nicht, denn die Angaben von Zeugen und Angeklagtem unterschieden sich teilweise stark.

Dieser hatte sich gleich in zwei Fällen zu verteidigen. Am 20. April 2011 soll er seine damalige Freundin - seiner Aussage nach bereits Ex-Freundin - beim Indianerwäldchen in Korbach aufgesucht haben. Dort hatte sie sich mit Freundinnen getroffen, die ebenfalls als Zeugen zum ersten Verhandlungstermin geladen waren (WLZ vom 24. Februar). Seiner Aussage nach wollte er Sachen aus der gemeinsamen Wohnung holen. Die Gruppe fuhr im Verlauf des Abends mit dem Auto auf den Hauerparkplatz, wo es zu einer lautstarken Auseinandersetzung kam.

Dass er dabei handgreiflich wurde, bestritt der gebürtige Jugoslawe. Deshalb forderte seine Anwältin einen Sachverständigen, der das Ausmaß der Verletzung bewerten sollte. Laut Zeugenaussagen soll der Angeklagte zwei bis drei Minuten lang durch das Autofenster an den Hals der Geschädigten gegriffen haben - mal fester, mal weniger fest. Dabei hat sie sich nur einen Kratzer zugezogen. Für die Verteidigerin war die Zeitangabe der Zeuginnen Indiz für eine Falschaussage. Zwar erklärte auch der Sachverständige, dass die Verletzungen bei solch einer Zeitspanne höher gewesen sein müssten, doch gab er auch zu bedenken, dass das Zeitempfinden in Extremsituationen stark unterschiedlich sein kann.

Der Angeklagte gab zudem an, aufgrund eines Karpaltunnelsyndroms, was zu Taubheit in den Händen führt, nicht fest zugreifen zu können. Dem widersprach der Rechtsmediziner, dürfte der 27-jährige bei den beschriebenen Ausprägungen der Krankheit doch längst kein Auto mehr fahren. Der Briloner sah sich in der Rolle des Opfers, dessen Leben von der Ex-Freundin zerstört werden soll.

Seine Verteidigerin war daher auf eine detailreiche Beweisaufnahme bedacht. Bereits beim ersten Verhandlungstermin ließ sie die Fleecejacke der Geschädigten in den Gerichtssaal holen, um den Würge-Angriff möglichst detailgetreu nachstellen zu können. Gestern forderte sie dann zwei Minuten Ruhe im Gerichtssaal, um zu verdeutlichen, wie lange der Angriff gedauert haben soll.

Letztendlich half das alles nichts. Sie plädierte auf Freispruch, dem folgte das Gericht nicht. Richter Kalhöfer-Köchling hatte keinen Zweifel, „dass der Sachverhalt sich ereignete, wie von den Zeugen beschrieben“. Gegen den Angeklagten spreche auch eine aktuelle Bewährungsstrafe wegen Körperverletzung.

Polizei für die Heimfahrt

Ähnlich verhielt es sich im zweiten Fall. Dort wurde dem Briloner vorgeworfen, Polizisten beleidigt zu haben. Angeblich war sein Auto vom Parkplatz des Arbeitgebers verschwunden. Am nächsten Tag tauchte es bei der Ex-Freundin auf. Der Angeklagte vermutete, die 22-Jährige habe es dorthin gefahren. Als er nachts die Polizei rief, forderte er die Beamten auf, ihn nach Hause zu fahren. Beide Polizisten gaben an, dass er ein aggressives Verhalten an den Tag gelegt habe und dabei beleidigend geworden sei. Das alles zusammen ergab die Gesamtstrafe, wobei die Bewährungszeit auf vier Jahre ausgesetzt ist.(tt)

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