Polizistin sagt im Drogenprozess gegen drei Korbacher aus

Aus Fällen wurde ein Fall

Kassel / Korbach. - Vor Gericht gibt es eigentlich nichts zu lachen. Aber bei der Szene „virtueller Ortsbegang“ vor dem Kasseler Landgericht müssen sogar die drei Angeklagten schmunzeln. Wie eine Großfamilie beim Fotografen stehen zwei Richter, zwei Schöffen, drei Verteidiger, ein Staatsanwalt und zwei Sachverständige in ihren langen schwarzen Roben dicht gedrängt vor dem Computer der Protokollführerin und schauen gebannt auf den Bildschirm.

Der Beobachter sieht interessierte Gesichter und sich reckende lange Hälse – da muss spannendes Material zu sehen sein. Gezeigt wird aber nur die Straßenkarte von Korbach mit dem Ausschnitt Weizackerstraße/Rhenaer Straße und den einzelnen Parzellen des angrenzenden Schrebergartens.

Eine Kripobeamtin aus Korbach spricht dazu aufklärende Worte, wo genau die Parzelle mit dem Holzhaus liegt, das von den Angeklagten als Marihuana-Bunker missbraucht wurde. Die Polizistin hat in dem Drogenfall ermittelt und redet an diesem Mittwoch, dem fünften Prozesstag, als Zeugin vor der Strafkammer mit dem Vorsitzenden Richter Volker Mütze. Angeklagt sind zwei Männer (23 und 27) und eine Frau (22) aus Korbach. Sie sollen zwei Jahre lang (Juli 2009 bis Juli 2011) in 64 Fällen die Rauschdroge Marihuana im niederländischen Groningen erworben und in Deutschland verkauft haben.

Der Frau (22), Schwester des älteren Angeklagten, wird vorgeworfen, sie habe einige der verwendeten Autos angemietet und mehrere Male den zweiten Wagen gesteuert, der stets das Drogentransport-Auto begleitet hatte, um an der Landesgrenze die Sicherheit zu überprüfen. An der Drogenbeschaffung in Groningen waren verschiedene Kuriere beteiligt, alles Freunde oder Bekannte der Angeklagten. Die Korbacher Polizei habe in dem Fall anfangs die drei Angeklagten, die ja vermutlich die Drahtzieher dieser Holland-Fahrten seien, nicht gekannt, sondern nur zwei Kuriere, die mit der heißen Ware im Auto erwischt worden seien, sagte die Kripobeamtin. Und auch zwischen diesen beiden Fällen habe es noch keine ersichtlichen Gemeinsamkeiten gegeben.

Das gelte auch für die Bareinzahlungen der angeklagten Frau bei einer Korbacher Bank. Als 17-Jährige marschierte sie im Dezember 2008 mit 12 000 Euro und einer Frau in das Kreditinstitut, um das Geld in große Scheine umzutauschen. Sie erklärte den Bankangestellten, dass die Frau mit dem Geld aus Osteuropa nach Deutschland gekommen sei und sie kein Deutsch spreche. Sie wolle ihr nur helfen. Die ominöse reiche Frau aus dem Osten erkannte die Kripobeamtin später auf einem Foto wieder, das in der Bank aufgenommen wurde.

Es war die damalige Freundin des 27-jährigen Angeklagten, mit der er zwei Kinder hat. Die Angeklagte wiederholte diese Geldumtauschaktion noch einmal mit 3000 Euro, und ihre Mutter erschien später mit 5000 Euro und dem gleichen Wunsch am Bankschalter. Verbindungen in diesen Fällen seien erst durch weitere Ermittlungen sichtbar geworden. „Vor allem an den Listen der Autovermieter haben wir uns entlanggehangelt und sind so auf immer neue Personen und Fahrten nach Holland gestoßen“, sagte die Ermittlerin. Der zweite Erfolgsgarant, dass die Gruppe aufflog, waren die Handys der männlichen Angeklagten, die bei der Durchsuchung ihrer Wohnungen beschlagnahmt worden waren. Darin fanden sich Gespräche und SMS-Mitteilungen nach Holland unter anderem mit dem Wortlaut „Kann er heute kommen?“

Die Auswertung der zwei Sim-Karten ergab, dass zwei gleiche Namen mit niederländischen Telefonnummern auf beiden Karten gespeichert waren. Es habe aber keine Ermittlungen in den Niederlanden gegeben, betonte die Kriminalisten. Eine Polizeikontrolle im norddeutschen Vechta im Dezember 2008 habe auch dazu beigetragen, dass aus scheinbar unterschiedlichen Fällen ein Fall wurde. Dort wurden die drei Angeklagten kontrolliert, und sie hatten rund 9000 Euro Bargeld bei sich. Das Geld sei für den Kauf eines Autos, versicherten sie den Polizisten. Das klang damals noch glaubhaft… (rsm)

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