"Fairtrade-Town-Botschafter" Hendrik Meisel informiert Korbacher über Weg zur gerechten Handelsstadt

Fairer Handel hilft Millionen Menschen

Korbach - "Fairtrade-Stadt Korbach: Machen Sie mit": Unter diesem Titel ruft Henrik Meisel die Korbacher am Donnerstagabend im Bürgerhaus auf, die internationale Städtekampagne für gerechten Handel zu unterstützen. Der Vortrag des "Fairtrade-Town-Botschafters" steht am Anfang des Zertifizierungsprozesses.

„Unsere klares Ziel ist, für die wunderbare Idee des fairen Handels zu werben“, begründet Bürgermeister Klaus Friedrich die von der Stadtverordnetenversammlung getragene Entscheidung, sich als Fairtrade-Stadt zu bewerben. Es gehe um nicht weniger als eine gerechte Welt und ein faires Miteinander.

Friedrich ist überzeugt, dass Korbach die fünf Kriterien, die auf dem Weg zur gerechten Handelsstadt zu erfüllen sind (WLZ, 25. Oktober), schnell abgearbeitet hat. „Wir haben hier Menschen, die seit vielen Jahren hinter dieser Idee stehen“, verweist er auf die Mitglieder der Eine-Welt-Initiative sowie des Agenda-Arbeitskreises „Fairer Handel“. „Auch die Stadt hat schon einiges getan, aber wie ich fairerweise sagen muss, immer auf Anregung dieser Bürger, deren Einsatz Wertschätzung verdient.“

Korbach ist gut aufgestellt

Die im Zuge der Zertifizierung geforderte Identifikation der Bürger mit der Kampagne demonstrieren am Donnerstagabend zwei Initiativen: Das Team des Weltladens präsentiert eine Auswahl seines Angebots, die von Kaffee bis Kunsthandwerk reicht. „Neu ist unsere Bildungssäule. Wer andere vom gerechten Welthandel überzeugen will, findet hier Informationsmaterial“, wirbt Franz Harbecke, Vorsitzender der Eine-Welt-Initiative und Sprecher der eigens für die Zertifizierung gegründeten Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt Korbach.

Dass gerechter Handel auch an der Alten Landesschule Korbach seit langem Thema ist, zeigen Lia Noebel und Chantal Misz am „Fairtrade-Point“. Ihren Schul-Weltladen, in dem sie in jeder Pause Produkte vom Snack bis zum Schulbedarf verkaufen, haben die Mitglieder der Fairtrade-AG an diesem Abend kurzerhand im Bürgerhaus eröffnet.

Hoch erfreut über den bisherigen Einsatz der Korbacher und ihr Interesse an der Fairtrade-Town-Kampagne zeigt sich Referent Hendrik Meisel (Foto). Obwohl sich Korbach auch aus seiner Sicht bereits auf einem guten Weg befindet, nutzt er die Auftaktveranstaltung, um den Zuhörern die Idee des gerechten Handels noch näher zu bringen.

Über 1000 Fairtrade-Städte

Eloquent informiert der Mitarbeiter der Siegelgesellschaft „Trans-Fair“, die Produkte und Städte in Deutschland zertifiziert, über die Geschichte, wichtige Eckdaten (siehe Kasten) und die drei tragenden Säulen des fairen Handels: Soziales, Ökonomie und Ökologie. Als Beispiele für diese Themenfelder nennt der „Fairtrade-Town-Botschafter“ gute Arbeitsbedingungen, stabile Mindestpreise und nachhaltigen (Bio-)Anbau. „Die Grundidee ist, das zu zahlen, was die Menschen wirklich brauchen. Schließlich leben derzeit rund 2,5 Milliarden Menschen von weniger als zwei US-Dollar pro Tag“, erklärt Meisel. Fairer Handel hilft aus Sicht des Experten nicht nur Ernährung, sondern auch medizinische Versorgung und Bildung zu sichern. „Weltweit profitieren schon zehn Millionen Menschen vom fairen Handel.“

Damit die Welt noch gerechter wird, „haben sich viele Städte auf den Weg gemacht“, betont Meisel. Inzwischen gibt es mehr als 1000 „Fairtrade-Städte“ in 23 Ländern, 121 davon in Deutschland. Dass auch Korbach bald dazu zählen wird, daran zweifelt im Bürgerhaus niemand - auch wenn der Bürgermeister noch kleine Tipps erfragt, um weitere Gastronomen von Fairtrade-Produkten zu überzeugen. „Die Urkunde wird für uns Motivation sein weiterzumachen“, blickt Friedrich voraus. „Viele Städte denken die Idee nach der Zertifizierung lokal weiter“, ermuntert Meisel, mehr als die geforderten Partner zu gewinnen. Kaffee sei zum Beispiel das ideale „Einsteigerprodukt“ für Seniorenheime und Krankenhäuser.

„Und immer schön fair bleiben“, verabschiedet sich Meisel. Das können die Wegbereiter der Fairtrade-Stadt Korbach nur unterschreiben, denn in der Stadtverordnetenversammlung war die Bewerbung kontrovers diskutiert worden.

Zahlen und Fakten

Der Kölner Verein „Trans-Fair“, der in Deutschland Produkte und Städte mit dem internationalen Fairtrade-Siegel auszeichnet, zählt bundesweit 200 Anbieter, die rund 1900 fair gehandelte Produkte verkaufen. Diese sind laut Mitarbeiter Hendrik Meisel in 33 000 Geschäften (bis zum Discounter) und 18 000 Gastronomiebetrieben zu haben.

Menschen in 63 Ländern produzieren die Waren, die in 70 Ländern konsumiert werden. In Deutschland betrug der Umsatz 2011 etwa 400 Millionen Euro. Meisel: „Das sind zwar nur zwei Promille vom Gesamtumsatz, aber es ist ein Anfang. Außerdem kommen rund 20 Prozent davon beim Produzenten an.“ Bei konventionellen Produkten seien dies ein bis drei Prozent. (nv)

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