Aufräumarbeiten gehen in Korbach nach „Downburst“ weiter

Fallböe mit der Kraft eines Tornados

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Auf dem Korbacher Friedhof liegen stellenweise noch dicke Äste; gleichwohl sind die Sicherungs- und Aufräumarbeiten fortgeschritten und der größte Teil des Geländes ist wieder frei zugänglich. Fotos: Marianne Dämmer

Korbach - Gewitter-Fallböen hatten am ersten Juliwochenende in Korbach zum Teil schwere Schäden angerichtet. Auf dem Friedhof wurden von den 286 dort stehenden Bäumen 200 beschädigt. Der Schaden für die Stadt liegt im fünfstelligen Bereich.

Umgeknickte Bäume, zerstörte Dächer und Grabsteine, verstopfte Gullis, Wassermassen auf Straßen und vollgelaufene Keller - die Schäden, die am 5. Juli ein schwerer Sturm in Korbach verursachte, sind inzwischen weitgehend behoben. Noch erinnern abgerissene Baumteile auf dem Friedhof und große Ast-Haufen entlang des Südrings an das Unwetter - und die Steiger mit Arbeitsbühnen, auf denen Mitarbeiter des Korbacher Bauhofs derzeit loses Astwerk aus den Baumkronen schneiden.

„Diese Arbeiten werden voraussichtlich bis Ende der Woche erledigt sein“, erklärte Bauhofleiter und Stadtbrandinspektor Friedhelm Schmidt gestern auf Nachfrage der WLZ. Rund 20 Mitarbeiter des Bauhofs seien derzeit für die Aufgaben abgestellt, außerdem zusätzlich drei bis vier Fremdfirmen mit jeweils sechs bis zehn Mitarbeitern, erklärt Schmidt weiter. 35 Bäume haute der Sturm um, an rund 600 Bäumen wurden die Kronen zum Teil arg in Mitleidenschaft gezogen. An weiteren 200 Bäumen gebe es Schäden, die Mithilfe von Teleskopstangen auch vom Boden aus bearbeitet werden könnten.

Allein auf dem Friedhof ließ der Sturm viele Äste barsten: „Von den 286 Bäumen, die dort stehen, wurden 200 beschädigt“, sagt Schmidt. Inzwischen ist der größte Teil des Friedhofs wieder zugänglich; am Waldecker Berg warnen noch Hinweisschilder vor der Gefahr herabfallender Äste.

Derzeit stehe vor allem die Verkehrssicherheit im Vordergrund bei allen Arbeiten. Von Herbst an bis zum Februar 2016 müsste an den betroffenen Bäumen dann noch ein Pflegeschnitt folgen. Die Kosten, die für die Stadt Korbach durch den Sturm entstanden sind, „liegen in einem nennenswerten fünfstelligen Bereich“, sagt Friedhelm Schmidt.

200 Kilometer pro Stunde

Bei dem Sturm, auf dem Friedhof, vorbei an der Kilianskirche bis hinauf zum Waldecker Berg stellenweise eine hohe Zerstörungskraft an den Tag legte, handelt es sich um einen so genannten Downburst - eine Gewitter-Fallböe, erklärt Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach, auf Nachfrage der WLZ. Sie würden bei starken Gewittern entstehen, wenn es eine sehr hohe Wolkenbasis gebe - wie am Sonntag in Korbach und anderen Landesteilen. Dann falle aus Gewitterzellen nicht nur großer Hagel, sondern auch starker Regen aus hohen Luftschichten. Außerdem schnelle damit auch kalte Luft nach unten, „die am Boden ja irgendwohin muss und sich dann geradlinig ausbreitet“, erklärt der Experte. Täler oder Hausschluchten würden die Kräfte noch zusätzlich kanalisieren. „Dann können sie Geschwindigkeiten von über 200 Kilometer pro Stunde erreichen - das ist die Stärke eines mittleren Tornados“, sagt Friedrich. So würden sich auch die massiven Schäden erklären, die solche Gewitter-Fallböen anrichten könnten.

2003 war es noch heißer

Dem starken Gewittersturm am Sonntag war ein extrem heißer Samstag vorausgegangen. In Bad Nauheim herrschten am 4. Juli knapp 39 Grad Celsius, „die höchste Temperatur, die jemals in Hessen gemessen wurde“, sagt Tornadobeauftragter Andreas Friedrich. In Korbach hat der DWD keine Messstation - dafür aber im Twistetaler Ortsteil Mühlhausen. Dort wurden am 4. Juli genau 36,5 Grad Celsius verzeichnet. „Das war aber nicht der Rekord. Der wurde am 10. August 2003 gemessen: Damals herrschten dort 37,6 Grad.“

Von Marianne Dämmer

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