Korbacher Zahnarzt wird Opfer eines Identitätsdiebstahls bei Facebook

Falscher „Micha Salzer“ will Geld

+
Täuschend echt: Das gefälschte Profil unter dem Namen „Micha Salzer“, der Betrüger kopierte einfach Texte und Fotos aus dem Originalprofil des Korbacher Zahnarztes. Kleines Bild: das echte Profil von Mike Salzer.

Korbach - Hilfsbereitschaft hätte in diesem Fall teuer werden können: Ein Betrüger hat sich bei Facebook als Korbacher Zahnarzt Mike Salzer ausgegeben und dessen Freunde gebeten, ihm mit 100 Euro aus der Patsche zu helfen.

Mike Salzer fiel aus allen Wolken, als er auf den Bildschirm sah: Am Samstag tauchte ein von bislang Unbekannten erstelltes falsches Profil des Korbacher Zahnarztes auf. Unter dem Namen „Micha Salzer“ schrieb der Betrüger Salzers Bekannte an und bat um Geld: „Ich kann hier nicht weg und brauche eine Paysafekarte im Wert von 100 um etwas zu bestellen. Die kann man sich in einer Tankstelle oder Kiosk kaufen. Konntest du das fur mich machen? Du bekommst heute abends oder morgen (...) 125 zuruck, also 25 euro mehr. Wenn ja sag mir bitte bescheid. Kannst mir dan einfach mal die Nummer schreiben.“

Rund 50 Bekannte von Mike Salzer haben dieses Anschreiben erhalten. Das Profil wirkte täuschend echt: „Er hat Beiträge, Fotos und meinen Lebenslauf aus meinem echten Facebook-Profil kopiert“, sagt Salzer.

Clever kopiert

So clever der unbekannte Betrüger beim Kopieren von Salzers Profil war, so plump war allerdings auch sein Versuch, von den Bekannten des Zahnarztes Geld zu erschleichen. „Ich habe gut 150 Freunde bei Facebook, knapp 50 davon hat er angeschrieben“, sagt Salzer. Die Botschaft steckte voller Rechtschreibfehler und Ungereimtheiten. Nach Salzers Kenntnis ist keiner seiner Bekannten auf die seltsame Anfrage eingegangen. Stattdessen machten die Freunde Salzer auf das gefälschte Profil aufmerksam.

Der Unbekannte hatte um 100 Euro über eine sogenannte „Paysafecard“ gebeten. Das elektronische Zahlungsmittel erlaubt es Käufern, nicht mehr ihre Kontodaten oder Kreditkarte angeben zu müssen. Sie bezahlen nach dem Vorkasse-Prinzip (Prepaid) - und bleiben völlig anonym. Die Karten gibt es bei Tankstellen, Drogeriemärkten oder Kiosken. Der Kunde zahlt 10, 25, 50 oder 100 Euro und bekommt dafür eine Gutschrift in Form eines 16-stelligen PIN-Codes, mit dem er bei Online-Shops einkaufen kann.

„Die Masche ist nicht unbekannt“, sagt Volker König, Sprecher der Polizeidirektion in Korbach. Meistens kommen die Anfragen jedoch per E-Mail. Immer wieder würden auch Facebook-Profile kopiert, erklärt die zuständige Ermittlerin bei der Kriminalpolizei in Korbach. Häufig geht es dabei aber um Mobbing: Unter falschem Namen werden andere beleidigt.

Ob der Diebstahl digitaler Identitäten an sich strafbar ist, dazu gibt es noch kein Grundsatzurteil. Wenn die Daten allerdings ausgespäht oder missbräuchlich eingesetzt wurden - etwa für klassische Betrugsdelikte -, ist auf jeden Fall ein Straftatbestand erfüllt. Opfer eines Identitätsdiebstahls sollten alle Bekannten informieren, Anzeige bei der Polizei stellen und das gefälschte Profil beim Betreiber des sozialen Netzwerks melden.

Die Ermittlerin der Korbacher Kriminalpolizei rät außerdem, zur Beweissicherung ein Bildschirmfoto (Screeenshot) der Fälschung anzufertigen. Über die beim Netzwerk-Betreiber gespeicherten Daten kann die Polizei dann versuchen, die Spur zum Betrüger zurückzuverfolgen.

Wer eine dubiose Anfrage, in der um Geld gebeten wird, erhält, der sollte besonders die Augen aufmachen, empfiehlt Volker König: „Nie ohne persönliche Rücksprache Geld überweisen, Geld nur persönlich übergeben und nie an Fremde, Nummern von Paysafekarten nicht am Telefon oder per Mail durchgeben.“

Opfer von Identitätsdiebstahl kann jeder werden. Dazu ist noch nicht einmal die Mitgliedschaft bei Facebook oder einem anderen sozialen Netzwerk nötig: Um ein falsches Profil zu erstellen, reichen im Prinzip der Name und ein paar persönliche Daten wie Geburtstag, Wohnort und Beruf aus. Ein echtes Portraitfoto - irgendwo aus dem Internet gefischt - macht die Fälschung glaubwürdiger. Sich selbst zu schützen ist (fast) unmöglich. Es sei denn, man verweigert das Internet. Dass das heute kaum mehr eine Option ist, liegt auf der Hand.

HIntergrund

Mit diesen Tipps der Polizei lassen sich Gefahren bei Facebook und Co. minimieren:

-Machen Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen und den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des jeweiligen sozialen Netzwerkes vertraut.

-Legen Sie ein Profil erst dann an, wenn Sie wissen, was mit Ihren Daten geschieht, wer darauf Zugriff hat und ob diese Daten eventuell weitergegeben werden.

-Klären Sie, wer die Rechte an hochgeladenen Bildern hält. Stellen Sie generell keine heiklen Bilder ein.

-Überlegen Sie genau, welche Informationen Sie für wen freigeben möchten. Stellen Sie keine vertraulichen Informationen über Freunde oder Arbeitgeber ins Netz.

-Wählen Sie Ihre Kontakte mit Bedacht und überprüfen Sie, ob die Person tatsächlich zu den Freunden hinzugefügt werden soll.

-Klicken Sie nicht auf unbekannte Links, denn soziale Netzwerke werden bevorzugt für Identitätsdiebstahl oder Phishing benutzt.

-Achten Sie auf Ihr Passwort. Nutzen Sie unterschiedliche, sichere Passwörter, die Sie regelmäßig ändern sollten.(r)

Kommentare