Ausstellungseröffnung über Leben von August Orth führt Familie zusammen

Der fast vergessene Sohn ist zurück

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Zur Eröffnung der Sonderausstellung über August Orth kamen auch zahlreiche Nachfahren von Korbachs erstem Ehrenbürger. Sie versammelten sich mit den Initiatoren der Ausstellung vor dem Gebäude, das Orth vor dem Verfall rettete: der Kilianskirche.

Korbach - Zahlreiche Gäste waren am Sonntag im Wolfgang-Bonhage-Museum bei der Eröffnung der Sonderausstellung über August Orth mit dabei, unter ihnen viele Nachfahren des fast vergessenen Korbacher Ehrenbürgers.

Wie viele „Ur“ vor Neffe oder Nichte gehören, da waren sich die Nachfahren von August Orth (1828-1901) selbst nicht immer so sicher. Über 20 Familienmitglieder aus ganz Deutschland waren am Sonntag zur Ausstellungseröffnung über das Leben von August Orth nach Korbach gekommen. Nicht allen war vorher bewusst, wie weit der Stammbaum reicht, und so haben die Initiatoren mit ihrer Ausstellung auch für eine Art Familienzusammenführung gesorgt.

Freude bei der Familie

Dementsprechend gab es zahlreiche lobende Worte, vor allem für Waltraud Steuber vom Stadtarchiv, die den Stein vor rund zwei Jahren nach einer Anfrage zu August Orth ins Rollen brachte. Gemeinsam mit den Mitarbeitern vom Stadtarchiv, dessen Leiter Wolfgang Kluß, Dr. Wilhelm Völcker-Janssen vom Museum und Dr. Ulrich Hussung, Leiter des Stadtarchivs Marburg, wurde dann Stein für Stein und Dokument für Dokument aus dem Leben von August Orth zusammengesetzt.

„Vor einem Jahr hätten wir uns nicht träumen lassen, dass es mal solch eine Ausstellung geben wird“, sagte dann auch Ludwig Orth, der Urgroßneffe August Orths. Die Familie hätte zwar gewusst, wer ihr Vorfahre war, „aber durch die Arbeit in Korbach wurde erst alles lebendig“, war ihm die Freude über das Erreichte anzumerken.

Weitere Würdigung möglich

„Ein zu Unrecht in Vergessenheit geratener Mann“, befand denn auch Bürgermeister Klaus Friedrich. Schließlich war der Architekt und Stadtplaner auch der erste Ehrenbürger Korbachs. Von 1834 bis 1848 verbrachte Orth seine Kindheit auf dem Burggut Lengefeld, Abitur machte er an der Alten Landesschule. Als Architekt entwarf er später unter anderem die Emmaus-Kirche in Berlin und eine Kirche in Bethlehem. Vor allem war es aber die Kilianskirche, der er sich verbunden fühlte. Und so bat er Kaiser Wilhelm II. in einem Eilantrag um Geld für den Erhalt der vom Verfall bedrohten Korbacher Kirche. Mit Erfolg. So stellte Friedrich in Aussicht, dass Orth in anderer Form in Korbach gewürdigt werden soll - ob mit einer Straßenbenennung oder einer Tafel ließ er offen.

Für Dr. Wilhelm Völcker-Janssen war Orth zudem ein „stadtplanerischer Visionär“. So sei er der geistige Vater der Berliner Straßenbahn gewesen. Doch das Projekt wurde nicht von ihm realisiert „und so gehört auch eine gewisse Tragik zu Orths Leben, die er auch selbst so gesehen hat“.

Heft zur Ausstellung

Das Wirken August Orths wird bis zum 20. Januar im Wolfgang-Bonhage-Museum dargestellt. Dort sind unter anderem ein Stammbaum, Familienexponate, Zeichnungen und Entwürfe sowie seine Bezüge zum Waldecker Land zu sehen.

Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 11 bis 16.30 Uhr geöffnet.

Passend dazu gibt es ein 168 Seiten starkes Museumsheft, das unter Mithilfe der Sparkassenstiftung Waldeck-Frankenberg und der Korbacher Bezirksgruppe des Waldeckischen Geschichtsvereins entstanden ist. Das Heft ist für 12 Euro im Museum, im Stadtarchiv und im örtlichen Buchhandel erhältlich. (tt)

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