Karl Wilke aus Benkhausen feiert goldenes Jubiläum als Jagdaufseher und will Amt an Sohn Horst überg

Von Faszination und Liebe zur Natur

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Diemelsee - Benkhausen - Vor 70 Jahren schoss er seinen ersten Hasen, vor 60 Jahren bestand er die Jagdprüfung und seit 50 Jahren ist Karl Wilke Jagdaufseher in Benkhausen. Zum goldenen Jubiläum hatte er Weggefährten und Kollegen zum Erinnern und Feiern eingeladen.

Kurz vor seinem 90. Geburtstag ging Karl Wilke auf die Jagd. Als er zurück nach Benkhausen kam, hatte er einen Rehbock im Gepäck. Schließlich kennt er den Wald wie seine Westentasche - in vielen Ländern der Welt. Er kennt seine Geräusche und Gerüche, seine Bewohner und Pflanzen. Und seinem Element bleibt der Benkhäuser treu, auch mit 90 Jahren.

In diesem Jahr stehen neben dem runden Geburtstag dann gleich drei Jubiläen im Kalender und vor allem eines war ihm besonders wichtig: Vor 50 Jahren wurde Karl Wilke Jagdaufseher in Benkhausen und übernahm damit Verantwortung gegenüber den örtlichen Jagdpächtern. Zum goldenen Jubiläum lud Wilke gemeinsam mit seiner Frau Hildegard und Sohn Horst Weggefährten, ehemalige und neue Pächter, Jägerkollegen und Freunde zum gemeinsamen Erinnern und Feiern ein. Und dabei kam dann eben auch jenes Dreifach-Jubiläum zur Sprache: „Als Soldat habe ich vor 70 Jahren in Belgien zum ersten Mal einen Hasen geschossen“, erinnerte er sich, „den haben wir in der Feldküche als Sonderration zubereitet.“ Zehn Jahre später unterzog er sich dann auch offiziell der Jägerprüfung - mit dem Fürsten und mit Erfolg.

Beobachten und Staunen

Als vor 50 Jahren der heimische Jagdaufseher aus Altersgründen die Segel strich, da wurde nach einem Nachfolger gesucht. Karl Wilke nahm die Herausforderung an. „Dass ich dieses Amt so lange behalten würde, das habe ich damals nicht gedacht“, sagt er heute lachend. Wenn die Pächter nicht da waren, betreute er das Revier. Er hatte die Tiere im Blick und war um ihr Wohlergehen besorgt.

Unterstützung bekam er dabei von Ehefrau Hildegard. Jäger, die nach Benkhausen zur Jagd kamen, wurden bei Familie Wilke untergebracht und fürstlich bewirtet. „Ohne meine Frau wäre ich kein guter Jagdaufseher gewesen“, stellte Wilke fest und bedankte sich mit Blumen für die Unterstützung. Hildegard Wilke war es auch, die das kleine Reh „Heidi“ mit der Flasche aufzog, als viele das Tier schon aufgegeben hatten. „Jede Nacht stand sie auf, fütterte Heidi und half ihr so zu überleben“, erzählte Karl Wilke. Eine Sünde allerdings habe er zu beichten, räumte er dann schmunzelnd ein: 1955 habe seine Frau zwei teure Kinokarten gekauft, um sich mit ihrem Mann einen schönen Abend zu machen. „Aber dann kam ein Sauen-fest dazwischen und ich habe das Kino einfach vergessen“, sagt er. Die Karten verfielen - seine Frau hat es ihm verziehen.

Und was hat ihn all die Jahre in seinem Amt bestärkt? Das sei vor allem die Liebe zur Natur gewesen. „Es geht nicht ums Töten, sondern ums Beobachten“, sagt er. Ein Morgen im Wald, wenn Ricke und Kitze in Frieden grasen oder die Bache mit Frischlinge unterwegs ist: Dann kann Karl Wilke auch mit 90 Jahren noch beeindruckt staunen.

Und doch ist es auch die Tatkraft, die die Pächter an ihrem Jagdaufseher schätzen. „Ich bin bestätigter Jagdaufseher“, erklärte Wilke, „also habe ich im Zweifelsfall auch Polizeigewalt.“ Die hat er allerdings in all den Jahren selten gebraucht. Das wünscht er sich auch für die Zukunft, wenn Sohn Horst das Amt übernimmt.

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